Windkraftwerk
Windkraft soll maßgeblich zur "Norddeutschen EnergieWende 4.0" beitragen. Foto: Pixabay

Ein Jahr nach dem Start der Norddeutschen EnergieWende 4.0 ziehen die Verantwortlichen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft Bilanz. Sie sehen vor allem die künftige Bundesregierung in der Verantwortung.

Genau ein Jahr ist es her, als die Innovationsallianz Norddeutsche EnergieWende 4.0 (NEW 4.0) gestartet ist. Das „Jahrhundertprojekt“, wie es der Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch bezeichnet, hat ein ambitioniertes Ziel: In Kooperation mit 60 Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft soll die Stromversorgung in den beiden norddeutschen Bundesländern Schleswig-Holstein und Hamburg bis 2035 vollständig aus erneuerbaren Energien gespeist werden.

Wärme aus Ökostrom

Beim Erreichen dieses Ziels sei man auf einem guten Weg, so Projektkoordinator Werner Beba von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft (HAW) in Hamburg. Ein großes Problem sei momentan, dass phasenweise sogar zu viel Strom aus regenerativen Energiequellen produziert werde. Die Folge: Windräder müssen zeitweise abgeschaltet werden. Das verursache horrende Kosten, die sich auf die Strompreise auswirken würden. Überschüssige Energie soll daher künftig anders verwendet und exportiert werden, so Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne).

Norddeutsche EnergieWende 4.0
Die Projektsteuerungsgruppe um Werner Beba und die Senatoren Horch und Kerstan blicken auf ein Jahr „Norddeutsche EnergieWende 4.0“ zurück. Foto: Nele Neubauer/NEW 4.0

An der Weiterverwertung überschüssiger Energie werde bereits in zahlreichen Projekten im Rahmen von NEW 4.0 gearbeitet. Regionale Industrieunternehmen wollen zum Beispiel ihren Stromverbrauch an die schwankende Energieerzeugung flexibel anpassen. Dabei soll die Entwicklung einer online einsehbaren Netzampel helfen, die die aktuelle Stromerzeugung und den Verbrauch anzeigt. Durch sogenannte Power-to-Heat-Technologien soll überschüssige Energie außerdem fossile Brennstoffe wie Gas und Öl ersetzen, indem der Strom in Wärme umgewandelt wird.

Initiatoren fordern gesetzliche Nachbesserungen

„Die Unternehmen dürfen bei der Erprobung neuer Verfahren und Technologien in NEW 4.0 nicht benachteiligt werden“, fordert Projektleiter Beba. Dafür seien aber Gesetzesänderungen auf Bundesebene notwendig, vor allem hinsichtlich der Weiterverwertung überschüssiger Energie. Das sei nach aktueller Rechtslage noch nicht ohne Weiteres möglich. „Die Sondierer in Berlin müssen das bei den Koalitionsverhandlungen berücksichtigen“, sagt Wirtschaftssenator Horch. Dafür will die Initiative an die künftige Bundesregierung einen schriftlichen Appell richten.

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