Seit November werden Obdachlosen Schlafplätze in Hamburg zur Verfügung gestellt.
Seit November werden Obdachlosen Schlafplätze in Hamburg zur Verfügung gestellt. Foto: dpa.

Das Winternotprogramm für Obdachlose ist in Hamburg gestartet. An unterschiedlichen Standorten stehen 873 Schlafplätze zur Verfügung. Das Angebot richtet sich an notdürftige Menschen ohne festen Wohnsitz.

Am 1. November ist das Winternotprogramm für Obdachlose in Hamburg gestartet. Die städtische Einrichtung Fördern & Wohnen betreibt zwei Häuser, eines in der Friesenstraße 22, eines im Schaarsteinweg 14. Dort sind insgesamt 760 Schlafplätze vorhanden, die in Zwei- bis Sieben-Bett-Zimmern aufgeteilt sind. In der Friesenstraße sei der Standard der Unterbringung erhöht worden: Die Räume seien heller gestaltet worden und es gebe Schränke, in denen man sein Gepäck verstauen kann.

Zusätzlich werden Wohncontainer mit weiteren 110 Schlafplätzen von Kirchengemeinden, der Hochschule für angewandte Wissenschaften und der evangelischen Hochschule gestellt. „Besonders die Container sind sehr beliebt“, sagt Birgit Müller, Chefredakteurin des Straßenmagazins Hintz & Kunzt.

Der Vorteil: Man kann sich dort auch tagsüber aufhalten. In den Großunterkünften darf man lediglich von 17 Uhr bis 9.30 Uhr seinen Schlafplatz beziehen. „Die Obdachlosen müssen morgens wieder raus, egal ob es stürmt, regnet oder schneit“, sagt Müller. Seit Jahren fordern Hintz & Kunzt eine ganztägige Öffnung der Winterquartiere.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Unterbringung von Obdachlosen, die aus anderen EU-Ländern nach Hamburg gekommen sind, hauptsächlich Rumänen und Bulgaren. Diese haben keinen Anspruch auf einen Schlafplatz im Rahmen des Programms. Lediglich die Wärmestube in der Hinrichsenstraße diene ihnen als Anlaufstelle.

Müller kritisiert das: „Das Winternotprogramm muss genutzt werden, um für alle Obdachlose, die das möchten, einen Hilfeplan aufzustellen.“ Wer im Winter bei eisigen Temperaturen draußen schlafe, riskiere sein Leben. „Das Durchschnittsalter, das Obdachlose in Hamburg erreichen, liegt bei nur 47 Jahren“, sagt sie. Dagegen werden die Verkäufer der Straßenzeitung, die seit Jahren wieder in einer Wohnung leben, 51 Jahre alt.

Wenn das Notprogramm am 2. April 2018 endet, müssen sich viele Obdachlose wieder draußen auf die Suche nach einem Schlafplatz machen.

Wer sich ehrenamtlich bei der Verpflegung von Obdachlosen in Hamburg engagieren möchte, findet unter anderem im Förderverein Winternotprogramm einen Ansprechpartner.

Weitere Informationen zum Winternotprogramm gibt es hier.