Hobbyimker Gunnar Weidt stellt Wohnraum für die Bienen und kümmert sich um ihre Gesundheit. Berufsimker Björn Schumann verkauft Honig und gibt Imkerkurse bei den Stadtbienen. Beide arbeiten mit Bienen, aber anders. 

Illustration Titelbild: Lea Ritters

Gunnar Weidt, Hobbyimker auf St. Pauli, macht sein Bienenhotel, die sogenannte Beute, für einen neuen Schwarm bezugsfertig. Weidt trägt ein lockeres, beige-kariertes Hemd und eine blaue Hose. In seiner Hand hält er einen Brenner: Gas strömt heraus. Das abgeflammte Holz der Beute färbt sich dunkel. Es riecht nach leicht angebranntem Holz. Ein neugieriger Junge ruft von unten aufs Dach „Können die stechen?“. Weidt, typisch norddeutsch, antwortet: „Ne, die haben alle einen Knoten im Stachel“.

Der Hobbyimker pinselt den letzten Holzblock der Beute mit einer selbst gemischten Bienenwachs-Leinöl Mischung ein und flammt ihn ab: Die vier quadratischen Kästen sind fertig und werden wieder zusammengesteckt. Die Renovierung hat etwa eine halbe Stunde gedauert.

Eine Bienenwohnung, sogenannte Beute wird mit einem Brenner abgeflammt.
Die Beute wird von Weidt mit einem Brenner abgeflammt. Foto: Luna Teresa Baumann Dominguez

Vier Tage später, bei sonnigem Wetter in Rahlstedt, auf einer grünen Wiese: lautes Summen. Tausend fleißige Bienen fliegen durch das Flugloch der sechs Beuten ein und aus. Björn Schumann, einer der circa ein Prozent Berufsimker*innen in Deutschland, trägt eine Arbeitshose und eine weiße Imkerjacke. Neben der Imkerei leitet er Imkerkurse bei den Stadtbienen. 

Der Hobbyimker und der Berufsimker 

Der eine arbeitet mit Bienen, der andere für Bienen. Beide gehören zu den circa 143.000 Imker*innen in Deutschland. Weidt, der Hobbyimker, beschreibt seine Intention mit der Freude an den Bienen selbst, sie zu sehen, zu hören, zu riechen. Er ist dafür da, die Bienen zu begleiten und ihnen Wohnraum zu geben. Mit dem Fahrrad besucht er die Beuten regelmäßig und pflegt die Bienenvölker. Er renoviert die Beuten, kratzt alte Waben aus und kontrolliert die Gesundheit der Bienen.

Eine Beute aus Glas steht auf dem Gartendeck St. Pauli. Dort können die Bienen bei ihrer Arbeit beobachtet werden. Das Bienenvolk der Glasbeute aus dem letzten Jahr ist im Winter gestorben. Woran, das weiß der Hobbyimker nicht genau, mutmaßlich an der Varroa-Milbe, trotz Behandlung. Das passiert bei der Imkerei manchmal. Das Deutsches Bienen Monitoring (DeBiMo) untersucht die Winterverlustraten von Honigbienen. Es könne nicht festgestellt werden, wie viele Bienen spezifisch an der Varroa-Milbe gestorben sind. Aber die Winterverlustrate der Bienen für 2023/24 liege bei circa 14%. 

Wie kommen die Bienen in die Beute?

Ein Imkerkurs bei den Stadtbienen dauert circa ein Jahr. Die Teilnehmenden lernen in dem Kurs, einen Bienenschwarm einzufangen, wie ein Schwarm in eine Beute einzieht und wie eine Bienenkönigin ins Bienenvolk integriert wird. Um schmerzhafte Bienenstiche am Kopf zu vermeiden, tragen elf Teilnehmende weiße Imker-Hüte mit Schleier. So verfangen die Bienen sich nicht im Haar. Sie würden dann aus Angst stechen. Nur ein Teilnehmer wollte nicht, er sagt ihm würde ein Stich nichts ausmachen. Eine Teilnehmerin drückt länger an ihrer inneren Handfläche herum, sie wurde von einer Biene gestochen. Es sei unangenehm, den Stachel raus zu drücken, tue aber nicht weh.

Der Berufs-Imker, Schumann beim Einlogieren der Bienen.
Der Berufsimker Schumann beim Einlogieren der Bienen. Foto: Luna Teresa Baumann Dominguez

Es kommt zum praktischen Teil: Wie kommen die Bienen in die Beute? Mit dabei: Ein von Schumann selbst eingefangener Bienenschwarm in einer Holzbox. Der Berufsimker Schumann holt besagte Box aus seinem weißen Transporter. Die ungeduldigen Bienen haben sich vorher schon aus der Box befreit und fliegen im Fahrerbereich nervös herum, denn sie wollen weiter arbeiten.

Bis die neue Beute der Bienen bezogen ist, dauert es einige Minuten. Vorsichtig versucht der Berufsimker, alle Bienen aus der Transportbox in die neue Beute umzusiedeln. Dafür zieht er vorsichtig die Rähmchen – worauf die Waben gebaut werden – heraus. Die Bienen sitzen auf den Waben. Die meisten lassen sich beim Herausnehmen nicht bei der Arbeit stören. Einige Bienen fliegen sofort zurück in die Transportbox: „Die können sich nicht von ihrem Eigengeruch aus der Box trennen“, sagt Schumann. Für das sogenannte Einlogieren der Bienen braucht es Geduld und möglichst keine Berührungsangst. Bis die Teilnehmenden des Kurses ihren eigenen Honig produzieren können, dauert es mehr als ein Jahr. Sie haben jetzt den ersten Präsenztermin des Kurses hinter sich.  

Für Weidt, den Hobbyimker, kommt es bei den Imkerkursen auf die Philosophie des Imkerns an. Er selbst verfolgt die wesensgemäße Bienenhaltung. Das bedeutet: Der Imker richtet sich nach den Bedürfnissen des Bienenvolkes. Er sagt: „Ich mache eigentlich fast nichts. Ich stelle Wohnraum zur Verfügung und Sorge für die Gesundheit.” 

Weidt und die Bienen 

Weidts Großvater hatte Bienen. Mit ihm hat der Hobbyimker schon damals Schwärme eingefangen. Im Jahr 2008 hat Weidt selbst angefangen zu imkern. Weitere Inspiration dafür war ein Schreibwarenhandel auf dem Schulterblatt: Der Verkäufer dort hat ihm damals öfter Honig geschenkt. Von ihm lernte Weidt, dass es besser sei, die Bienen in der Stadt als auf dem Land zu halten: dort gibt es mehr Bäume. Perfekt für den Einstieg als junger Imker war die geschenkte Ausrüstung des besagten Verkäufers.

Eines der Bienenvölker auf dem Bauspielplatz.
Eines der Bienenvölker von Hobbyimker Weidt auf dem Bauspielplatz. Foto: Luna Teresa Baumann Dominguez

Weidt hatte in seiner Anfangszeit immer kurzes Haar: Sein Friseur war gelernter Bienenwirt. Der Hobbyimker sagt: “Immer, wenn ich Fragen hatte, bin ich zu ihm gegangen. Und ich meinte immer: Schneid nicht so viel ab, ich komm nächste Woche wieder.” Heute gibt der Hobbyimker selbst Wissen über Bienen an interessierte Menschen weiter: Zum Beispiel an die Kinder auf dem Bauspielplatz oder an Menschen, die an der Beute auf dem Gartendeck St. Pauli vorbeilaufen. 

Schwarmfänger-Listen

An die Bienenschwärme kommen Imker*innen über Schwarmfänger-Listen, wie die des Imkerverband Hamburg e.V. Dort können Menschen Imker*innen in ihrer Nähe Bescheid geben, wenn sie einen Schwarm entdeckt haben. Klingelt das Handy, müssen sich die Imker*innen beeilen, da der Schwarm schnell zu weit weg sein kann. In den Schwarmfänger-Listen steht Weidt ganz oben, denn er imkert schon lange. Oft muss er Anrufe an seine Kolleg*innen weiterleiten, da er als Hobbyimker oft anderes zu tun hat, als die Schwärme selbst einzufangen.

Sobald er Zeit hat, wartet Weidt aber auf Anrufe. Das frisch renovierte Bienenhotel ist bezugsbereit. Jetzt muss nur noch sein Handy klingeln.

Luna Baumann Dominguez, Jahrgang 1996, hat ein Faible für das deutsche Lachshuhn. Das hat ihr in ihrem Lieblingskartenspiel “Hennen” schon einige Siege beschert. Sie ist in Mönchengladbach geboren, aber schon 13-mal umgezogen. Beim WDR in Köln machte sie ein Praktikum in der Wirtschaftsredaktion. Ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaft begann Luna vor allem, um beim Uni-Radio in Münster zu arbeiten. Dort gründete sie die feministische Sendung “Equals” und interviewte Reggae-Musiker: Bei einem Dub-Inc-Konzert in Paris ließ der Schlagzeuger für sie sogar das französische Fernsehen warten. Die Leute im Ruhrgebiet - große Klappe, herzlich, immer direkt - vermisst sie schon jetzt. Kürzel: lun

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