Hamburg wird oft als weltoffen wahrgenommen. Die Gefahr durch die extreme Rechte kann dabei aus dem Fokus geraten. Wie groß ist das Problem mit Rechtsextremismus in der Stadt? Und wie sieht es in eurem Viertel aus?
Titelbild: Illustration von Lilli-Sophie Schröder
Die Kreuzung der Balduinstraße und der Bernhard-Nocht-Straße auf St. Pauli. Vor etwa 45 Jahren waren die Häuser hier der Schauplatz der sogenannten Instandbesetzungen – einem Häuserkampf bei dem Student*innen und Autonome die damals sanierungsbedürftigen Wohnhäuser durch Besetzung vor dem Abriss bewahrten. Auch am 20. Juni 2025 steht der Ort als Treffpunkt einer linken Demonstration im politischen Fokus.
Später werden Bengalos in allen Farben des Regenbogens gezündet – sie verwandeln die Straßen erst in ein Farbenmeer und hüllen sie dann in dichten Rauch. Vorneweg gehen mehr als 30 Polizist*innen, die Menschen an der Spitze der Demonstration sind vermummt. Die Demonstration ist kurz vor ihrem Ziel, der Roten Flora, als dort schon Feuerwerk gezündet wird.

Demonstrationen, historische Gebäude, bekannte Straßen – die linke Szene Hamburgs ist laut, auffällig und eng mit dem Stadtbild verknüpft. Auch die Politik spiegelt dieses Bild wider – es regieren die Grünen und die SPD. Die Linke hat sechs Sitze mehr als die AfD in der Bürgerschaft. Bei der Bundestagswahl 2025 hatte die AfD in Hamburg im Ländervergleich das niedrigste Wahlergebnis. Aber die AfD-Wählerschaft wächst.
Der Verfassungsschutzbericht liefert klare Zahlen
Wenige Tage nach der Demonstration, am 23. Juni, stellen Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) und der Leiter des Hamburger Landesamtes für Verfassungsschutz, Torsten Voß, den Hamburger Verfassungsschutzbericht 2024 vor. Darin steht: Die Fälle politisch rechts motivierter Kriminalität haben sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt – und zwar von 512 im Jahr 2022 auf 1350 in 2024.
Die Polizei Hamburg definiert „politisch motivierte Kriminalität (PMK) rechts“ nach der Vorgabe des Bundeskriminalamts (BKA). Darunter fallen dem BKA zufolge Straftaten, bei denen die Umstände der Tat oder die Einstellung des Täters nahelegen, dass diese einer rechten Orientierung zuzurechnen seien. Der „wesentliche Kerngedanke” einer rechten Ideologie sei, dass Menschen nicht als gleichwertig angesehen werden. Dabei muss die Tat nicht extremistisch sein, also darauf abzielen, ein Element der freiheitlich demokratischen Grundordnung abzuschaffen. Bei der Erfassung politisch motivierter Straftaten unterscheidet die Polizei nicht zwischen versuchten und vollendeten Taten.
Im Jahr 2023 verlagerten sich die Zuständigkeiten innerhalb des Landeskriminalamtes. Beleidigungen, Bedrohungen, und Körperverletzungen im Nachbarschaftskontext, die unter Hasskriminalität fallen, werden seitdem vom LKA 7 (Staatsschutz) bearbeitet. Somit fließen sie nun auch in deren geführte Statistik zur politisch motivierten Kriminalität ein. Davor wurden sie vom LKA 1 (örtliche Kriminalität) bearbeitet.
Die Grafiken zeigen: Die erfassten rechten Taten sind angestiegen, genauso wie die Zahl der Personen, die der Verfassungsschutz der rechtsextremistischen Szene zuordnet. Behörden fassen dies etwas sperrig als rechtsextremistisches Personenpotenzial zusammen. Dazu zählen Funktionär*innen, Mitglieder, Aktivist*innen sowie Sympathisant*innen der rechtsextremistischen Szene, die beispielsweise spenden oder an Veranstaltungen teilnehmen. Der Verfassungsschutz unterscheidet dabei zwischen gewaltorientierten und nicht gewaltorientierten Personen.
Der Begriff Rechtsextremismus umfasst laut Verfassungsschutz Bestrebungen, die sich gegen den demokratischen Verfassungsstaat richten. Außerdem wird im Rechtsextremismus abgelehnt, dass alle Menschen gleichwertig sind und dass Menschenrechte für alle gelten. Zudem werde oftmals ein auf das Führerprinzip ausgerichtetes Kollektivdenken gefördert, schreibt der Verfassungsschutz.
Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes werden auch die Krisen der letzten Jahre angesprochen: Die COVID-19-Pandemie, die Energiekrise, der Ukraine-Krieg und der Nahost-Konflikt. Die Diskussionen darüber sind hoch emotional, die Themen sensibel und die Bereitschaft für Auseinandersetzungen hoch. Auch die Zusammensetzung der rechtsextremistischen Szene habe sich in den letzten Jahren verändert, sagt Torsten Voß. Straftäter*innen seien meist nicht in rechtsextremistischen Strukturen organisiert und den Behörden meist nicht bekannt, erklärt er.

Im Anschluss heben mehrere Journalist*innen die Hände. Sie haben Fragen – unter anderem zur AfD. Sie taucht im Hamburger Verfassungsschutzbericht 2024 nicht auf.
Die Partei werde in Hamburg nicht beobachtet, sagt Andy Grote. Man würde sich aber auf den Fall vorbereiten, dass die AfD bundesweit als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft werde.
Der Bundesverfassungsschutz hat dies im Mai getan. Die AfD ging juristisch dagegen vor. Aktuell liegt der Fall beim Verwaltungsgericht Köln. Bis eine Entscheidung fällt, bezeichnet der Bundesverfassungsschutz die AfD nicht als gesichert rechtsextremistische Bestrebung. Trotz Eilverfahren gibt es noch keine Entscheidung dazu, ob die AfD bundesweit gesichert rechtsextremistisch ist.
Die AfD spielt im Hamburger Verfassungsschutzbericht vorerst keine Rolle – Rechtsextremismus schon: „Die größte strukturelle Gefahr für unsere Demokratie ist und bleibt der Rechtsextremismus“, sagt Grote auf der Pressekonferenz.
FINK.HAMBURG hat sich am Finkenau Campus der HAW Hamburg umgehört und die Studierenden gefragt: „Hat Hamburg ein Problem mit Rechtsextremismus?”
Ein Hakenkreuz mitten im Viertel

Das Büro des Vizepräsidenten der Hamburgischen Bürgerschaft Deniz Çelik (Die Linke) wurde in der Nacht zum 22. Mai 2025 mit einem Hakenkreuz beschmiert. Das schockierte Çelik und seine Fraktion. Im Interview mit FINK.HAMBURG sagt Çelik, diese Tat sei für ihn ein Signal gewesen: „Ich habe das als eine klare Botschaft aufgefasst, dass ich eingeschüchtert werden soll. Jemand wollte ein Zeichen setzen, dass hier extrem Rechte im Stadtteil sind.”
Seit 2015 ist Çelik in der Bürgerschaft tätig und vertritt den Wahlkreis Barmbek, Uhlenhorst und Dulsberg. Über Social Media werde er schon länger angefeindet, sagt Çelik. Das erste Mal erlebe er nun eine politische Botschaft dieser Art.
Verschiedene Organisationen solidarisierten sich mit Çelik. Darunter der migrantische Arbeiterverein DIDF, in dem er selbst tätig ist, das Hamburger Bündnis gegen Rechts und die Omas gegen Rechts. Auch das Stadtteilbüro Dulsberg und der Arbeitskreis Dulsberg schlossen sich zusammen.
„Ich habe das als eine klare Botschaft aufgefasst, dass ich eingeschüchtert werden soll.” – Deniz Çelik
Alle gemeinsam veranstalteten sie am 2. Juni 2025, kurz nach der Tat, eine Demonstration in der Nähe seines Büros. Etwa 150 bis 200 Menschen nahmen daran teil, erinnert sich Çelik. „Es hat mich sehr gefreut, dass sich so viele Leute solidarisch gezeigt haben und ich den Eindruck hatte, dass viele Menschen auch entsetzt waren im Stadtteil”, sagt er.
Rechte Kriminalität in Hamburg
Zusammengefasst stellte die Polizei Hamburg in den vergangenen fünf Jahren 49 verschiedene Tatbestände fest, die sie zur politisch rechts motivierten Kriminalität zählten. Als Tatbestand gelten zum Beispiel Beleidigung, Körperverletzung und Volksverhetzung. Die Zahlen stammen aus einer Liste aller rechten Straftaten in Hamburg, die FINK.HAMBURG bei der Polizei angefragt hat. Aus Datenschutzgründen stellt die Polizei die einzelnen Vorfälle nur für die Jahre 2020 bis 2024 zur Verfügung.
Das laut Polizei eindeutig häufigste rechte Verbrechen in Hamburg ist das „Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen”. Dazu zählen auch Schmierereien wie das Hakenkreuz am Büro von Deniz Çelik.
Lange Zeit war der Straftatbestand der Volksverhetzung das zweithäufigste Verbrechen. Das sind Fälle, in denen gegen eine bestimmte Gruppe Menschen zu Hass und Gewalt aufgerufen oder eine bestimmte Gruppe beschimpft oder verleumdet wird. Im letzten Jahr sind die Fälle rechter Beleidigung aber deutlich gestiegen.
Diesen starken Anstieg an Delikten führt die Polizei darauf zurück, dass Menschen stärker sensibilisiert seien und das Anzeigeverhalten sich verändert habe. Meldungen zu Hass und Hetze im Internet würden zum Beispiel heute zunehmend angezeigt.
Die Zahlen der Polizei Hamburg geben zudem Auskunft darüber, ob es sich bei den einzelnen Straftaten zusätzlich um extremistische Kriminalität oder um Gewalttaten, wie zum Beispiel Körperverletzungen, handelt.
Schaut man nur auf die häufigsten Straftaten, gehen besonders schwere Straftaten unter, denn diese sind zwar gravierend, aber selten. FINK.HAMBURG hat diese Delikte daher gesammelt und gesondert in einer Karte aufbereitet.
Mögliche Defizite in den Sicherheitsbehörden
Deniz Çelik vermutet, dass viele Vorgänge im Verborgenen bleiben: „Es wird mehr im Geheimen agiert. Auch die Schmiererei ist wahrscheinlich nachts passiert”. Seiner Ansicht nach muss der Kampf gegen Rechtsextremismus konsequenter geführt werden. „Hamburg ist nicht anders als Thüringen oder Sachsen. Natürlich ist es eine andere Dimension, aber das heißt nicht, dass wir verharmlosen dürfen, was hier passiert”, betont Çelik.
Auch innerhalb der Sicherheitsbehörden sieht er Defizite: „Es ist wichtig, bei den Sicherheitsorganen genauer hinzuschauen und auch solche Themen wie strukturellen Rassismus oder institutionellen Rassismus zu behandeln, damit auch rechte Netzwerke innerhalb der Sicherheitsorgane bekämpft werden können.”
Eine Studie der Hochschule der Polizei Hamburg zusammen mit der Universität Münster und der Polizeiakademie Niedersachsen aus dem Jahr 2024 hat ergeben, dass innerhalb der Hamburger Polizei 45 Prozent der Befragten der „Abwertung asylsuchender Menschen” zustimmen.

Rund 2000 Polizist*innen (knapp 18 Prozent der Hamburger Polizei) nahmen an der Studie teil, die über eine Online-Befragung an alle Polizist*innen in Hamburg verschickt wurde. Allerdings haben nur 12,7 Prozent der Polizist*innen die Befragung vollständig ausgefüllt. Es wurden aber auch abgebrochene Fragebögen ausgewertet. Während der Befragung konnten die Polizist*innen ihre Haltung zu Themen wie Identität, Werte und Vorurteilen zu Personengruppen auf Skalen einordnen. Diese gingen von „Stimme überhaupt nicht zu”, bis zu „Stimme voll und ganz zu”.
Dabei fallen negative Stereotype wie „undemokratisch” und „fremdartig” auf, die die Befragten insgesamt vergleichsweise häufiger mit der Gruppe „muslimischer Menschen” verbinden. Attribute wie „zivilisiert” oder „tolerant” werden dagegen häufiger der nicht weiter definierten Gruppe „deutscher Menschen” zugeschrieben.
Bei spezifischen Aussagen, wie zum Beispiel „wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländerinnen und Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken”, stimmen jedoch nur 2,19 Prozent voll oder eher zu.
Die Studie verfolgt das Ziel, werte- und demokratiebezogene Einstellungen innerhalb der Hamburger Polizei zu erforschen, um der öffentlichen Forderung nach mehr Transparenz nachzukommen. Die Ergebnisse sind das erste von drei Forschungsmodulen. Es sollen als zweites Modul Gruppendiskussionen mit Fokus auf Führungskräften durchgeführt und als drittes Modul Handlungsoptionen für die Polizei entwickelt werden.
Hamburger Polizeigewerkschaft kritisiert Studie
Die Studie insgesamt soll neue Erkenntnisse für die Aus- und Weiterbildung der Polizei bringen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft Hamburg (DPolG Hamburg) „betrachtet die Studie jedoch als kritisch”, wie der Landesvorsitzende der DPolG Hamburg, Thomas Jungfer, auf Anfrage von FINK.HAMBURG mitteilt. „Wir haben in Hamburg ein gutes System, mit dem wir frühzeitig Menschen aussortieren können, von rechts wie links.”
Jungfer kritisiert neben den Fragestellungen auch die Methodik und Auswertung der Studie. Es werde kommuniziert, dass 18 Prozent der Hamburger Polizei an der Studie teilgenommen hätten, so der Landesvorsitzende. “Es haben nur 12 Prozent tatsächlich mitgemacht.” Damit meint Jungfer die Angabe in der Studie, dass auch abgebrochene Fragebögen gewertet wurden. Vollständig ausgefüllt haben, wie Jungfer sagt, 12 Prozent der ganzen Hamburger Polizei die Fragen. „Wir brauchen diese Art Studie nicht. Wir sind kein strukturierter rassistischer Haufen”, kritisiert er.
Auch der Verfassungsschutz stand insbesondere im Kontext der NSU-Morde in der Kritik, Rechtsextremismus nicht ausreichend zu bekämpfen. Im Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses des Bundestags aus dem Jahr 2014 heißt es dazu: „Die Analyse der Verfassungsschutzbehörden in Bund und Ländern zur rechtsterroristischen Gefahr war falsch und grob verharmlosend. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz, das relevante Erkenntnisse von den Landesbehörden erhält, sie auswertet und damit einen Überblick über die Gefahrenlage in Deutschland hat, kommt hier eine besondere Verantwortung zu. Es hat unbestreitbar versagt.”
In Hamburg läuft seit Anfang 2025 eine wissenschaftliche Untersuchung zu den NSU-Morden, für die das Landesamt für Verfassungsschutz rund 250.000 Seiten an Akten bereitgestellt hat.
Die Aufgabe der Verfassungsschutzberichte
Die jährlichen Verfassungsschutzberichte der Stadt Hamburg sollen die Öffentlichkeit darüber informieren, wie es um die rechtsextremistische Szene steht. Sie entscheiden darüber, wer als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird und wen der Verfassungsschutz als Verdachtsfall beobachtet.
Aus diesem Grund bieten die Verfassungsschutzberichte auch eine Möglichkeit, sich den Strukturen und Entwicklungen der rechtsextremistischen Szene in Hamburg anzunähern. Das Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) Hamburg selbst stellt nur die Berichte der letzten drei Jahre online zur Verfügung. Doch Open-Data-Aktivist*innen betreiben ein umfangreiches Archiv und machen hunderte Berichte aus den letzten Jahrzehnten öffentlich zugänglich.
FINK.HAMBURG hat aus den Hamburger Berichten von 2015 bis 2024 die Kapitel zum Thema Rechtsextremismus extrahiert, die Daten maschinenlesbar bereinigt und analysiert. Entstanden ist dabei ein Textkorpus von über 700.000 Zeichen. Aus dieser Datenmenge lassen sich deutliche Veränderungen von Hamburgs rechtsextremistischer Szene ableiten.
Die Top-Begriffe der Rechtsextremismus-Kapitel in den Hamburger Verfassungsschutzberichten 2015 bis 2024
Weniger Struktur, mehr Subkultur
In seinem Bericht von 2024 schreibt das LfV Hamburg, dass sich insbesondere junge Menschen vermehrt im Internet vernetzen. Die Szene verändere sich weg von festen Organisationen, welche verboten und überwacht werden können, hin zu einem lose vernetzten Spektrum.
Nahezu alle rechtsextremistischen Gewalttaten seien von Personen verübt worden, die keine Anbindung an Szenestrukturen haben. Nur drei von 19 Tatverdächtigen solcher Taten waren dem Verfassungsschutz 2019 bereits bekannt. Bei den Straftaten waren es 2017 und 2018 unter zehn Prozent der Tatverdächtigen. Seit 2020 macht das LfV dazu keine Angaben mehr in seinen Berichten.
Auch Hamburgs klassische Neonazi-Szene sei nur sporadisch politisch aktiv und „nur kurzzeitig und anlassbezogen mobilisierbar”. Außerdem existiere eine subkulturelle Szene, die sich digital, über Musik, Sport oder Kampfsport vernetze. In Hamburg fehle es aber an Treffpunkten und damit an öffentlicher Aktivität.
Man könnte daraus schließen, dass Rechtsextremismus in Hamburg ein Randphänomen ist. Die Entwicklung der Hamburger Szene zeigt sich jedoch in einem stetigen Anstieg der Zahl an Menschen, die der Verfassungsschutz dem Spektrum der unstrukturierten Rechtsextremist*innen zuordnet.
Ziel der „Neuen Rechten”: Den Diskurs verschieben
Eine weitere Herausforderung ist etwa das Erstarken der sogenannten Neuen Rechten. Diese Strömung sieht sich als intellektuelle Elite der rechten Bewegung. Sie versucht, durch eine Verschiebung des Diskurses, eine Brücke zwischen extremistischen und nicht-extremistischen Akteur*innen zu bauen.
Die Behörden nennen dieses Phänomen „Entgrenzung”. In Hamburg ist die „Neue Rechte” immer häufiger in den Berichten vertreten. Auch dies zeigt eine Weiterentwicklung der klassischen Neonazi-Szene.
Eine bekannte neurechte Gruppe ist die „Identitäre Bewegung” (IB), welche sich in Hamburg laut Verfassungsschutz inzwischen gemeinsam mit der Regionalgruppe Schleswig-Holstein unter dem Namen „Nordfeuer” organisiert. Der Verfassungsschutz beobachtet die IB in Hamburg bereits seit 2016. Die Aktivitäten der Gruppe seien aber zurückgegangen.
Im jüngsten Bericht erwähnt der Verfassungsschutz zudem einen neuen Verdachtsfall. „Jung & Stark” sei eine neue Gruppierung, welche sich in den sozialen Medien vernetze und durch Proteste gegen queere Veranstaltungen in Deutschland aufgefallen sei. „JS Hamburg” bestehe aus einer niedrigen zweistelligen Anzahl an Menschen. Der Verfassungsschutz sieht in der Gruppierung ein Beispiel für Personen, die sich virtuell kennenlernen und „ihre Feindbilder auch im realen Leben angreifen wollen”.
Rechtsextremismus in Hamburgs Stadtteilen
Politisch rechts motivierte Kriminalität zeigte sich 2024 in Hamburgs Bezirken und Stadtteilen auf unterschiedliche Weise. Gewaltdelikte wie Körperverletzung und schwere Körperverletzung kamen in allen Bezirken vor.
Zum Zeitpunkt des Interviews von Deniz Çelik mit FINK.HAMBURG sind sieben Wochen vergangen, seit das Hakenkreuz an Çeliks Büro geschmiert wurde. An seiner Arbeit als linker Abgeordneter habe sich nichts geändert, sagt er. Jedoch betrachtet Çelik sein Umfeld nun mit anderen Augen: „Wenn ich durch den Stadtteil laufe, gucke ich dann auch genauer hin, ob ich solche Symbole entdecke”, sagt er dazu.
Wie ist die Lage in eurer Nachbarschaft? Auf den Karten könnt ihr herausfinden, wie viele rechts motivierte Straftaten in eurem Bezirk und Stadtteil im Jahr 2024 erfasst wurden.



![Hamburg prüft Ein Demoschild mit der Aufschrift: Recht[s]zeitig Prüfen. Jetzt.](https://fink.hamburg/wp/wp-content/uploads/2026/01/IMG_8743-2-218x150.jpg)



