Wissenschaftliche Gründungen haben es auf dem Start-up-Markt schwer. Selten gibt es passende Räumlichkeiten, Förderungen und fachliche Unterstützung. Die Start-up Labs Bahrenfeld auf dem DESY-Gelände bieten dafür eine Anlaufstelle.
„Man sagt immer: Geh’ und gründe deine Idee, der Rest ergibt sich schon.“ Für die promovierte Physikerin Ekaterina Jung klang das motivierend. In der Realität sah es zu Beginn anders aus. „Der ganze Gründungsprozess war unglaublich kompliziert.” Die Bürokratie wäre einfach zu viel, sagt sie über die ersten Schritte ihrer wissenschaftlichen Gründung. Unterstützung fanden Ekaterina und ihr Mann Erik Jung in den Start-up Labs Bahrenfeld.
Von der Idee zur Gründung
Gemeinsam mit ihrem Ehemann wollte Ekaterina aus ihrer Forschung am Deutschen Elektronen-Synchrotron, kurz DESY, ein eigenes Unternehmen entwickeln. Das DESY ist ein Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft mit Sitz in Hamburg Bahrenfeld. Neben Forschungstechnologien, wie Teilchenbeschleunigern und Röntgenlasern, sitzen auch die Start-up Labs Bahrenfeld auf dem DESY-Campus.
Ekaterina kannte das Gelände bereits: Während ihres Physikstudiums arbeitete sie dort, später forschte sie für ihre Doktorarbeit in der Flash-Halle, am Freien-Elektronen-Laser. Aus dieser Arbeit entstand die Idee, ein Gerät zu entwickeln, das es so auf dem Markt noch nicht gab. Mit ihrer Firma Waiv Ftir haben die beiden nach eigener Aussage das kleinste Breitbandspektrometer entwickelt, das derzeit erhältlich ist. Ein Breitbandspektrometer wird in der Forschung für Materialanalysen genutzt, um chemische Zusammensetzung oder physikalische Eigenschaften zu bestimmen. Langfristig verfolgen Ekaterina und Erik das Ziel, mit ihrem Gerät Mikroplastik in Trinkwasser, Antibiotika in Lebensmitteln und Umweltverschmutzungen festzustellen.
Netzwerken und Weiterbilden
Beide verband der Wunsch, ein Unternehmen zu gründen. Der erste Schritt führte Ekaterina ins Start-up-Office der Start-up Labs Bahrenfeld. Dort stellte sie ihre Idee vor, ein kurzer Pitch, der darüber entschied, ob sie Unterstützung bekommen würden. „Ohne die DESY-Infrastruktur und die internen Förderungen hätten wir unser Gerät nicht weiterentwickeln können. Wir sind sehr dankbar für diese Unterstützung”, sagt Ekaterina.
Seit Ekaterina ihre Idee entwickelt hat, arbeiten sie und Erik eng mit dem DESY zusammen. Aktuell arbeiten sie an der ersten Version ihres Geräts, das für den wissenschaftlichen Markt gemacht ist. In der zweiten Version wollen sie ihre Technik für den wirtschaftlichen Markt zugänglich machen.
Die Start-up Labs Bahrenfeld werden von der Uni Hamburg, der Stadt Hamburg und dem DESY gefördert und richten sich besonders an junge Unternehmen, die aus der Forschung kommen. Den Starts-ups werden Labore, Büroflächen sowie ein Netzwerk mit Weiterbildungsangeboten zur Verfügung gestellt. So gibt es hier verschiedene Orte für Start-ups: Das Innovation Village, die Start-up Labs und der Tech Hub. Ziel ist es, für jede Entwicklungsstufe eines Start-ups eine eigene Anlaufstelle zu bieten. Im Start-up-Lab sitzen unterschiedliche Unternehmen. Insgesamt befinden sich rund 37 Unternehmen am DESY-Gelände.
Raum zum Gründen
Denny Droßmann ist der Geschäftsführer der Start-up Labs Hamburg GmbH. Er stellt sich die Frage: „Wie schaffe ich die besten Rahmenbedingungen für Menschen, die gründen möchten?“ Unterstützt werden Menschen mit innovativen Ideen aus dem naturwissenschaflichen Kontext – breit gefächert von Physik, Chemie bis Biologie und Medizin. Die Start-up Labs Bahrenfeld sind mehr als nur ein Gebäude auf dem DESY-Gelände. Sie sind eine Community in der Netzwerk und Austausch wichtige Elemente sind.
Am DESY sollen alle Projekte wissenschaftlich relevant sein und in das Ökosystem des DESY passen. Auch Studierende, die gründen möchten, können sich hier bewerben. Die Hauptsache ist eine gute Idee. Damit könne jede Person beraten, gefördert und aufgenommen werden. Interessierte müssen jedoch einen Bewerbungsprozess durchlaufen. Wie dieser genau aussieht und was es über wissenschaftlichen Gründungen am DESY zu wissen und zu beachten gilt, erfahrt ihr in unserem Video.
Ein Projekt von Vivian Maxim Calderon, Sebastian Geschwill, Marie Hamann, Liliana Lütje, Nike Mosa und Seray Ünsal.







