Klischees-vs-Fakten-Verrucht
Ist Hamburg wirklich so verrucht? Foto: Unsplash / Joshua K. Jackson Grafik: Johanna Felde und Johanna Röhr

In dieser Serie stellen wir gängige Hamburg-Klischees knallharten Fakten gegenüber. Dieses Mal: Hamburg ist so verrucht. Stimmt das wirklich?

Wer nach Hamburg-Klischees sucht, kommt am bekanntesten Rotlichtviertel Deutschlands nicht vorbei. Die große Anzahl an Bars und Nachtclubs auf der Reeperbahn hat ihr den Spitznamen „die sündigste Meile der Welt“ eingebracht. Das sagt zumindest Wikipedia. Aber wie verrucht ist Hamburg wirklich?

Horizontales Gewerbe

„In Hamburg wird von einer geschätzten Zahl von 2.200 Prostituierten ausgegangen“, sagt Polizeisprecher Rene Schönhardt gegenüber FINK.HAMBURG. Aber die Dunkelziffer ist groß: Laut „Die Welt“ waren in Deutschland 2013 nur 44 Prostituierte sozialversichert. Die Zahlen in der unten stehenden Grafik beruhen somit nur auf Schätzungen der Polizei und einer Umfrage unter Bewohnern.

Im Vergleich zu großen Städten wie München und Berlin arbeiten in Hamburg überraschender Weise prozentual deutlich weniger Prostituierte. Im Deutschlandvergleich liegt Augsburg auf Platz 1. Hier arbeiten 244 Prostituierte je 100.000 Einwohner.

Klischee vs. Fakten: "Hamburg ist so verrucht."
„Hamburg ist so verrucht.“ Grafik: Johanna Felde und Johanna Röhr

Let’s Talk About Sex

Wir wissen, es geht hier eigentlich um Hamburg. Aber: Was bitte ist in Bremen los? Bei der Frage, wie viel Prozent der Bürger mehrmals pro Woche Sex haben, landet die Stadt an der Weser auf dem letzten Platz. „Die Häufigkeit des sexuellen Aktes ist aber nicht zwangsläufig als ein positives Zeichen zu betrachten“, sagt die Sexologin Susanna-Sitari Rescio. Oft sei sogar das Gegenteil der Fall: „Ein Mensch, der guten Sex gehabt hat, ist hinterher satt und zufrieden. Und ähnlich wie nach einer guten Mahlzeit, braucht er es nicht so schnell wieder.“

Die Stadt Hamburg ist hingegen in Sachen Beischlaf gemeinsam mit Niedersachsen Spitzenreiter – pardon. Warum Bremer so wenig und die Hamburger so viel Sex zu haben scheinen, könne sich Susanna-Sitari Rescio nicht erklären: „Letzten Endes wünsche ich mir als Sexologin für alle mehr sexuelle Qualität als Quantität, denn Quantität ist noch nie ein Zeichen für sexuelle Potenz gewesen. Weder für weibliche, noch für männliche.“

Erotik-Schuppen

Die Hauptstadt hat die Nase vorn: Berlin hat nicht nur die meisten Einwohner Deutschlands, sondern auch die meisten Etablissements, in denen man Erotisches kaufen oder erleben kann. Im Vergleich dazu sind Hamburg und München ziemlich schlecht ausgestattet. Zumindest laut unserer Zählung – denn weder der Handelskammer noch dem Hotel- und Gaststättenverband Hamburg liegen valide Daten vor. Ihr Rat an uns: „Gucken Sie doch einfach auf yelp.de nach.“ Die vorliegenden Zahlen basieren also auf einer eigenen Recherche bei dem Empfehlungsportal und sind sicherlich strittig.

Summa Summarum kann man sagen: Berlin ist sexy. Hamburg aber auch.

In der Serie Klischee vs. Fakten beleuchtet FINK.HAMBURG gängige Vorurteile über Hamburg
– und stellt sie knallharten Fakten gegenüber.

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Die Stimme von Johanna Felde, Jahrgang 1993, hat schon so manches junge Paar ins Eheglück begleitet: Eine Zeitlang sang sie in einer Band, die unter anderem bei Hochzeiten auftrat. Die gebürtige Wolfsburgerin mit russlanddeutschen Wurzeln hat sich in Berlin und Schottland für Obdachlose engagiert. Neben ihrem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität in Berlin hat sie Praxiserfahrung beim ARD Text und WeltN24 gesammelt. Danach arbeitete sie bei Edition F im Bereich Native Advertising, was ihr Interesse am Verhältnis zwischen Journalismus und PR weckte. Jetzt wohnt sie zusammen mit einem Pärchen in einer 3er-WG im Schanzenviertel – und das funktioniert erstaunlich gut.
Johanna Röhr, Jahrgang 1991, sagt gerne etwas, kann aber auch zuhören - am liebsten wenn's um Sport geht. Und das immer brandaktuell auf Twitter. Sie liebt ihre Heimat München, Nilpferdbabys und gute Satire. Noch fühlt sie sich in Hamburg wie im Ausland, aber das wird sich bestimmt noch ändern. Sie ist Social-Media-Redakteurin bei Spiegel Online und Kommunikationstrainerin, hat aber auch schon als Stadionmoderatorin der Frauenmannschaft des FC Bayern gearbeitet. Sie ist Autorin eines Münchner Stadtführers. Modetrends findet sie cool, merkt das aber immer erst, wenn sie vorbei sind.