Die USA haben zu Beginn des neuen Jahres mehrere Ziele in Venezuela angegriffen und den autoritären Staatschef Nicolás Maduro festgenommen. In deutschen Städten kam es daraufhin zu Demonstrationen gegen den militärischen Einsatz – auch in Hamburg.
Am ersten Samstag im Januar versammelten sich in Hamburg und anderen deutschen Großstädten, Menschen, um gegen das Vorgehen der USA in Venezuela zu protestieren. Zuvor hatten US-Streitkräfte verschiedene Ziele in Venezuela attackiert. Staatschef Nicolás Maduro wurde festgenommen und außer Landes gebracht. In New York muss er sich nun vor Gericht verantworten, unter anderem wegen des Vorwurfs des „Drogenterrorismus“.
Die Plattform „Mujeres En Movimiento Hamburgo“, die zu einer der Spontandemonstrationen in Hamburg aufgerufen hatte, kritisiert den amerikanischen Angriff scharf: „Die USA hat gegen das internationale Völkerecht verstoßen. Das sind imperialistische, neokoloniale und faschistischen Methoden.“ Die aktuellen Proteste seien wichtig, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen.
Lage in Venezuela sorgt für gemischte Gefühle
Weltweit wurde ganz unterschiedlich auf die Geschehnisse in Caracas reagiert. In Buenos Aires fand beispielsweise eine der größten Demonstrationen außerhalb Venezuelas statt. Im südamerikanischen Land leben mehr als 150.000 venezolanische Staatsbürger*innen. Ähnlich wie in Caracas selbst, lagen sich auch dort Menschen in den Armen und schwangen die gelb-blau-weinrote Flagge mit den acht Sternen. In Mexiko-Stadt hingegen protestierten Gruppierungen vor der US-Botschaft und bewarfen diese unter anderem mit Steinen. Slogans wie „Yankees raus“, „Lateinamerika ist nicht der Vorgarten der Vereinigten Staaten“ oder „Freiheit für Maduro“ waren dort zu lesen.
Nicolás Maduro wurde am 23.11.1962 in Caracas geboren. Zunächst war Maduro als Busfahrer in der Hauptstadt tätig, bevor er dann zum Gewerkschaftsvertreter aufstieg. In den darauffolgenden Jahren schloss er sich der „Bolivarischen Revolution“ an, die unter anderem vom späteren Präsidenten Hugo Chávez gegründet wurde. Unter Chávez bekleidete Maduro mehrere zentrale Ämter, unter anderem als Abgeordneter, Präsident der Nationalversammlung, Außenminister und schließlich als Vizepräsident. 2013 wurde er mit einer knappen Mehrheit zum Präsidenten und Regierungschef Venezuelas gewählt.
Die Entführung Nicolás Maduros aus Venezuela war die Klimax eines sich über Monate zuspitzenden Konflikts auf globalpolitischer Ebene. Über die letzten Monate hatte US-Präsident Donald Trump wiederholt mit einem militärischen Eingreifen in Venezuela gedroht und seit Längerem die Entmachtung des venezolanischen Präsidenten gefordert.
Doch wie haben Venezolaner*innen, die in Hamburg leben, die sich überschlagenden Nachrichten aus ihrer Heimat erlebt?
Rafael E. Martinez P. (28), Biotechnologiestudent
„Die letzten Tage waren für mich eine Mischung aus Freude und Zweifel. Freude, die aus der Hoffnung kommt: Der Hoffnung, dass sich mein Land verbessern kann und dass eines Tages der Moment kommen wird, in dem ich ohne Angst in mein Zuhause zurückkehren kann. Diese Hoffnung ist in den letzten 14 Jahren immer kleiner geworden. Am Samstag ist sie plötzlich wieder aufgetaucht.
Gleichzeitig spüre ich aber auch viel Unsicherheit darüber, was jetzt passieren wird. Denn am Ende wissen wir alle, dass Maduro Teil der Gruppe ist, die das Land im Grunde als Geisel hält. Diejenigen, die noch an der Macht sind, stehlen jedem von uns die Hoffnung“, sagte Rafael E. Martinez P., ein 28-jähriger Biotechnologiestudent gegenüber FINK.Hamburg.
Gladys Yelitze Peña (52), Ingenieurin
Was jetzt im erdölreichsten Land der Welt geschieht ist unklar. Die 52-jährige venezolanische Ingenieurin Gladys Yelitze Peña hat wie über acht Millionen Menschen ihr Heimatland bereits zuvor verlassen. Sie lebt seit vielen Jahren in Hamburg und zeigt sich besorgt über die Zukunft ihres Landes: „Es ist schwer vorherzusagen, was geschehen wird. Ich denke, es wäre notwendig, dass der übrige Teil des Regimes, der sich derzeit in der Person von Delcy Rodríguez verkörpert, davon absieht, sich weiter an die Macht zu klammern. Dass auch die übrigen Verantwortlichen dieses Systems abgesetzt werden und dass der legitime Präsident Edmundo González sowie die Vizepräsidentin und Nobelpreisträgerin (María Corina Machado, Anm. der Red) ihre jeweiligen, rechtmäßigen Ämter im Land antreten. Wie das geschehen soll, weiß ich nicht. Die Aussagen von Trump über ein mögliches Regieren mit Delcy Rodríguez bereiten mir Unsicherheit.“
Yuraima Figueredo Rausseo (45), Soziologin
Auch für die 45-jährige Soziologin Yuraima Figueredo Rausseo, ebenfalls wohnhaft in Hamburg, ist die Gefühlslage zwiespältig. Die Venezolanerin möchte Trump zwar nicht heroisieren, erkennt jedoch an, dass erstmals ein externer Akteur gehandelt habe: „Man muss anerkennen, dass wir nicht die Mittel hatten, Maduro zu beseitigen. Wenn sie das Öl wollen, sollen sie es sich nehmen. Das Öl kam nie bei uns Venezolanern an. Vorher wurde es durch die Russen kontrolliert. Wir wollen einfach nur in Frieden leben. Wichtig ist jetzt vor allem, die politisch Gefangenen aus den Gefängnissen zu befreien.“
Elibeth Gonzalez (25), Beraterin für Versicherung und Finanzen
Auch sie teilt diese ambivalenten Gefühle: „Ich habe ein bittersüßes Gefühl. Auf der einen Seite gibt es Hoffnung und eine kleine Freude, aber zugleich auch viel Traurigkeit, Wut und Überraschung. Es trifft mich zu sehen, wie nun Teile der internationalen Gemeinschaft reagieren und protestieren nachdem wir jahrelang um Hilfe gebeten haben, während junge Menschen inhaftiert und gefoltert wurden und ein ganzes Volk an Hunger litt.“ Zwar schmerzt diese Gleichgültigkeit die 25-jährige Venezolanerin. Dennoch glaube sie weiterhin an eine andere Zukunft für ihr Land, sagt sie.







