Strommast
Foto: Pixabay/cocoparisienne

Die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen ist in Hamburg stark gestiegen, die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien rückläufig. Gibt es die Energiewende nur auf dem Papier?

Das Wort Energiewende ist inzwischen fast jedem ein Begriff und steht eigentlich für eine Abkehr von umweltbelastenden Energiequellen, wie Atomkraft oder Kohle. In Hamburg zeichnet sich jedoch eine andere Entwicklung ab, das zeigen aktuelle Zahlen des Statistikamtes für Hamburg und Schleswig-Holstein. 2016 erhöhte sich die Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil erneuerbarer Energien um 13 Prozent.

Stromerzeugung Hamburg
Quelle: Statistikamt Nord, Grafik: Oliver Koop

Die Rückkehr der Kohle?

Vor allem die Kohleenergie scheint an der Elbe eine Renaissance zu erleben. „Die höhere Stromerzeugung aus Kohle lässt sich zu einem wesentlichen Anteil auf die Inbetriebnahme des Kraftwerks Moorburg Ende 2015 zurückführen“, so Jan Dube von der Behörde für Umwelt und Energie. „Für die Hamburger Klimabilanz ist aber der in Hamburg verbrauchte Strom maßgeblich und nicht die Erzeugung“, versucht Dube zu beschwichtigen. Zum kräftigen Zuwachs an Energie aus Mineralölen äußerte sich die Behörde nicht.

Der Bau des Kohlekraftwerks Moorburg wurde 2008 unter strengen Umweltauflagen durch den damaligen Senat aus CDU und Grünen genehmigt. Umweltschützer kritisieren seit der Inbetriebnahme im Februar 2015 jedoch den hohen CO2-Ausstoß, den Energieverlust in Form von Abwärme sowie die durch die Abwärme entstehende Belastung für die Elbe. Im April diesen Jahres sorgte Moorburg erneut für Aufsehen, als der Europäische Gerichtshof urteilte, dass die Genehmigung für das Kraftwerk fehlerhaft sei. Die Umweltverträglichkeit sei nicht korrekt geprüft worden.

Umweltbehörde sieht keinen Trend

Die rückläufige Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sieht die Behörde unkritisch: „Diese Zahl ist mit Sonderfaktoren zu erklären, beispielsweise mehr Flaute-Tage bei der Stromerzeugung aus Windkraft oder der Veränderung im Betrieb von Müllverwertungsanlagen.“ Für das Minus bei erneuerbaren Energien seien vor allem Rückgänge bei der Energiegewinnung aus Windkraft, Biogas und biogenen Abfällen verantwortlich.

„Der Ausbau der erneuerbaren Energien in Hamburg geht weiter“, betont Duge. Ein wichtiger Baustein sei die Wärmewende, bei der das Heizkraftwerk Wedel durch erneuerbare Komponenten modernisiert werden soll. Darüber hinaus seien in diesem Jahr bereits mehrere neue Windräder ans Netz gegangen.

Die Stromerzeugung in Hamburg ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 17,4 Prozent auf über 10 Millionen Megawattstunden gestiegen.

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