Dockland, Tanzende Türme, Berliner Bogen: Der berühmte Architekt Hadi Teherani ist für spektakuläre Bauten in Hamburg verantwortlich. Im Interview verrät er, was seine Bautechnik ausmacht und welche Ideen er gegen den Wohnungsmangel hat.

Lofthaus am Elbberg: Von Hadi Teheranis Büro aus blickt man direkt auf eine seiner Bauten. Das Dockland am ehemaligen England-Fähranleger zeigt, was die Entwürfe des deutsch-iranischen Architekten ausmachen: eine extravagante Form, viel Glas und eine stolze Größe.

Hadi Teherani wurde in Teheran geboren, wuchs aber in Hamburg auf. Architektur hat er an der Technischen Universität Braunschweig studiert. Seine Visionen werden weltweit verwirklicht und sind Touristenattraktionen – ohne urbaner Fremdkörper zu sein.

Seine Formsprache ist modern und sorgt für Kontraste in einer Stadt, in der viele Gebäude aus Backstein errichtet wurden. Das wird auch beim neuesten Hamburg-Projekt deutlich: Teherani wurde mit der Gestaltung der U5-Haltestellen beauftragt. Dabei stellt er die Lichtgestaltung in den Mittelpunkt, die sich an den menschlichen Tagesrhythmus anpassen soll. 2021 sollen die Bauarbeiten für das Projekt starten und neue Perspektiven aufzeigen.

Kamera: Christopher Bahl

Städten eine neue Chance geben

Teherani spricht von Städten als Organismen: „Eine Stadt muss Geschichte erzählen und gleichzeitig neue fantastische Geschichten erfinden.“ Die Idee dahinter sei, einer Stadt eine neue Chance zu geben, sich zu erweitern und auch zu verändern. Das sei die Aufgabe eines Architekten. „Genauso ist es unsere Aufgabe, alte Dinge zu bewahren, die gut sind“, so Teherani.

Baumaterial ist für ihn ein Spiegel der Gesellschaft, die Verwendung von Glas daher kein Zufall. „Es ist insgesamt offener geworden. Wir arbeiten flexibler, wir kommunizieren mehr, wir versuchen Innen und Außen miteinander zu verschmelzen.“ Insbesondere die Menschen in Hamburg seien kontaktfreudiger geworden. „Vor 20 Jahren gab es noch keine Restaurants mit Bestuhlung im Außenbereich“, sagt der Architekt.

Viele Ideen kommen aus dem Iran

Zu Teheranis Arbeit gehört es, sich auch mit Grenzen auseinanderzusetzen, unter anderem den statischen. Sie bieten ihm Ansporn: „Wenn man mir sagt, dass etwas nicht geht, bedeutet das für mich nicht, dass ich das so hinnehme. Geht nicht, gibt’s nicht!“

Bei seinen Projekten holt er Inspirationen ein, die er in Deutschland nicht findet. Viele seiner Ideen haben ihren Ursprung im Iran. Beispielsweise die Kühlungstechnik aus alt-iranischen Gebäuden, wie man sie in der Stadt Yazd findet. Dort gibt es besonders viele Systeme mit natürlicher Luftzirkulation: Der Wind jagt durch Türme über Wasserbecken und kühlt die Räume ab.

Neue Blicke auf Elbe und Reeperbahn

Interessant sind seine Bauwerke besonders für Touristen. Etwa das Dockland, das direkt an der Elbe in Altona liegt. Die Form des Bürogebäudes erinnert an ein Schiff. Hier versammeln sich täglich viele Menschen, machen Fotos und erklimmen die Außenstufen bis aufs Dach, um die Aussicht auf die Elbe und die Container-Terminals zu genießen.

Auch von der Skybar der Tanzenden Türmen aus hat man einen tollen Blick, diesmal über den Kiez. Mit dem Hochhaus-Duo an der Reeperbahn 1 setzte Teherani einen markanten Startpunkt für die sündige Meile. „Die Idee war, den Spirit von St. Pauli im Gebäude zum Ausdruck zu bringen, deshalb hat es diese dynamische Form bekommen. Es ist ein Wahrzeichen für St. Pauli geworden.“

Der Fünf-Jahres-Plan zur Berühmtheit

Der deutsch-iranische Architekt genießt von seinem Bürogebäude den besonderen Blick auf die Elbe.
Der deutsch-iranische Architekt genießt von seinem Bürogebäude aus den Blick auf die Elbe. Foto: Shahrzad Rahbari

Teherani ist ein ehrgeiziger Mensch. Um berühmt zu werden, setzte er sich ein klares Limit: „Ich habe behauptet, dass ich etwa fünf Jahre benötige, um mir in Hamburg einen Namen zu machen. Dann weitere fünf Jahre für die deutschlandweite Bekanntheit und noch einmal fünf bis zum internationalen Renommee. Und es ist auf die Minute alles so eingetreten.“ Und er hat weiterhin viele Pläne: unter anderem im asiatischen Raum, aber auch in den USA.

Hamburg bekommt in den nächsten Jahren ein neues spektakuläres Gebäude: den Elbtower. Er ist allerdings nicht dem Geiste Teheranis entsprungen. Und dann doch irgendwie: Die ursprüngliche Idee, einen Turm in der Hafen City zu bauen, stamme von ihm. 2002 reichte er seinen „Lighthouse“-Entwurf ein: ein Gebäude, 288 Meter hoch mit dem Standort Baakenhöft. Zur Realisierung kam es nicht. Nun baut ein anderer Architekt einen Wolkenkratzer an der östlichen Spitze des Stadtteils während Teherani für das U5-Projekt die Hamburger Unterwelt gestaltet.

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Shahrzad Rahbari, Jahrgang 1994, vermisst seit ihrem ersten Tag in Hamburg Spätzle. Sie hat Dolmetschen und Übersetzen in Germersheim studiert, in der Nähe von Karlsruhe. Shahrzad spricht sechs Sprachen fließend – neben Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch auch Arabisch und Farsi. Für eine Reportage reiste sie durch das Heimatland ihrer Eltern, den historischen Iran, und porträtierte Einwohner und Orte. Ihre Begeisterung für das Schreiben entdeckte Shahrzad in ihrer Zeit bei dem HipHop-Magazin Rapspot, für das sie Album-Rezensionen schrieb und Rapper wie Talib Kweli und Tua interviewte. Auch in ihrer Freizeit hört sie am liebsten Rap. Ihr Traum: mit Kendrick Lamar die Straßen von Compton, einem Vorort von L.A., unsicher zu machen. Kürzel: sha

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