
Bei einer Lesung stellten acht Illustrations-Studierende ihre Comics vor. Mit dabei: politische und gesellschaftliche Themen, Wilhelm-Busch-Figuren aus Sauerteig und ein interaktives Escape-Room-Spiel.
Bunt oder schwarz-weiß, witzig oder ernst. Die Bilder und Geschichten, die auf eine große Leinwand projiziert werden, sind vielfältig. In der Aula des Campus Armgartstraße der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg haben am 23. Januar 2026 acht Student*innen des Studiengangs Illustration eigene Geschichten bei einer Comic-Lesung vorgestellt.

Rund 70 Menschen kommen zur Lesung. Sie sehen deutsche und englische Comics zu Themen wie Klimawandel, erste Liebe und dem Weltall und müssen bei einem interaktiven Comic den Ausgang eines schwedischen Möbelhauses finden.
„Comics sind ein sehr kleines Medium, das man sonst alleine im stillen Kämmerlein liest“, erklärt Student Rune Eckhardt. Ihm bedeutet die Comic-Lesung deshalb viel: „Selbst eine Lesung zu machen und unsere Comics vielen Leuten zeigen zu können, ist ein sehr schöner Gedanke.“
Dystopische Landschaft als Kulisse für Klimawandel

Mit Grüntönen und schwarzen Linien verbindet Eckhardt in seinem Comic „Post-Friesland“ die Unausweichlichkeit des Klimawandels mit seiner Heimat Niedersachsen. Der Comic ist im Kurs „Der Raum im Comic, Comics im Raum“ des Studiengangs Illustration an der HAW Hamburg entstanden. Der 29-Jährige fokussiert sich in seiner Erzählung auf Orte – jene Orte, die seiner Überlegung nach noch herausschauen würden, sollte die Nordsee wegen steigendem Meeresspiegel den Norden Deutschlands überfluten.
„Da habe ich mal angefangen, Orte aus meiner Jugend und Kindheit aus Niedersachsen unter Wasser zu setzen,“ sagt Eckhardt und erklärt weiter, dass er sich erst danach die Handlung überlegt hat. In der Geschichte begleiten Leser*innen eine Person, die durch die überflutete Landschaft reist. Soundeffekte wie das Rauschen von Wasser und Musik verleihen den Bildern bei der Lesung eine weitere Dimension.
Max und Moritz aus Sauerteig
Nicht alle Comics sind im gleichen Kurs entstanden. Nike Ingenfelds Geschichte „Unter Verschluss“ hat sie im Kurs „Max und Moritz“ entwickelt. Neben weiteren Comics von HAW-Studierenden sind ihre Zeichnungen bis zum 8. Februar 2026 im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover zu sehen. In den schwarz-weißen Bleistiftzeichnungen der Studentin erwachen die bekannten bösen Buben zum Leben und stiften zunächst in einer Vorratskammer Unfug – als Sauerteig-Figuren.
Die 26-Jährige hat für ihren eigenen Comic den Bleistift gewählt, weil ihr der besonders liege und sie damit schnell zeichnen könne. „Comics zeichnen heißt immer: viel zeichnen,“ sagt die Studentin. Da für Comics oft über 100 Zeichnungen angefertigt werden müssen, sei es sinnvoll, das Medium zu wählen, mit dem man am besten klarkäme, erklärt sie.
Publikumskracher: Escape-Room-Comic

Als letzten Comic des Abends stellt Jannis Kustak ein sogenanntes Click-and-Point-Adventure, also ein interaktives Spiel vor. Er fordert das Publikum dazu auf, Entscheidungen für die Figur in seinem Comic „Closing Shift“ zu treffen. Ziel ist es, einem Mitarbeiter eines gewissen schwedischen Möbelhauses nach seinem ersten Arbeitstag bei der Suche nach dem Ausgang zu helfen.
Nach links, rechts, geradeaus oder doch lieber zurück? Die Entscheidung liegt bei den Zuschauer*innen, die Kustak ihre Präferenzen zurufen können. So manövrieren sie die Figur durch das labyrinthartige Gebäude. Dabei kann das Publikum Gegenstände tauschen, einen Schreibtisch durchsuchen und mit Werkzeugen und Schlüsseln Türen öffnen.
Kustak hat die Inspiration für seinen Comic in seinem Samstagsjob gefunden. „Nachts, wenn alle Kunden raus sind, ist IKEA ein bisschen gruselig. Alles ist leer und es dudelt nur noch Musik. Das Gefühl, dann dort durch die Räume zu gehen, fand ich spannend, um etwas Erlebbbares einzufangen,“ beschreibt er.
Das Publikum war trotz ein paar falscher Abzweigungen am Ende aber „überraschend schnell durch“, meint Kustak: „Man kann sich da so viel mehr darin verlaufen. Es hätte auch doppelt so lange dauern können.“
Comicmarkt und Autogramme

Neben Eckardt, Kustak und Ingenfeld lesen fünf weitere Illustrator*innen aus ihren Comics vor. Kiyo Cheung, Jasmin Grabler, Nina Greiner, Anan Jiang, und Le Thu Tran sorgen mit verschiedenen Techniken und Themen für einen abwechslungsreichen Abend.
Das Publikum applaudiert jedem Comic, der an diesem Abend vorgestellt wird. An einem kleinen Stand verkaufen die Studierenden in der Pause und nach der Lesung ihre Comics unter anderem als Hefte, Sticker und Lesezeichen. Einige Zuschauer*innen lassen sich ihre Exemplare von den Illustrator*innen signieren.
Ein paar glücklichen Leser*innen zeichnen die Studierenden auch gleich eine kleine Illustration neben ihre Unterschrift. Man merkt den Illustrator*innen die Freude an, ihre Arbeit mit so vielen Menschen teilen zu können und gemeinsam statt alleine durch die bunten Seiten der Comics zu blättern.






