Laura Laschke spaziert regelmäßig – ehrenamtlich. Dabei unterhält sie sich mit Menschen, die gerade Deutsch lernen. Für das Projekt „Elbconnection“ der Caritas werden auch weiterhin Tandempartner*innen gesucht.

Illustration: Jasmin Grabler

„Junge Menschen im Ehrenamt“ ist ein Format bei FINK.HAMBURG, in dem Menschen unter 30 von ihrem ehrenamtlichen Engagement berichten. Im Fokus steht dabei nicht nur das Ehrenamt selbst, sondern auch, wie sie ihr Ehrenamt in ihren meist schon gut gefüllten Alltag eingliedern, und warum sie sich diese Extra-Arbeit neben ihrem Job überhaupt machen.

In diesem Text erzählt Laura Laschke, 20, von ihrem Ehrenamt.

Zwei junge Frauen stehen draußen und lachen für ein Foto.
Laura Laschke und ihre Tandempartnerin Somaye Akbari bei einem ihrer Spaziergänge. Foto: privat

Ich hatte immer schon das Bedürfnis zu helfen, weil ich es unfair finde, dass Menschen so unterschiedliche Chancen im Leben haben. Ich bin relativ gut aufgestellt und habe viele Möglichkeiten, die andere nicht hatten. Deshalb kann ich mit meinem Ehrenamt etwas zurückgeben. Und generell macht es mir auch einfach Spaß, neue Menschen zu treffen.

Mit dem Start meiner Ausbildung zur Bauzeichnerin in einem Ingenieurbüro vor eineinhalb Jahren habe ich mir ein Ehrenamt gesucht. Ich engagiere mich bei “Elbconnection”. Das Angebot wird von der Caritas organisiert. Dort besteht meine Hauptaufgabe darin, mich mit einer Person zu unterhalten, die Deutsch lernt. Während wir uns unterhalten, korrigiere ich. Es ist aber kein Unterricht, sondern eher, als würde ich mich mit einer Freundin treffen.

Zusammen Deutsch lernen

Hauptsächlich schlage ich Orte als Treffpunkte vor, an denen wir nichts bezahlen müssen. Zum Beispiel die Bücherhallen. Oft treffe ich mich auch einfach zum Spazierengehen. Manchmal, wenn es ganz kalt ist, lade ich meine Gesprächspartnerin auf einen Kaffee ein.

Zusätzlich kann ich ein Ansprechpartner für alles Mögliche sein, weil die Leute sich in Deutschland oft noch nicht gut auskennen. Theoretisch kann mich meine Partnerin alles fragen. Ich helfe auch bei Anträgen, Formularen oder Bewerbungsunterlagen. Aber, um ehrlich zu sein, habe ich das bisher eher selten gemacht.

Ich hatte schon als Kind Kontakt zu Menschen, die nicht so gut Deutsch gesprochen haben, weil meine Eltern neben einem Flüchtlingslager wohnen. Besonders einen Jungen haben wir gut kennengelernt. Er war ein bisschen wie ein großer Bruder für mich. Deshalb war er oft bei uns zu Hause. Und auch, um Deutsch zu lernen. Als ich dann online nach einem Ehrenamt gesucht habe, dachte ich, dass “Elbconnection” das richtige für mich ist. Das lief ähnlich wie bei einer Jobsuche: Ich habe mir Stellenanzeigen für Ehrenämter durchgelesen. Dann habe ich eine Mail geschrieben, wir hatten ein Kennlerngespräch und ich konnte anfangen.

Die lange Warteliste zeigt den Bedarf

Man bekommt immer einen Partner zur Zeit. Bisher waren das bei mir drei Frauen. Es kann immer sein, dass für meine Partner der Bedarf irgendwann nicht mehr da ist. Dann bekomme ich von einer langen Warteliste eine neue Person zugeteilt. Elbconnection hat deshalb in jedem Fall noch Bedarf an weiteren Ehrenamtlichen.

Ein Vorteil, den ich durch dieses Ehrenamt bekommen habe, ist ein Stipendium. Bei der Bewerbung helfen nämlich nicht nur gute Noten, sondern auch eine ehrenamtliche Arbeit. Durch das Stipendium bekomme ich quasi eine Entlohnung, auch wenn das eigentlich nicht der Grund für mein Ehrenamt ist. Aber es verschafft einem Vorteile in anderen Bereichen des Lebens.

Die Zeiteinteilung dieses Ehrenamt ist ultraflexibel. Es kommt ein bisschen darauf an, wie viel Zeit ich selber habe. Wenn ich mal mehr Zeit habe, dann versuche ich auch mehr reinzustecken. Wenn es mal nicht geht, dann ist es auch nicht so schlimm.

Tagesschau als Übung anschauen

Es gibt einige Themen, die sich gut eignen, um ins Gespräch zu kommen. Ich empfehle gerne die Tagesschau in einfacher Sprache. Das finde ich total spannend, auch um hier in Deutschland zu verstehen, was politisch abgeht. Mit der jetzigen Elbconnection-Partnerin spreche ich dann darüber, was sie nicht verstanden hat. Oft sind unsere Gespräche spielerisch-lustig, vor allem, wenn meine Partnerin mal ein Wort anders benutzt, als Muttersprachler das tun würden. 

Mir macht es Spaß, immer neue Menschen zu treffen, vor allem Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Und ich habe das Gefühl, dass mich das aus meiner eigenen Komfortzone holt. Bei diesem Ehrenamt ist es wichtig, für andere Perspektiven offen, sehr kommunikativ und einfühlsam zu sein. Eine Herausforderung kann die Terminabsprache sein. Gerade, wenn man sich noch nicht gut kennt.

Aber als junger Mensch finde ich es sehr wichtig, sich in der Gesellschaft einzubringen. Ich versuche, etwas zu verändern.

Zur Übersicht listet die Stadt Hamburg mögliche Plätze für eine ehrenamtliche Arbeit hier auf: hamburg.de. Weitere Informationen zu den Tätigkeiten bei der Caritas, wo auch Laura Laschke sich engagiert, gibt es auf der Website des Verbands.

Junge Frau mit Brille im Porträt

Alles ist politisch. Auch die Frage, ob Bier schmeckt oder nicht. Zumindest wenn es nach Anny Norma Schmidt, Jahrgang 2001, geht. Sie bestellt lieber Sekt. Dafür erntet sie in ihrer Heimat Dithmarschen schiefe Blicke. Vielleicht fiel ihr daher der Abschied 2021 in Richtung Magdeburg leicht, um dort Journalismus zu studieren. Ist sie nicht baden oder joggen, sitzt Anny gerne im Café, entweder in ein Buch oder in eine Diskussion über Feminismus und Nachhaltigkeit vertieft. Anny hat schon diverse Praktika bei Lokalzeitungen hinter sich, weil sie es wichtig findet, im Gespräch zu bleiben - sogar über Bier. Kürzel: ans

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