Martin ist ehrenamtlich im Vorstand vom Arbeiter-Samariter-Bund. Er ist auch dafür verantwortlich, dass Fußballfans im Volksparkstadion medizinisch versorgt werden. Nebenbei macht er eine Ausbildung zum Sanitäter. Wie geht das?

Illustration: Jasmin Grabler

„Junge Menschen im Ehrenamt“ ist ein Format bei FINK.HAMBURG, in dem Menschen unter 30 von ihrem ehrenamtlichen Engagement berichten. Im Fokus steht dabei nicht nur das Ehrenamt selbst, sondern auch, wie sie ihr Ehrenamt in ihren meist schon gut gefüllten Alltag eingliedern, und warum sie diese Extra-Arbeit neben ihrem Job überhaupt machen.

In diesem Text erzählt Martin Knaack, 24, von seinem Ehrenamt.

Ein junger Mann in Sanitäter-Uniform im Porträt.
Durch die Uniform ist leicht zu erkennen, in welchem Bereich sich Martin Knaack engagiert. Foto: ASB Hamburg

Ich bin hauptberuflich in der Ausbildung zum Notfallsanitäter. Ehrenamtlich arbeite ich beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) im Landesjugendvorstand in der Einsatzabteilung. Das gehört zur Kategorie Katastrophenschutz. Ich bin im Leitungsteam und kümmere mich um Aus- und Fortbildungen. Nebenbei bin ich auch noch Dozent für zum Beispiel Erste-Hilfe-Kurse.

In meiner eigenen Ortsgruppe kümmere ich mich vor allen Dingen um die Besetzung von Diensten der Sanitäter, wie auf Konzerten oder im Volksparkstadion beim HSV. Da sind wir vor Ort und helfen, wenn wir gebraucht werden. Als kleiner HSV-Fan bin ich Gruppenführer und sorge dafür, dass der Tag reibungslos verläuft. Und ich organisiere auf Fortbildungsabenden ein paar Übungen, schreibe einen Jahresausbildungsplan und kümmere mich darum, dass alle up to date sind.

Seit der Schulzeit beim ASB

Alles hat angefangen mit dem Schulsanitätsdienst. Ab der elften Klasse hatte ich keine Lust mehr auf Schule, weil Corona kam und ich kein Mensch bin, der viel zu Hause macht. Deswegen habe ich ein FSJ beim ASB gemacht. Richtig eingetreten bin ich dann vor fünf Jahren.

Ich mache mein Ehrenamt hauptsächlich, weil ich eine ziemlich starke Gemeinschaft dort gefunden habe. Auch wenn es scheiße läuft, oder es uns schlecht geht, sind wir füreinander da. Wir sind wie eine große Familie. Das ist der Hauptpunkt im Ehrenamt, der einem viel zurückgibt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Weltkindertag in Hamburg. Wir waren eigentlich da, um uns um die Kinder und Erwachsene zu kümmern. Aber irgendwann waren wir eine der Hauptattraktionen. Die Kinder haben unser Auto quasi auseinandergenommen und kamen mit leuchtenden Augen auf uns zu. Das ist immer mit eines der schönsten Dinge, diese Menschlichkeit, also für Leute da zu sein, die vielleicht kein medizinisches Problem haben. Einfach mit den Leuten zu quatschen und zu merken, dass es denen dadurch deutlich besser geht.

Hoher Zeitaufwand, viel Dankbarkeit

Die größte Herausforderung ist für mich, mein Ehrenamt mit dem normalen Arbeitsalltag zu vereinen, denn ich habe eine 48-Stunden-Woche in meinem Hauptjob. Beim Rettungsdienst sind das vier Zwölf-Stunden-Schichten pro Woche. Manchmal, wenn ich Bereitschaft habe und auf der Wache warte, bis der nächste anruft, habe ich freie Zeit. Diese Zeit kann ich gut für mein Ehrenamt nutzen. Das nimmt zum Teil 40 Stunden die Woche ein. Aber trotzdem: Ich tue etwas für die Gesellschaft. Manchmal bin ich unterwegs im Dienst und trage meine Uniform. Und dann sagen einem random Leute einfach „Danke“. Das ist das, wofür ich mein Ehrenamt mache.

Ich glaube, niemand weiß, ob er mit Notfällen umgehen kann oder nicht. Niemand kann es so richtig, es ist für jeden eine psychische Belastung. Was aber klar ist: Ihr seid bei uns niemals alleine. Das ist der wichtigste Punkt. Wir sind ein Team, wir sind füreinander da, wir haben professionelle Leute, die einem helfen. Grundsätzlich startet alles mit einem Erste-Hilfe-Kurs. Dann läuft man mit einer erfahrenen Person mit, fängt zum Beispiel im Volksparkstadion an. Wer weiter gehen will, macht einen Lehrgang mit 48 Unterrichtseinheiten und einer Prüfung.

Nicht alle sind geeignet

So lernen Ehrenamtliche, mit Unfällen umzugehen und empfinden nicht mehr so viel Stress. Wer die Prozesse versteht, kann Unfälle viel besser verarbeiten. Das heißt nicht, dass alle dafür geeignet sind. Es gibt ein paar Sachen, die sollte man schon sehen können, wie Blut zum Beispiel. Aber wir beim ASB sind ein sehr vielseitiges Ehrenamt. Wir haben eine Kleiderspende oder eine Essensausgabe. Niemand muss so direkt am Menschen arbeiten, wie Notfallsanitäter es tun.

Wer Interesse hat, kann bei uns einfach nachfragen. Wir haben ein Online-Formular beim ASB, aber es gibt natürlich ganz viele andere Ehrenämter. Es gibt niemanden, den ich je getroffen habe, der einen Schnuppertag ablehnt. Ganz im Gegenteil. Jeder, der vielleicht eine Stunde im Jahr investiert, ist immer noch besser als Null. Auch kleinere Gesten helfen. Zum Beispiel haben wir die Hamburger Tafel bei uns auf dem Gelände. Da reicht es schon, wenn eine Person manchmal da ist und ein paar Lebensmitteltüten packt. Auch wer nur einmal im Jahr Zeit hat, wir kriegen das immer irgendwie geregelt.

Zur Übersicht listet die Stadt Hamburg mögliche Plätze für eine ehrenamtliche Arbeit hier auf: hamburg.de. Weitere Informationen über die Tätigkeiten beim ASB, wo auch Martin Knaack sich engagiert, gibt es auf der Website des Vereins.

Junge Frau mit Brille im Porträt

Alles ist politisch. Auch die Frage, ob Bier schmeckt oder nicht. Zumindest wenn es nach Anny Norma Schmidt, Jahrgang 2001, geht. Sie bestellt lieber Sekt. Dafür erntet sie in ihrer Heimat Dithmarschen schiefe Blicke. Vielleicht fiel ihr daher der Abschied 2021 in Richtung Magdeburg leicht, um dort Journalismus zu studieren. Ist sie nicht baden oder joggen, sitzt Anny gerne im Café, entweder in ein Buch oder in eine Diskussion über Feminismus und Nachhaltigkeit vertieft. Anny hat schon diverse Praktika bei Lokalzeitungen hinter sich, weil sie es wichtig findet, im Gespräch zu bleiben - sogar über Bier. Kürzel: ans

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here