Eine schwarz weiße Katze sitzt in einer Transportbox im Auto.
Eine von Hamburgs zahlreichen Straßenkatzen wurde eingefangen und wird nun ins Tierheim gebracht. Foto: Stella Bruttini

In südlichen Ländern wundert sich niemand über Straßenkatzen, doch auch in Hamburg fristen tausende Streuner ein teilweise elendiges Leben. Das Katzenrettungsteam ist ständig im Einsatz.

Es klappert laut, als die Metallfalle zuschnappt. Ein zierlicher, schwarz-weiß gemusterter Kater springt in der Falle umher, stößt sich den Kopf, kratz an den Gittern und versucht zu entkommen. Seine Pupillen sind vor Angst geweitet, als er sich in eine Ecke kauert, sein Fell quillt zwischen den Metallstreben hervor. Er ist eine von vielen Straßenkatzen in Hamburg, die das Katzenrettungsteam des Hamburger Tierschutzvereins einfängt. Doch nicht alle sind mit ihrer Arbeit einverstanden – gerade Vogelschützer*innen sehen in den Katzen eine Bedrohung für die Artenvielfalt. Aber auch andere Menschen fühlen sich durch die Katzen gestört. Das geht sogar so weit, dass einige Menschen die Streuner angreifen und verletzen.

Allein in Deutschland werden mehr als 15 Millionen Katzen als Haustiere gehalten. Doch nicht nur das, es gibt außerdem in Deutschland und gerade in Hamburg zahlreiche herrenlose Katzen, die ihr Leben auf den Straßen, in Parks, auf Friedhöfen oder in Hinterhöfen verbringen. Laut offiziellen Angaben gibt es in Hamburg rund 10.000 Straßenkatzen – der Hamburger Tierschutzverein geht allerdings von 40.000–50.000 aus. Das Katzenrettungsteam des Hamburger Tierschutzvereins ist täglich im Einsatz. Denn während man in südlichen Ländern täglich auf mindestens eine Streunerkatze stößt, die von den Touristen gefüttert wird, leben die Tiere in Hamburg größtenteils im Verborgenen.

„Wenn man sich für Streuner interessiert, macht man das mit dem Herzen“

Monika Freytag ist heute in Wilhelmsburg unterwegs, denn dort gibt es einen Futterplatz, an dem ungefähr 20-25 Streunerkatzen regelmäßig zu finden sind. Ihre Mission: Einen unkastrierten Kater fangen und ihn für eine Kastration ins Tierheim bringen. Seit 14 Jahren arbeitet die gelernte Konditorin bereits im Tierheim. Anfangs ehrenamtlich, seit einigen Jahren in Vollzeit.

Der Job ist nicht immer einfach, aber: „Wenn man sich für Streuner interessiert, macht man das mit dem Herzen“. Der Futterplatz liegt auf dem Gelände einer Firma, versteckt hinter einem Bauzaun und viel Grün, sodass er nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist und die Katzen ihre Ruhe haben. Freytag baut die Falle mit geübten Handgriffen auf und platziert einige Leckerlis im Inneren, sodass die Katzen angelockt werden. Dann muss man geduldig sein und warten. Das könne schon mal ein paar Stunden dauern, bis eine Katze in die Falle tappt. An anderen Tagen passiere es gar nicht.

Doch an diesem Tag scheinen die Leckerlis schnell Wirkung zu zeigen, denn bereits nach knappen zehn Minuten pirscht sich eine kleine Katze mit schwarz-weißer Musterung an. Obwohl sie zuerst skeptisch um die Falle herumschleicht, dauert es nur zwei weitere Minuten, bis sie einen Mechanismus auslöst, der die Falle zuschnappen lässt. Auf der Fahrt zum Tierheim, ist es im Käfig ganz still, doch das sei normal für eine Streunerkatze. „Wilde Katzen sagen keinen Ton im Auto. Wenn wir hier eine ausgesetzte Katze hätten, würde sie miauen und sich anders benehmen.“ Es zieht ein strenger Geruch nach Ammoniak durch das Auto, denn der kleine Kater hat vor Aufregung in den Käfig gemacht.

Ein kleiner Kater sitz in einer Falle aus Metall.
Der kleine Kater ist in die Falle getappt. Foto: Stella Bruttini

Hamburg braucht eine Katzenschutzverordnung

Auf Hamburgs Straßen leben also sowohl ausgesetzte Katzen als auch die, die direkt ohne ein Zuhause geboren wurden. Vor allem die Corona-Pandemie scheint wieder zu mehr Elend auf den Straßen geführt zu haben. Katzen wurden aus Langeweile angeschafft und mit Ende der Pandemie ausgesetzt.

Menschen würden mit Katzen einfach leichtfertiger umgehen, sagt Stefanie Bauche, die ebenfalls Teil des Katzenrettungsteams ist. „Einem Hund würdest du auch nicht einfach die Tür aufmachen und sagen: Lauf!“ Sie versucht sich seit Jahren in der Politik Gehör zu verschaffen. Denn während es in Hamburg eine Hundeverordnung gibt, fehlt es noch an einer Katzenschutzverordnung.  Nur mit einer Kastrations-, Chip- und Registrierungspflicht lasse sich das Leid der Straßenkatzen langfristig in den Griff bekommen.

“Man hat mit allem zu tun”

Mit dem Anstieg der Katzenpopulation ergibt sich allerdings noch ein anderes Problem. „Verwilderte und herrenlose Hauskatzen stellen ein Problem für Wildtiere dar, denn sie decken ihren Nahrungsbedarf, abgesehen von menschlichen Abfällen, praktisch komplett durch die Jagd auf Kleintiere,“ sagt Nabu-Sprecher Jonas Voß. Bis zu 200 Millionen Vögel fallen Katzen deutschlandweit jährlich zum Opfer. „Dringt eine Katze in das Brutrevier eines Vogels ein, gerät dieser in Alarmstimmung. Er verlässt das Nest, warnt unablässig und stellt dabei alle anderen wichtigen Aktivitäten wie Futtersuche, Brüten und Füttern des eventuell schon vorhandenen Nachwuchses ein,“ so Voß. Warum werden die Streuner dann nicht einfach in ein Zuhause vermittelt, nachdem sie vom Tierschutz eingefangen wurden?

Straßenkatzen vertrauen Menschen nicht

Man würde ihnen keinen Gefallen tun, wenn man versuche, sie zu sozialisieren oder zu adoptieren. „Streuner sind Streuner und vertrauen Menschen nicht,“ sagt Bauche. Auch wenn sie durch eine Verletzung oder Krankheit eine längere Zeit im Tierheim verbracht haben, werden sie nach ihrer Genesung wieder ausgewildert. Dafür ist unter anderem Bauche zuständig. Sie ist auf dem Weg, um ein neues Auswilderungsgehege aufzubauen und schleppt große Teile aus Holz und Metall durch eine Schrebergartensiedlung. Der genaue Standort muss geheim bleiben, da nicht alle Menschen Streunerkatzen in ihrem Nachbargarten haben wollen. In der Vergangenheit hat sie es bereits erlebt, dass Katzen mit Steinen beworfen oder anders vertrieben wurden.

Zusammen mit dem Pächter des Schrebergartens findet sie die beste Stelle für den Aufbau des Geheges. Es soll an das grüne Gartenhaus grenzen und sicher zwischen den Gemüsebeeten stehen. Die beiden schrauben die Teile zusammen und passen vor allem auf, dass der Wind der Konstruktion nichts anhaben kann. Es dauert knapp zwei Stunden, dann betrachten die beiden ihr Werk zufrieden.

Ein Mann und eine Frau hocken vor einem großen Käfig und bauen diesen für die Auswilderung von Straßenkatzen zusammen.
Hier entsteht ein Auswilderungsgehege. Foto: Stella Bruttini

Ein Neuanfang für die Oreo-Schwestern

Drei Geschwisterkatzen, die aufgrund ihrer Fellfarbe auch die Oreo-Schwestern genannt werden, dürfen hier einziehen. Sie wurden vor einiger Zeit auf dem Gelände einer Papierfabrik gefunden. Bauche verteilt im Inneren des Geheges schon einmal das Lieblingsspielzeug der drei Katzen, damit sie sich gleich wohl fühlen. Wenn alles gut gehe, könne das Gehege schon in einer Woche wieder abgebaut werden – eben dann, wenn die Katzen ihr neues Zuhause akzeptiert haben. Dann bleibt nur noch zu hoffen, dass sie in dem Garten einen Ort gefunden haben, an dem sie ihr Leben fernab von den Gefahren der Straße leben können.

Stella Bruttini, geboren 1997, hat bei ihrem ersten Casinobesuch in Las Vegas direkt den Hauptgewinn am Einarmigen Banditen abgestaubt: Einen Dollar eingesetzt und 1000 Dollar gewonnen. Der Gewinn wurde danach ordentlich für den restlichen Urlaub verpulvert. Mit dem Auto ging es durch den amerikanischen Westen. Stella stammt aus Kiel und hat dort PR und Marketing studiert. Nach ihrem Bachelor testete sie sich beim Online-Stadtmagazin "Mit Vergnügen Hamburg" durch alle Restaurants Hamburgs - am liebsten isst sie Pasta. Ihr Traum folgerichtig: Irgendwann mal an den Gardasee auswandern, aber niemals ohne ihren Kater Steven. Kürzel: ini

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