Olympia in Hamburg polarisiert seit Jahren. Doch warum scheiterten frühere Bewerbungen, wie läuft ein Olympia-Bewerbungsverfahren ab – und der wievielte Anlauf wäre es nun für die Stadt?
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) plant sich für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele in 2036, 2040 oder 2044 zu bewerben. Die Städte Berlin, Hamburg, München und die Region Rhein-Ruhr haben nach einer Konzepteinreichung Ende Mai 2025 die erste Stufe des Bewerbungsprozesses erfolgreich durchlaufen.
Nun liegt es an den Bürger*innen Hamburgs, ob die Hansestadt weiterhin im Bewerbungsverfahren für die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele dabei ist. Bei einem Bürgerschaftsreferendum am 31.05.2026 dürfen Hamburger*innen entscheiden, ob sie dafür oder dagegen sind. Bis zum Herbst 2026 wählt der DOSB den finalen Kandidaten aus, bevor es dann im internationalen Wettbewerb weitergeht.
Olympiabewerbung polarisiert
SPD, Grüne und CDU in Hamburg sind für eine Olympia Bewerbung. Die Linke und die AfD dagegen. Außerdem möchte das Bündnis NOlympia Hamburg, das 2015 von Bürger*innen gegründet wurde, verhindern, dass Olympische Spiele in Hamburg stattfinden. NOlympia Hamburg befürchtet zu hohe Kosten und kaum Vorteile durch die Sportveranstaltung. Ab Ende Januar sammelt das Bündnis deshalb Unterschriften, um ein Statement in das Abstimmungsheft des Bürgerreferendums zu bekommen. Dafür müssten sie innerhalb von drei Wochen rund 10.000 Unterschriften erhalten.
Das Thema Olympia spaltet die Meinungen. Aber was spricht dafür und was dagegen, die Spiele in Hamburg auszutragen? FINK.HAMBURG hat die wichtigsten Pro- und Contra-Argumente gesammelt und eine Übersicht erstellt:
Das spricht FÜR Olympia in Hamburg
- Olympia ist gut für die Wirtschaft. „Die Spiele sind ein Schub für Handwerk, Industrie, Hafen und Tourismus,“ schreibt Dennis Krämer, ein Sprecher des Olympia-Projekts der Stadt Hamburg, auf Anfrage von FINK.HAMBURG. Olympia sorge für hohe Sichtbarkeit und damit für Investitionen von Unternehmen, mehr Fachkräfte und es stärke insgesamt Hamburg als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort.
- Olympia macht Hamburg barrierefreier. Nach den Olympischen Spielen finden die Paralympics an den gleichen Austragungsorten statt. „Wir wollen die öffentlichen Sportstätten, den öffentlichen Raum und den ÖPNV in Hamburg barrierefrei ausbauen und zur barriereärmsten Großstadt Deutschlands werden,“ so Krämer.
- Olympia macht Hamburg weltweit bekannter. Die Olympischen Spiele bieten einer Stadt eine internationale Bühne, um sich zu inszenieren. Das könnte Hamburg langfristig bekannter machen und für ein positives Image sorgen, wenn sich Hamburg als guter Gastgeber präsentiert.
- Olympia verbessert die Sportstätten in Hamburg. In der ganzen Stadt sollen Trainingsanlagen modernisiert werden, schreibt Dennis Krämer: „Diese werden dann auf höchstem Niveau sein und können anschließend vom Breitensport genutzt werden.“
- Olympia sorgt für einen Ausbau von Straßen und Schienen. Das liegt daran, dass der öffentliche Nahverkehr für die Spiele an einigen Stellen saniert werden müsste. Diese Prozesse könnten durch zusätzliche Finanzierung vom Bund beschleunigt werden. Diese hat der Bund im Falle einer erfolgreichen Bewerbung bereits zugesagt, wie aus einer Kleinen Anfrage der Linken hervorgeht. Fast 40 Prozent der Hamburger*innen finden laut einer NDR-Umfrage, dass das für Olympische Spiele in Hamburg spricht.
Das spricht GEGEN Olympia in Hamburg
- Olympia kostet mehr, als es am Ende einbringt. Wirtschaftsforscher sehen in Olympia kein großes Potenzial. Ein wirtschaftlicher Aufschwung sei eher unrealistisch. Das antworteten das Institut für Wirtschaftsforschung, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung auf einen Fragenkatalog der dpa. Die vier anerkannten Institute sehen in Olympia mehr Kosten als Einnahmen.
- Olympia gefährde Hamburgs Umweltziele. „Olympia steht der Umsetzung des Zukunftsentscheids diametral entgegen“, schreibt Eckhart Maudrich von NOlympia auf eine Anfrage von FINK.HAMBURG hin. Beim Bau neuer Gebäude entsteht viel CO2. Das Gleiche gilt für Flugreisen der Olympia-Tourist*innen und der Sportler*innen. Das passt nicht zum Zukunftsentscheid, für den die Hamburger*innen gestimmt haben und wonach die Stadt schon 2040 klimaneutral sein will.
- Olympia treibt die Mieten in die Höhe. In Rio 2016 und London 2012 stiegen die Mieten nachweislich durch die Olympischen Spiele. „Besonders hart trifft es Menschen ohne sicheren Mietvertrag und viele Studierende,“ befürchtet Maudrich.
- Olympia sorgt für Investitionen in die falschen Dinge. Das ist die Sorge von Eckhart Maudrich. Er kritisiert: „Wenn dieser olympische Elefant in die Haushaltsbadewanne steigt, dann bleibt kein Wasser übrig.“ Durch die Olympischen Spiele würden dem Bund und der Stadt das Geld für andere Dinge wie Bildung, Mobilität und Wohnungsbau fehlen, befürchtet Maudrich. Hamburg sollte lieber die Armut bekämpfen, in Klimaschutz investieren und das Verkehrschaos in den Griff bekommen, findet das Bündnis NOlympia.
- Olympia macht Hamburg zur Dauerbaustelle. Das befürchten laut NDR-Umfrage 63 Prozent der Hamburger*innen. Die Ausrichtung dieser riesigen Sportveranstaltung bedeutet jahrelange Vorbereitung, den Bau neuer Sportstätten und vieles mehr. Das könnte das Stadtbild jahrelang prägen.
Die Stadt Hamburg hat Visualisierungen für Olympia in Hamburg veröffentlicht. So könnte die Hansestadt aussehen, wenn sie als Austragungsort für die Olympischen Spiele gewählt wird:
Hamburgs gescheiterte Bewerbungen
Für Hamburg wäre es nun der dritte Anlauf, sich als Austragungsort der Olympischen Spiele zu bewerben: Nach den gescheiterten Bewerbungen für 2012 und 2024 nun für das Jahr 2036, 2040 oder 2044.
Anfang der 2000er Jahre bewarb sich Hamburg erstmals um die Ausrichtung der Olympischen Spiele, damals für das Jahr 2012. In den Entwürfen spielte der Stadtteil Kleiner Grasbrook eine zentrale Rolle: Dort waren das Olympiastadion, das Olympische Dorf und weitere Sportstätten geplant. Im nationalen Auswahlverfahren unterlag Hamburg 2003 jedoch Leipzig. International erhielt schließlich London den Zuschlag für die Spiele 2012.
Mehr als ein Jahrzehnt später folgte ein neuer Anlauf. Der Hamburger Senat und der Deutsche Olympische Sportbund planten eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024. In einem Bürgerreferendum am 29. November 2015 stimmte jedoch eine Mehrheit gegen die Ausrichtung der Spiele in der Stadt. Das Ergebnis kam überraschend, da vorherige Umfragen nahegelegt hatten, dass viele Hamburger*innen Olympia in Hamburg grundsätzlich befürworteten.
Vorgesehen war auch hier im Stadtteil Kleiner Grasbrook ein neues Olympiastadion sowie das Olympische Dorf zu errichten. Schon zu diesem Zeitpunkt waren jedoch die Kosten ein zentrales Streitthema. Die Ausgaben für die Spiele wurden auf rund 11,2 Milliarden Euro geschätzt.
Damals formierte sich zum ersten Mal das Bündnis NOlympia Hamburg. Sie warnten vor steigenden Mieten, der Versiegelung von Flächen durch neue Sportstätten und der Verdrängung von Anwohner*innen aus ihren Vierteln. Mit der Kampagne unter dem Motto „Lasst uns gemeinsam den Olympia-Wahnsinn stoppen!“ mobilisierte die Bewegung erfolgreich Widerstand. Am Ende stimmten 52 Prozent der Teilnehmenden des Referendums gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024.
Bisherige Olympische Spiele in Deutschland

Nach der Neuauflage der Olympischen Spiele 1894 wurden diese insgesamt drei Mal in Deutschland ausgetragen. 1936 fanden nicht nur die Winterspiele, sondern auch die Sommerspiele in Deutschland statt. Im Winter wurde Garmisch-Partenkirchen als Austragungsort genutzt, im Sommer Berlin. Die Spiele sind auch als “Propaganda-Spiele” bekannt. Das nationalsozialistische Regime nutzte die Spiele als Plattform für Propaganda und wollte ein friedfertiges und leistungsstarkes Deutschland vortäuschen. Siege deutscher Athlet*innen wurden als außenpolitisches Zeichen für die Überlegenheit Deutschlands nach außen getragen.
1972 fanden die bisher letzten Olympischen Spiele in Deutschland in München statt. Die „heiteren Spiele“ sollten bewusst einen Gegensatz zu den Propaganda-Spielen in 1936 sein, es sollte ein weltoffenes und modernes Deutschland gezeigt werden. Die Spiele wurden jedoch durch die Geiselnahme und Ermordung elf israelischer Athlet*innen durch die Terrororganisation „Schwarzer September“ überschattet. Nach einem Trauertag wurden die Spiele fortgesetzt.
Nachhaltiges Bewerbungskonzept soll Zustimmung bringen
Das Bewerbungskonzept, mit dem die Olympischen Spiele dieses Mal nach Hamburg kommen sollen, basiert auf dem Motto: Die Flamme geht, das Feuer bleibt. Sportstätten und Infrastruktur sollen langfristig genutzt werden können, beispielsweise als Wohnraum. 78 Prozent der Spielstätten würden außerdem bereits bestehen, heißt es im Konzept. Das Olympische Dorf wäre in der Science City Hamburg-Bahrenfeld geplant.
Außerdem sollen die Hamburger*innen mit Bürgerdialogen, digitalen Formaten und nicht zuletzt dem Referendum aktiv an der Gestaltung der Spiele beteiligt werden. „Feedback ist willkommen, denn diese Spiele machen wir gemeinsam“, heißt es auf der Website der Active City. Die „Active City“-Strategie vom Hamburger Senat hat das Ziel, Sport und eine gesunde Lebensweise in der Hansestadt voranzubringen.







