Nicola Baroni beim Cello spielen.
Nicola Baroni beim Cello spielen. Foto: Nicola Baroni

Der Cellist Nicola Baroni stellte auf dem „Klingt gut“ Symposium am 8. Juni an der HAW Hamburg ein auf Künstlicher Intelligenz basierendes Programm vor, mit dem man Live-Musik produzieren kann. Wir haben ihn gefragt, wie das funktioniert.

Können Computerprogramme Musik produzieren? Spätestens seit die Künstlerin Taryn Southern 2017 ihren Song „Break Free“ mittels einer Künstlichen Intelligenz (KI) hergestellt hat, ist diese Frage mit Ja zu beantworten. Text und Melodie des Gesangs hat sie selbst geschrieben, die gesamten Instrumente und die Gesangstöne stammen allerdings aus einem Computerprogramm.

Inzwischen testen auch Interpreten klassischer Musik die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz, um neue Klänge zu erschaffen. Einer von ihnen ist der Cellist und Musikdozent Nicola Baroni: Der aus Bologna stammende Musiker beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Verknüpfung von klassischer und elektronischer Musik. Nach zahlreichen Auftritten in Europa, Amerika und Asien suchte er nach klanglichen Erweiterungen seiner Spielweise. Er fand sie in der KI.

„Ich wollte nicht von der Technik kontrolliert werden“

Baroni sagt: „Die bisherigen Technologien haben mich nicht überzeugt, weil ich die Klänge nicht kontrollieren konnte und immer Knöpfe drücken musste. Ich wollte nicht von der Technik kontrolliert werden und mich mit meinen Spielbewegungen frei entfalten können.“

Das Cello von Nicola Baroni auf dem "Klingt gut" Symposium.
Das Cello von Nicola Baroni auf dem „Klingt gut“ Symposium. Foto: Eric Recke

Aus diesem Grund habe er angefangen, seine Handbewegungen beim Cello-Spiel aufzuzeichnen, um so die Töne vom Computer erkennen zu lassen. Darauf hin programmierte er eine KI, die erst einige Spielsequenzen abspeichert und diese dann während des weiteren Spielens mit den neu gespielten Sequenzen vergleicht. Aus diesen Aufnahmen mixt die KI dann live gänzlich neue Töne – jeweils immer mit der gespeicherten Sequenz, die der neuen Aufnahme am nächsten kommt.

Baroni sagt: „Mir ging es dabei darum, dass ich von mir selbst produzierte Klänge direkt während des Spielens zu neuen Klängen mixe.“ Seine Cello-Studierenden in Bologna hätten ihm gesagt, dass sich die Technik anfühle als ob man Playstation spielen würde.

„Technologie wird klassische Musik nie ersetzen können“

Jüngere Menschen hätten aufgrund ihrer frühen Erfahrungen mit den neuen Techniken eine größere Affinität zu dieser Spielweise. Ebenfalls sei ihm bei seinen Reisen aufgefallen, dass besonders Menschen aus den USA und aus Kanada begeistert von seinem Programm und den dabei entstehenden Klängen sind.

Baroni kritisiert aber auch, dass mit der geringen Finanzierung im Musikbereich Kreativität wenig gefördert wird. Insbesondere die Musikerziehung in der Schule sei zu wenig entwickelt. Das könnten die neuen Techniken nicht ausgleichen, auch wenn sie beispielsweise durch seine KI-Programme mehr Aufsehen erregen. Er betont: „Technologie wird klassische Musik nie ersetzen können, es kann sie maximal erweitern.“

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Eric Recke, Jahrgang 1987, nimmt jeden Morgen drei Gramm Vitamin C und ist überzeugt, dass er deshalb 120 Jahre alt werden wird. Als Sohn zweier DDR-Schwimmstars sah es zunächst so aus, als stehe auch ihm eine Karriere als Leistungssportler bevor, später wollte er sogar einmal Polizist werden. Am Ende studierte Eric dann aber Sozialpädagogik, bis heute schiebt er Schichtdienste in einer Betreuungseinrichtung für Jugendliche. Es gibt an der HAW Hamburg kaum ein studentisches Gremium, dem er noch nicht angehört hat. Die Studierendenzeitung „IMPULS“ hat er mitgegründet und ein Buch über die Geschichte der Olympischen Spiele geschrieben. Trotz seines anstrengenden Lebenswandels verzichtet Eric morgens auf Kaffee: das dauert ihm einfach zu lange. Kürzel: er