Das Landgericht Hamburg - Foto: Marcus Brandt/dpa
Der "White-Tiger"- Prozess startet. Foto: Marcus Brandt/dpa

Er soll Kinder und Jugendliche im Internet dazu gebracht haben, sich selbst zu verletzen – bis hin zum Suizid. Nun kommt der 21-Jährige, der sich im Internet „White Tiger” nannte, vor Gericht.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Pädokriminellen, der als „White Tiger” im Internet agierte, beginnt morgen am 9. Januar vor dem Landgericht Hamburg. Die Hauptverhandlung gegen den 21-Jährigen werde vor einer Jugendkammer der Großen Strafkammer eröffnet. Dem Angeklagten wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen. Die Verhandlung wird nicht öffentlich sein, teilte das Gericht mit.

Insgesamt sind für die Verhandlung bis Dezember nächsten Jahres 82 Verhandlungstermine angesetzt. Der Angeklagte muss sich für 204 Straftaten verantworten, die er laut Gericht zwischen Januar 2021 und September 2023 zum Schaden von über dreißig Kindern und Jugendlichen begangen haben soll. Der Tatverdächtige war im Sommer 2025 in Hamburg in der elterlichen Wohnung festgenommen worden.

Die Hamburger Polizei ermittelte bereits 2021 gegen den Deutsch-Iraner. Damals ging es laut früheren Angaben der Staatsanwaltschaft um den Verdacht des Besitzes jugendpornografischer Aufnahmen. Allerdings seien die Ermittlungen damals nach einer Vernehmung des Verdächtigen wegen Geringfügigkeit eingestellt worden.

Zu späte Festnahme von „White Tiger”?

Bereits 2023 hatte das FBI seine Ermittlungsergebnisse zu „White Tiger“ an deutsche Behörden weitergegeben. Ein ehemaliger FBI-Ermittler erklärte gegenüber dem Spiegel, er habe das Landeskriminalamt bei einem Treffen in Hamburg im Februar 2023 über die Identität des Beschuldigten informiert. Gleichzeitig kritisierte er, dass der damals 17-jährige Verdächtige nicht frühzeitig gestoppt worden sei.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte das Treffen. Im Anschluss sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden – zunächst allerdings nur wegen des Verdachts des Umgangs mit kinderpornografischen Inhalten. Ein hinreichender Tatverdacht wegen Mordes oder versuchten Mordes habe sich aus den vom FBI übermittelten Unterlagen zunächst nicht ergeben.

Der heute 21-Jährige befindet sich seit Mitte Juni in Untersuchungshaft in der Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand.

hmh/dpa

Hendrik Heiermann, Jahrgang 1998, prokrastiniert nicht, er tut andere wichtige Dinge. Statt sich seiner Traumkarriere als Eisverkäufer im Sommer und Lokomotivführer im Winter zu widmen, hat er sich dem Journalismus verschrieben.
Hendrik ist in Plochingen bei Stuttgart aufgewachsen, er studierte Spanisch und Lateinamerikastudien in Hamburg. Während eines Praktikums in Mexiko in einer Migrant*innenherberge half er bei einer Geburt, später startete er in Kolumbien einen spanischsprachigen Podcast über Migration. Seit Sommer 2024 schreibt er für “kohero”, ein interkulturelles Hamburger Stadtmagazin. Den Artikel über Eiscreme schreibt er morgen. Ganz bestimmt. (Kürzel: hmh)

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