Im Katers Köök wird man von fünf Katzen begrüßt. Wo Gäste ein- und ausgehen, um ihr veganes Frühstück zu genießen, sind sie zuhause. Aber wie gut lässt sich ein Katzencafé mit den Grundsätzen des Tierschutzes vereinbaren?
Text von Nele Zöfert und Annabel Zoepke
Avery liegt noch schlafend im Eingang auf ihrem Lieblingsplatz. Avicii spaziert von Tisch zu Tisch und wirft prüfende Blicke auf die Gäste. Er wird selbst beobachtet – von Keshia aus ihrer kuscheligen Hängematte heraus. Rebell hat sich an das Bein einer Kundin geschmiegt, die ihn vorsichtig krault. Nur von Mellow ist keine Spur. Sie genießt die Ruhe im Rückzugsraum, in den keine Gäste dürfen. Denn das ist das erste Gebot im Katers Köök: Hier wird nur gekuschelt, wenn die Tiere das möchten.
Der Traum vom eigenen Katzencafé
Rilana Rentsch hat das Katzencafé gegründet und so einen ganz besonderen Ort geschaffen. Nach ihrem Linguistik-Studium arbeitete sie erst in der PR- und Eventbranche, merkte bei der Zusammenarbeit mit Caterern jedoch schnell, dass sie viel lieber auf der anderen Seite stehen würde. Ihre drei großen Interessen: Gastronomie, Tierschutz und pflanzliche Ernährung vereinte sie erstmals als Franchisenehmerin einer Katzencafé-Kette in Hamburg.
Dieser Beitrag ist im Rahmen des Bachelorseminars “Digitale Kommunikation” an der HAW Hamburg entstanden und wurde ausgewählt, um auf FINK.HAMBURG veröffentlicht zu werden.
Vor zweieinhalb Jahren eröffnete sie gemeinsam mit zwei Freund*innen das Katers Köök. „Das ist unser Baby!“, so die Gründerin. Das ursprüngliche Konzept aus Japan haben die drei abgewandelt. Die fünf Katzen sind keine Kuscheltiere, sie bewohnen das Deli und sorgen allein mit ihrer Anwesenheit für Freude bei den Gästen.

Der Weg zum eigenen Café war kein leichter. Sie brauchten Doppeltür-Schleusen und mussten sich an die Vorschriften des Veterinär- und Hygieneamts halten. An erster Stelle steht und stand für Rilana Rentsch dabei immer das Tierwohl: „Unsere Katzen kommen aus dem Auslandstierschutz und sollen sich hier rundum wohlfühlen – dann ist es eine Win-Win-Situation für Tiere und Gäste.“
„Wir machen alles mit Liebe und stehen zu 100 Prozent hinter dem, was wir tun.“
Es riecht nach frischem Brot, und aus den Lautsprechern kommt melodische Musik. Heute ist Mitarbeiterin Franziska Dang für das Wohl der Katzen und Gäste zuständig. Die Bedürfnisse beider Seiten zu berücksichtigen, ist nicht immer leicht. Doch genau diese Herausforderung macht für sie den Reiz ihrer Arbeit aus. „Mir gefällt die Arbeit im Service, aber die Interaktion mit den Katzen ist das I-Tüpfelchen“, sagt sie.
Trotz des Trubels achtet sie darauf, dass die Katzen ihre Rückzugsmöglichkeiten haben: „Sie brauchen ihre Ruhe. Wir sorgen dafür, dass sie schlafen können, wenn sie es wollen“, so Dang. Ihr Kollege Jan-Hendrik Paasch schätzt vor allem den respektvollen Umgang im Café: „Man lernt immer neue Menschen kennen, mit denen man in wenigen Augenblicken auf einer Wellenlänge ist.“
Auch mal die kalte Schulter zeigen
Franzikas Lieblingsanekdote aus dem Café? „Am Empfangstisch stehen unsere Wassergläser. Einmal habe ich mich umgedreht und gesehen, wie Rebell genüsslich aus meinem Glas trinkt, Ich war geschockt und habe mich gefragt, wie oft er das wohl schon gemacht hat, ohne dass ich es mitbekommen habe“, erzählt sie lachend.

Gerade hat es sich Rebell auf dem Schoß einer jungen Kundin gemütlich gemacht. Svea und ihr Freund Maurice sind zum zweiten Mal hier. Besonders gefällt ihnen die Kombination aus der entspannten Atmosphäre und dem veganen Konzept. Früher hatten sie selbst Katzen, daher verstehen Sie, dass die Tiere keine Spielzeuge sind. „Manchmal kommen die Katzen zu uns, manchmal beobachten wir sie nur“, so Svea. „Ich finde es nicht schlimm, wenn sie uns mal die kalte Schulter zeigen“, ergänzt Maurice.
Rilana Rentsch berichtet, dass die allermeisten Gäste so denken. Sie respektieren, dass die Tiere selbstbestimmt sind und ein Besuch daher auch mal „kuschellos“ ausfallen kann. Ein wichtiger Aspekt, damit das Konzept überhaupt funktioniert.
Rückzugsorte sind im Katzencafé Pflicht
„Katzencafés können eine Möglichkeit sein, Menschen für den respektvollen Umgang mit Tieren zu sensibilisieren“, sagt Mareike Homann von Peta, Deutschlands größter Tierrechtsorganisation. Allerdings ist Vorsicht geboten: „Diese Einrichtungen sind nur vertretbar, wenn das Wohl der Tiere im Mittelpunkt steht“, so Homann. Katzen sollten freiwillig entscheiden können, ob sie den Kontakt zu Gästen suchen. Dafür brauchen sie neben einer tiergerechten Einrichtung auch ausreichend Rückzugsorte.
„Diese Einrichtungen sind nur vertretbar, wenn das Wohl der Tiere im Mittelpunkt steht“
Außerdem sei es essenziell, dass die Tiere aus dem Tierschutz stammen und nicht aus Zuchten, die Tierleid fördern. Für eine authentisch-tierfreundliche Atmosphäre sollten Katzencafés zudem ausschließlich vegane Speisen anbieten. PETA fordert Besucher*innen eines Katzencafés dazu auf, genau hinzuschauen: Wirken die Katzen entspannt? Sehen sie gesund aus? Missstände sollten den Behörden gemeldet werden.

Kleine Kinder müssen draußen bleiben
Das Katers Köök hat im April 2024 eine Entscheidung getroffen: „Wir haben ein Eintrittsalter ab zehn Jahren eingeführt, denn das Katzenwohl wurde ab und an gefährdet, weil die Eltern nicht auf ihre Kinder aufgepasst haben. Unser Service musste da immer hinterher sein und das war nicht mehr tragbar!“, so Rilana Rentsch. Der Leitsatz, der auch auf der Website des Katers Köök zu finden ist, fasst es zusammen: „Katzencafés sind keine Streichelzoos.“
Avicii nutzt eine Kellnerin als Treppe, um flink auf den Kratzbaum zu springen, Rebell hat sich in den Ruheraum zurückgezogen und Keshia schläft immer noch gemütlich in der Hängematte. Avery hat sich mittlerweile auf den Kassentresen gesetzt, als würde sie die Abrechnung höchstpersönlich überwachen.