Ende Oktober fand in Hamburg das ESL One-Turnier zu Dota 2 statt. Foto: Julian Kornacker

Ende Oktober hat das Onlinespiel Dota 2 mehr als 16.000 Fans in die Barclaycard Arena gezogen. Nur zwei deutsche Spieler waren bei dem Turnier vertreten. Was passieren muss, um E-Sport in Deutschland sichtbarer zu machen.

Vor der Barclaycard-Arena hat sich eine lange Schlange gebildet. Die Leute stehen mit vor Aufregung geröteten Wangen an – aber nicht, um Depeche Mode, Helene Fischer oder Lady Gaga auf der Bühne zu erleben. Die hauptsächlich jungen Menschen sind Fans des Onlinespiels Dota 2 und Ende Oktober findet die ESL One in Hamburg statt, Deutschlands größtest Live-Turnier.

Bei Dota 2 treten zwei Teams, bestehend aus 5 Spielern, gegeneinander an. Ziel des Multiplayer Online Battle Arena ist, den Turm des gegnerischen Teams zu zerstören. Dazu nutzen die Spieler sogenannte Helden. Wer jetzt denkt, dass klingt ganz einfach, liegt falsch. Mit 100 unterschiedlichen Helden und zahlreichen Strategien ist Dota 2 ein extrem komplexer Spielspaß.

Aufgedrehte Kommentatoren – ekstatische Fans

Mehr als 16.000 E-Sport-Fans strömen in die Barclaycard-Arena. Sie sind völlig ekstatisch. Der Moderator heizt die Stimmung zusätzlich an. Und auch die Kommentatoren, die die Spiele live begleiten, sind extrem aufgedreht. Auf großen Bildschirmen verfolgen die Fans das Geschehen – feuern ihre Lieblingsteams an, während sich zwei virtuelle Figuren einen Kampf liefern, die von zwei realen Personen auf der Bühne gesteuert werden. Zwischenzeitlich schauen 40 Millionen Zuschauer den Stream auf der Videoplattform Twitch.

Nicht nur die Atmosphäre ist beeindruckend, auch das Preisgeld: Eine Million US-Dollar werden an diesem Wochenende ausgeschüttet und dabei ist das ESL One Turnier in Hamburg nur der Auftakt zur neuen Saison. Die Saison endet mit dem Mega-Event The International 2018. In den letzten beiden Jahren fand das Finalturnier in Seattle statt. Es ist vergleichbar mit dem Finale der Champions League im Fußball. Das Gesamtpreisgeld beträgt 24 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Der Sieger des Champions-League-Finales bekommt 15,5 Millionen Euro.

In Finnland, Russland, China und Südkorea ist E-Sport anerkannt

E-Sport ist auf dem Vormarsch. In Deutschland scheint man diese Entwicklung jedoch gerade zu verschlafen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass in den besten Teams nur zwei deutsche Spieler vertreten sind. Eine staatliche Förderung gibt es hierzulande nicht, da virtuelle Leibesübungen nicht offiziell als Sport anerkannt sind. In Ländern wie Finnland, Russland, China und Südkorea ist das anders. Dort gibt es sogar Trainingslager für die Sportler.

Der Deutsche Sportbund sagt, beim E-Sport fehle die eigenmotorische Leistung. Schach sei nur aufgrund seiner historischen Sonderstellung als Sport anerkannt. E-Sport ist jedoch mehr als reine kognitive Leistung. Die Spieler müssen blitzschnell antizipieren und brauchen eine enorm hohe Reaktionsgeschwindigkeit. Wer jemals einen Dota 2-Spieler bei der Arbeit gesehen hat, stellt das nicht in Frage.

Damit E-Sport trotzdem professionell betrieben werden kann, wird er von privaten Unternehmen wie Intel und Mercedes Benz sowie Fußballvereinen unterstützt. Zum Beispiel hat der FC Schalke 04 seit Jahren ein eigenes E-Sport-Team und der Hamburger SV denkt neuerdings darüber nach, eine E-Sport-Sparte zu schaffen. Trotzdem kann E-Sport nur durch eine staatliche Anerkennung olympisch werden und damit noch mehr in der Gesellschaft ankommen. Dem Ruf des Genres würde das gut tun.

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Ursprünglich wollte Julian Kornacker, Jahrgang 1992, nach der Schule "dick Kohle verdienen" und studierte deshalb in der Oberpfalz BWL. Relativ schnell wurde dem Hannoveraner jedoch klar, dass es Wichtigeres gibt und er verschrieb sich dem Journalismus. Die ersten Schritte unternahm er beim ZDF und Radio Hamburg. Es folgte ein Bachelor in Sportjournalismus an der Medienakademie der Hansestadt. Julian schämt sich nicht dafür, Fan von Cristiano Ronaldo zu sein. An seiner Begeisterung für Videospiele lässt er seit einiger Zeit auch andere teilhaben: auf seinem eigenen Let’s-Play-Kanal bei YouTube. Die Kamera ist seine andere große Leidenschaft: Vor und hinter der Linse sorgt Julian für bewegte Bilder. Zum Einschlafen hört er "Fest und flauschig".