Straßenbäume am Eppendorfer Baum
Straßenbäume am Eppendorfer Baum: Foto: Christoph Petersen

Mehr als 1000 Straßenbäume fällt Hamburg jedes Jahr. Sie müssen neuen Radwegen, Wohnhäusern oder Bürokomplexen weichen. Um den Baumschwund zu bremsen, soll jeder gefällte Baum durch einen neuen ersetzt werden. Doch das sorgt für gewaltige Kosten.

Straßenbäume leben gefährlich: Anders als Bäume in Parks und auf privaten Grundstücken werden sie wegen Bauarbeiten oft gefällt. Neue Radwege, Wohnungen oder Bürokomplexe haben Vorrang – auch in Hamburg, wo jährlich mehr als 1000 Bäume in den Straßen gefällt werden. Damit der Baumbestand zumindest zahlenmäßig erhalten bleibt, hat sich die Stadt selbst dazu verpflichtet, jeden gefällten Straßenbaum durch einen neuen zu ersetzen. Das hat im vergangenen Jahr mit Ausnahme von 250 Bäumen erstmals funktioniert. Zuvor lag die Lücke zwischen Fällungen und Pflanzungen immer bei weit über 1000 Bäumen.

1,5 Millionen Euro für Straßenbäume

Doch die Kosten für den Ersatz sind hoch. Jeder neue Baum kostet mindestens 1000 Euro. Je nachdem, wie der Boden beschaffen und wie aufwendig die Pflanzung ist, steigen die Kosten auf bis zu 5000 Euro. Die Umweltbehörde hat deshalb im vergangenen Jahr allein für die Pflanzung der Straßenbäume 1,5 Millionen Euro bereitgestellt. „Mir wäre es am liebsten, wir würden gar keine Bäume fällen“, sagt Umweltsenator Jens Kerstan, „aber in einer Stadt wie Hamburg lässt sich das nicht umsetzen. Deshalb ist es unsere Pflicht, wenn ein Baum gefällt wird, zügig für Ersatz zu sorgen.“
Hamburg Umweltsenator Jens Kerstan pflanzt Straßenbaum Baum grüne Stadt
Umweltsenator Jens Kerstan pflanzt einen Straßenbaum vor dem Zivil-Justizgebäude. Foto: Talika Öztürk

Folgen für das Stadtklima

„Häufig macht es sich die Behörde zu einfach“, kritisiert Harald Vieth von der Hamburger Baumschutzgruppe des Naturschutzbundes (NABU). Viele Straßenbäume könnten erhalten bleiben, wenn sich die Stadtplaner von Anfang an mehr Gedanken um sie machen würden, ist er überzeugt. Beinahe wöchentlich erhält Vieth Briefe und Anrufe von Hamburgern, die sich um den Erhalt der Bäume in ihrer Straße sorgen. „Man darf Bäume nicht gegen Radwege ausspielen“, sagt Vieth und weist auf die ökologische Bedeutung der Straßenbäume hin. Als Schattenspender, Feinstaubfilter und CO2-Speicher haben sie unmittelbaren Einfluss auf das Klima in der Stadt. Das gilt besonders für die Bäume, die schon viele Jahrzehnte in Hamburg stehen und eine große Krone ausgebildet haben. Das Bundesamt für Naturschutz hat errechnet, dass für den vollwertigen Ersatz einer hundertjährigen Buche 2000 Setzlinge nachgepflanzt werden müssten – idealerweise in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Baumbestands.

Hundertjährige Bäume verschwinden

Gerhard Doobe von der Umweltbehörde erkennt in der Neupflanzung der Bäume noch ein weiteres Problem. Hundertjährige Bäume werden in Hamburg immer seltener, denn die neugepflanzten Bäume haben im Durchschnitt nur eine Lebensdauer von 40 bis 60 Jahren. Die Gründe liegen neben klimatischen Veränderungen im starken Autoverkehr, im Streusalz im Winter und im unterirdisch stark verdichteten Wurzelraum. Doobe: „Stadt, Bürger und Investoren müssen sich überlegen, dass sie einen unwiederbringlichen Schaden anrichten, wenn sie einen Altbaum weghaben möchten. Man kann nicht jeden Baum retten, aber an Stellen, an denen es Alternativen gibt, müssen wir alle Kraft aufwenden, diese zu nutzen.“

Straßenbäume spenden

Wo ist noch Platz für Straßenbäume? Bürger, die in ihrer Straße für mehr Grün sorgen wollen, können auf einer interaktiven Karte freie Standorte wählen und einen Baum von der Stadt pflanzen lassen. Durch die Spendenkampagne „Mein Baum-meine Stadt“ können sich Spender ihre Wunschbäume im Internet aussuchen, die Stadt verdoppelt jede Spendensumme ab 500 Euro.