Eine Sängerin steht auf einer Konzertbühne. Sie singt in ein Mikrofon und hebt ihren Arm. Im Hintergrund sind weitere Bandmitglieder an der Gitarre und am Schlagzeug zu sehen.
Die Indie-Rock-Band Tyna spielte trotz des schlechten Wetters. Auf dem Konzert machten sie auf ein Thema aufmerksam, das ihnen anscheinend am Herzen liegt: Obdachlosigkeit im Winter. Foto: Lovis Wiefelspütz

Eisige Temperaturen, Schneesturm: Da bleiben die meisten Menschen lieber zu Hause. Für obdachlose Menschen sind die kalten Temperaturen lebensbedrohlich. Die Hilfsorganisation Gobanjo zeigt bei einem Konzert im Knust, wie man bei Kälte helfen kann. 

Am vergangenen Freitag schneite und stürmte es in Hamburg. Sturmtief Elli hatte Hamburg im Griff. Die meisten Menschen blieben, so gut es ging, zu Hause. Das Konzert der Indie-Rock-Band Tyna fand trotzdem statt. 

Kultur bei Kälte – mit Lerneffekt

Im Vorfeld wurde das Konzert beinahe abgesagt. Doch auf dem Instagram-Profil der Eventlocation Knust wurde kurz vor Beginn kommuniziert, sie hätten alles im Griff“. Die Veranstalter*innen verkauften über 350 Tickets. Aufgrund des Wetters waren nach eigenen Angaben deutlich weniger vor Ort. Für alle, die zu Hause bleiben mussten, wurde ein Livestream auf Twitch eingerichtet. Doch was ist mit den Menschen, die kein Zuhause haben?

Beim inzwischen zum dritten Mal stattfindenden „Sportfest“ ging es nicht nur um die Musik und das Flunkyball-Turnier, das am Nachmittag stattfand. Immer wieder wiesen die Veranstalter*innen auf die eisigen Temperaturen hin. Noch bevor Alenna Rose als Vorband auftrat, bat Moderatorin Nico Staake auf die Bühne, um auf ein Thema aufmerksam zu machen, welches der Band sehr am Herzen zu liegen scheint: Obdachlosigkeit in Hamburg. 

Die Indie-Rock-Band Tyna hat Nico Staake als Vertreter von Gobanjo eingeladen, um auf Obdachlosigkeit aufmerksam zu machen und um Spenden zu bitten. Besonders angesichts der extremen Kälte und des Schneesturms während Tief Elli ist das wichtig.

„Wir sind dankbar für jede Öffentlichkeit, die wir haben können, um auf das Thema Obdachlosigkeit hinzuweisen. Und gerade jetzt an diesem Wochenende mit den meisten Schneemassen und den tiefsten Temperaturen seit langem macht das total Sinn”, sagt Staake, Bildungskoordinator bei Gobanjo. Die Hilfsorganisation betreibt seit sechs Jahren einen Duschbus für obdachlose Menschen in Hamburg. 

„Hygiene bedeutet Teilhabe am öffentlichen Leben“

Der umgebaute Linienbus enthält drei voll ausgestattete Badezimmer, in denen sich bis zu 30 Personen am Tag frisch machen können. In Hamburg gibt es etwa 3.800 obdachlose Menschen. Gobanjo bietet ihnen einen Rückzugsort, die Möglichkeit zu duschen und frische Kleidung anzuziehen. „Es ist leider trotzdem ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so Staake. Doch Hygiene ist essenziell für die Würde und gesellschaftliche Teilhabe, die sie somit circa 150 Menschen pro Woche bieten können. 

Die vereisten Straßen machen den Duschbetrieb derzeit unmöglich. Stattdessen helfen die Mitarbeiter*innen und freiwilligen Helfer*innen von Gobanjo ohne Bus. „Wir sind unterwegs mit Teekannen und Schlafsäcken und versuchen irgendwie das Nötigste zu versorgen, damit möglichst wenig Menschen sterben in den nächsten Nächten“, so Staake. Ein bedrückender Satz, doch er sagt ihn ganz gerade heraus. Staake arbeitet seit einem Jahr in der Obdachlosenhilfe und hat in dieser Zeit sicherlich schon viele solcher Situationen erlebt.

Auf einer Bühne mit Instrumenten im Hintergrund ist ein Mann in einem schwarzen Kapuzenpullover und einer Mütze zu sehen. Er hält ein Mikrofon in der Hand.
Kälte ist für obdachlose Menschen lebensgefährlich. Darauf machte Nico Staake von Gobanjo „an diesem Wochenende mit den meisten Schneemassen und den tiefsten Temperaturen seit langem“, wie er selbst sagte, aufmerksam. Foto: Lovis Wiefelspütz

„Was man immer geben kann, ist Aufmerksamkeit“

Besonders an diesen Tagen, wenn man sich am liebsten in seine warme Wohnung zurückzieht, darf man nicht wegschauen, wenn obdachlose Menschen in der U-Bahn-Station oder auf der Straße sitzen. Staake empfiehlt, Menschen anzusprechen und nachzufragen, ob sie Hilfe benötigen. Er selbst gibt immer etwas Kleingeld. Wenn er gerade nichts dabei hat, nimmt er sie dennoch wahr. „Einfach nicht Menschen ignorieren“, sagt Staake.

Gobanjo sucht aktuell nach ehrenamtlichen Helfer*innen, auch Studierende können sich bei der Organisation melden. Wer dazu keine Zeit hat, kann seine nächste Kleidungsspende an Hanseatic Help geben. Dann kommt sie bei Hilfsorganisationen in Hamburg an.

Nachdem das Konzert beendet ist und die Band nach zwei Zugaben von der Bühne heruntergegangen ist, kommt der Schlagzeuger erneut auf die Bühne und wünscht allen Zuschauenden eine gute und sichere Heimfahrt. 

Sophie Quaas, 2000 in Meißen geboren, ist USA-Kennerin: Ob als AuPair in San Diego, beim Wandern durch den Grand Canyon oder als Couchsurferin in Alaska, Sophie ist durch und durch Abenteurerin – Zelten auf Festivals ausgenommen. Ihren Bachelor machte sie in Medienforschung in Dresden. Dort arbeitete sie in einer Agentur im Employer Branding sowie in der Unternehmenskommunikation für Sunfire, eines der größten Wasserstoff-Unternehmen Europas. Für die Eröffnung einer neuen Produktionsstätte interviewte Sophie 2023 die Wirtschaftsministerin von NRW, Mona Neubaur – selbstverständlich auf Englisch. Ihr Plan für die Zukunft: Weitere Interviews als Journalistin führen. Kürzel: soq

Beim Thema Barrierefreiheit ist noch viel zu tun – findet Lovis Wiefelspütz, geboren 1997 – und es geht nicht nur um Rampen. Über Inklusion und Gleichberechtigung spricht er in seinem Podcast “Hürdenläufer” und sein Buch “Die Reise unseres Lebens” handelt von der inklusiven Weltreise mit seinem besten Freund. Stillstand nervt ihn, den mag Lovis auch in seiner Freizeit nicht. Da schreibt er Songs, fotografiert, spielt Fußball, bouldert oder hält Vorträge zum Thema Diversität. Seinen Bachelor hat er in Medienwirtschaft und Journalismus in Wilhelmshaven absolviert und war Chefredakteur von “Campus life”, dem Studierendenradio. Jetzt konzentriert er sich wieder auf seine Heimatstadt Hamburg. Kürzel: low

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