Mit dem Pfandbecher von REFILL IT! lässt sich Verpackungsmüll vermeiden. Foto: Harriet Dohmeyer

Unterwegs getrunken, schnell weggeworfen: In Hamburg werden jährlich 60 Millionen Coffee-To-Go in Einwegbechern verkauft. Die belasten die Umwelt. Es gibt aber Ideen, wie man es besser machen kann.

Alleine in Hamburg gehen jährlich rund 60 Millionen Coffee-To-Go über die Theken von Coffeeshops, Bäckern und Tankstellen. Deutschlandweit sind es 2,8 Milliarden. Hohe Zahlen, veröffentlicht durch die Deutschen Umwelthilfe (DUH), die nicht nur die Menge des getrunkenen Kaffees angeben, sondern gleichzeitig auch die der verbrauchten Einwegbecher.

Diese sind ein Umweltproblem, sie bestehen nämlich nicht ausschließlich aus Pappe, sondern enthalten in ihrer Beschichtung auch einen Plastikanteil. Dadurch sind die Becher nicht komplett recylebar. Außerdem werden für ihre Produktion eine Menge an Ressourcen und Energie benötigt.

„Wir müssen weniger und langlebige Produkte kaufen“, sagt Kerstin Bockhorn von der Behörde für Umwelt und Energie (BUE). Ein Anspruch, den ein Einwegbecher mit einer Lebensdauer von rund 15 Minuten nicht erfüllt. Dabei gibt es bereits nachhaltigere Behältnisse für den schnellen Kaffee – es gilt sie nur zu etablieren.

Der eigene Becher

Immer mehr Menschen lassen Kaffee in selbst mitgebrachte Mehrwegbehälter füllen. Viele Café-Betreiber sind dem gegenüber aufgeschlossen und möchten selbst weniger Müll verursachen. Auch die Lebensmittelhygiene-Verordnung untersagt die Nutzung von mitgebrachten Bechern nicht. Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe sagt, dass es dennoch Hemmschwellen gebe, den eigenen Becher ins Café mitzubringen. Schon ein Aufkleber, der darauf hinweist, dass Mehrwegbecher willkommen sind, könne viel erreichen.

Eine ähnliche Aktion startete kürzlich Stephanie Wiermann, Webdesignerin und Bloggerin, mit Refill Hamburg. Sie entwarf Sticker für Laden- und Café-Besitzer, die anzeigen, dass man hier die eigene Trinkflasche mit Leitungswasser auffüllen lassen kann.

Der Sticker von Refill Hamburg lädt zum Auffüllen der Trinkflasche ein – hier beim Café Schmidtchen in der Sternschanze. Foto: Harriet Dohmeyer

Der Pfand-Becher

Bei vielen Hamburgern steht ein Mehrweg-Kaffeebecher bereits zu Hause im Schrank, und wird dann doch zu selten mitgenommen. Um dieses Problem zu lösen, hat der Hamburger Verein und Fair-Kaffeehandel El Rojito die Aktion REFILL IT! gestartet. Gemeinsam mit Gastronomiebetrieben entwickelte er ein Poolsystem: Für einen Pfand von 1,50 Euro gibt es den Kaffee am Tresen in einem Mehrwegbecher zum Mitnehmen. Dieser kann später in allen teilnehmenden Läden zurückgegeben werden kann. So muss man seinen Becher nicht einmal selber spülen. Seit dem Aktionsstart im November 2016 haben sich 15 Cafés und Läden in Hamburg an dem System beteiligt und sogar Einwegbecher gänzlich abgeschafft.

Im Café El Rojito in Ottensen wird der Kaffee zum Mitnehmen im Pfandbechern ausgegeben. Foto: Harriet Dohmeyer

Die Idee gefällt auch der Stadt Hamburg. Im Rahmen eines Aktionsbündnisses arbeitet die Behörde für Umwelt und Energie mit Partnern aus der Wirtschaft an der Einführung eines Poolsystems, das für ganz Hamburg gelten soll. Bei der Umsetzung sind, laut Kerstin Bockhorn, aber noch viele Fragen offen. Faktoren wie die Lagerung und Reinigung müssen bedacht werden. Auch auf einen konkreten Becher habe man sich noch nicht geeinigt. Der müsse ein gutes Geschmackserlebnis bieten und recylebar sein.

Bis der „Hamburg-Becher“ kommt, dauert es also noch eine Weile. Die Einführung könnte dann tatsächlich die inflationäre Verwendung von Wegwerfbechern stoppen. Bis es so weit ist, sollte man sich aber angewöhnen, den eigenen Becher dabeizuhaben – oder sich bei den Cafés von REFILL IT! zu versorgen.

2 KOMMENTARE

  1. Ich habe gerne einen Kaffee unterwegs dabei – und habe wirklich immer ein schlechtes Gewissen wegen der Wegwerf-Becher! Bisher bin ich davon ausgegangen, dass mir Cafe’s oder Tankstellen das Befüllen meines eigenen Bechers verweigern würden eben genau mit einem Hinweis auf die Lebensmittel-Verordnung. Denn gerade wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin und mein Becher bereits genutzt wurde ist er ja nicht (mehr) sauber… Optimal wäre es, es gebe eine kleine Spülvorrichtung neben dem Kaffeeautomaten, so dass man den Becher schnell spülen und wieder mit frischem Kaffee befüllen kann. 🙂

    • Hallo Micha, danke für Ihr Feedback. Da haben Sie Recht: Die DUH empfiehlt Coffee-To-Go Anbietern in ihrem Hygieneleitfaden nur mitgebrachte Mehrwegbecher aufzufüllen, die gespült und sauber sind. Die Becher im Poolsystem werden aber durch die Cafés gespült, das erleichtert die Sache. 🙂

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