Leiterin der Projektwoche am Schreibtisch im Büro
Jutta Hagen, Professorin Soziale Arbeit. Foto: Eric Recke

Am 14. Mai beginnt an der HAW Hamburg zum neunten Mal die Projektwoche Soziale Arbeit. In dieser Woche dürfen Studierende und Lehrende beliebige, selbst ausgewählte Seminare anbieten. Wir haben Organisatorin Jutta Hagen gefragt, was das bringt.

Frau Hagen, was ist eigentlich diese „Projektwoche Soziale Arbeit“?

Hagen: Die Projektwoche, die wir nun zum neunten Mal veranstalten, ist eine Woche, in der Studierende und Lehrende frei Themen anbieten können, die sie aktuell und überhaupt interessieren. Entsprechend bunt ist unser Programm: Aktuelles wie die Flüchtlingskrise, mit der es in der Sozialen Arbeit viele Berührungspunkte gibt, oder Diskriminierung und andere negative Alltagserfahrungen – aber auch philosophische Fragstellungen und praktische Themen wie Fotografie-Workshops haben ihren Platz. Mit dieser breiten Palette machen wir bisher gute Erfahrungen und das Programmheft wird immer dicker. Es gibt immer mehr Studierende und Lehrende, die sich an der Programmgestaltung beteiligen und wir merken, dass die Besucherinnenzahlen steigen. Wir haben sogar schon Termine für die nächsten drei Projektwochen. So gibt es die Möglichkeit sich auch mal was Größeres vorzunehmen wie eine Tagung, was wir jetzt auch schon öfter hatten.

Warum wurde die Projektwoche eingeführt?

Hagen: Zugespitzt gesagt kann man sagen, dass wir in der normalen Lehre im Modulkorsett gefangen sind. Gerade Studierende haben immer reklamiert und kritisiert, dass aktuelle politische Themen hier unterbelichtet sind. Dem haben wir Recht gegeben und gesagt wir brauchen die Möglichkeit, auf Augenhöhe zu diskutieren – getrennt von Noten und Modulnotwendigkeiten uns einfach mit den Themen zu befassen, die wichtig sind.

Wie wurde sie eingerichtet?

Hagen: Es musste sich jemand aus dem Kollegium bereit erklären, der zuständig ist. Es mussten wissenschaftliche Mitarbeiterinnen Kapazitäten dafür frei machen und Studierende haben sich an der Durchführung beteiligt. Es war in jeder Projektwoche so, dass der Fachschaftsrat mit mindestens einem Angebot partizipiert hat und dieses Mal hat der Fachschaftsrat erstmalig den Eröffnungsvortrag organisiert. Die Studierenden haben einen sehr prominenten Referenten gewonnen: Wolfgang Jantzen aus der Behindertenpädagogik.

Projektzeit statt Lehrveranstaltungen

Gab es bei der Etablierung der Woche Schwierigkeiten?

Hagen: Am Anfang wurde gestritten, ob man ein Oberthema setzen sollte oder die Themenwahl vollkommen frei lässt. Dazu wurde problematisiert, dass eine Lehrveranstaltungswoche für die Projektwoche geopfert werden muss, da das Semester um diese Woche gekürzt wird. Und natürlich ist es auch so, dass viele Studierende nicht an der Porjektwoche teilnehmen, sondern frei haben. Aber da denken wir: Unser Modulhandbuch ist so voll, dass die dann Zeit haben, um sich um eine Hausarbeit oder dergleichen zu kümmern, das halten wir für legitim. Dazu haben wir die Projektwoche von Anfang an immer evaluiert. Das heißt wir haben gefragt: „Wie gut war unser Programm bekannt?“, „Wie gut konnte man sich beteiligen?“, „Hat man ausreichend Unterstützung bekommen als jemand, der ein Angebot organisiert hat?“, „Was wünscht man sich für die nächste Projektwoche?“, „Wie zufrieden war man mit den Angeboten?“. Das war für uns sehr nützlich, weil wir aus den positiven Rückmeldungen schließen konnten, dass die, die zur Projektwoche kommen, in der Regel sehr von ihr profitieren. Das ist natürlich Werbung für andere, die noch nicht an ihr teilgenommen haben.

Immer wieder ermuntern und auffordern

Haben Sie Erkenntnisse bei der Etablierung der Projektwoche gewonnen, wie man Studierende an Prozessen der Studienreform stärker beteiligen kann?

Hagen: Ich könnte nicht sagen, dass ich direkt aus der Projektwoche Schlüsse nennen könnte. Mir ist wichtig, dass die Projektwoche ein Ort gelebter Partizipation ist. Das, was wir immer gemacht haben, ist zu ermuntern und aufzufordern, Themen einzubringen. Dabei leisten wir dann Hilfestellung. Das wird angenommen: Immer mehr Studierende organisieren selber Referentinnen oder wir sprechen zusammen mit ihnen andere Lehrende an und fragen, ob diese zu einem bestimmten Thema etwas anbieten können.

Was ist in der Zukunft geplant?

Hagen: Die Projektwoche weitet sich in dem Maße aus wie weitere Referentinnen sich an ihr beteiligen. Im Moment bin ich erstmal froh, dass die Projektwoche gut läuft und dass so viele Angebote da sind.

Was müssten Lehrende aus anderen Departments der HAW tun, um eine solche Woche auch bei sich ausprobieren zu können?

Hagen: Sie könnten natürlich einfach uns ansprechen, die wir als Team die Projektwoche organisieren. Das sind Marlene Dettmann und ich sowie die Studierenden Katharina Scholz und Anna Holter. Ich habe auch den Kolleginnen von der Evangelischen Hochschule des Rauhen Hauses gesagt: „Macht mit, wir bieten euch unsere Organisationsstruktur“. Bislang kommen sie als Gäste zu dem einen oder anderen Fachvortrag. Ich bieten ihnen immer wieder an, dass sie mitmachen können und betone, dass es für sie kein großer Aufwand wäre. Das gilt auch für andere Departments der HAW. Es ist eine Struktur vorhanden, es gibt eine Woche, wo die Räumlichkeiten frei sind und es gibt ein Organisationsteam, was das übernimmt. Da kann man sich leicht einklinken.

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Eric Recke, Jahrgang 1987, nimmt jeden Morgen drei Gramm Vitamin C und ist überzeugt, dass er deshalb 120 Jahre alt werden wird. Als Sohn zweier DDR-Schwimmstars sah es zunächst so aus, als stehe auch ihm eine Karriere als Leistungssportler bevor, später wollte er sogar einmal Polizist werden. Am Ende studierte Eric dann aber Sozialpädagogik, bis heute schiebt er Schichtdienste in einer Betreuungseinrichtung für Jugendliche. Es gibt an der HAW Hamburg kaum ein studentisches Gremium, dem er noch nicht angehört hat. Die Studierendenzeitung „IMPULS“ hat er mitgegründet und ein Buch über die Geschichte der Olympischen Spiele geschrieben. Trotz seines anstrengenden Lebenswandels verzichtet Eric morgens auf Kaffee: das dauert ihm einfach zu lange. Kürzel: er