Deutsche Pferde sind sichtlich begeistert von der WM.
Deutsche Pferde sind sichtlich begeistert von der WM. Foto: pixabay

Der Jubel zur WM ist wieder groß, Deutschland ist wieder groß und ganz viele Fans dürfen sich auch ganz groß fühlen: Zeit für einen historisch, politisch und kulturell begründeten Widerspruch.

Die WM ist nervtötend, hässlich und gehört abgeschafft: Unerträglich sind die Tröten, Hupen und Trompeten, die mit bis zu 130 Dezibel an jeden fahrlässigen Trommelfellzerstörer verkauft werden. So kann jeder seine Mitmenschen mit der Lautstärke eines startenden Flugzeugs zur Weißglut treiben. Mal abgesehen davon, dass diese Töne niemanden beim Fußballspiel unterstützen, gehören solche lauten Gegenstände außerhalb von Rollbahnen schlichtweg verboten.

Leider nicht verbieten kann man die deutschen Nationalfarben, die in nahezu allen erdenklichen Formen erhältlich sind. Ob als Zahnbürste, Umhang oder Dildo – für jeden noch so schlechten Geschmack ist eine Hässlichkeit dabei. Zudem geht das Schwarz-Rot-Gold unter anderem auf die Kleidungsfarben deutscher Söldner (Gruppen bezahlter Mörder) im Krieg gegen Napoleon zurück. Eine neue Flagge wäre somit mal eine wirklich gute Idee, zum Beispiel in einfachem Weiß – der Farbe des Friedens und der Völkerverständigung.

WM als Ablenkung

Stattdessen kann jeder fußballbesoffene Fanatiker – was die ausgeschriebene Form von Fan ist – bei der WM mal so richtig schön national sein. In Deutschland geschieht das besonders geschichtsvergessen. Denn: Die Obernationalisten Hitler, Goebbels und deren Kumpanen etablierten mit den Olympischen Spielen 1936 die sportliche Megaberichterstattung damals, um von ihren Plänen abzulenken. Mit Erfolg: Das deutsche Volk schaute auf die Spiele statt auf die Aufrüstung, den Völkerhass und den vorbereiteten Massenmord an Kommunisten, Russen, Juden und anderen Gruppen, die den Faschisten als Untermenschen galten. Heute nutzen manche Politiker die WM-Zeit, um umstrittene Gesetze durchzubringen und mit Nationalismus von sozialen Problemen abzulenken.

Darüber hinaus sind die Spieler der deutschen Nationalmannschaft allesamt Multimillionäre mit einem Vereins-Jahresgehalt zwischen zwei und 20 Millionen Euro. Damit gehören sie zu dem einen Prozent der Weltbevölkerung, welches mehr Reichtum besitzt als die restlichen 99 Prozent, zu welchen die meisten Zuschauer auf der Tribüne gehören. Das brüderliche Rufen ihrer Spitznamen täuscht, dort wo es stattfindet, somit über den sozialen Gegensatz hinweg.

Geld in Breitensport statt weiße Elefanten

Dazu vermitteln viele der Spieler bei der WM das Sportlerbild des ellbogenbehafteten „Höher, Schneller, Weiter“. Das befördert Kinder und Jugendliche sicher nicht darin, ihre körperlichen Fähigkeiten mit Freude und spielerischem Kooperationsgeist zu entwickeln.

Deshalb: Schafft die WM ab und steckt das Geld für die Ausrichtung stattdessen in sinnvolle Breitensportangebote. Die FIFA hatte allein 2017 einen Jahresumsatz von 734 Millionen Dollar. Daraus könnte man mehr machen als rund um die Welt weiße Elefanten zu produzieren.

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Eric Recke, Jahrgang 1987, nimmt jeden Morgen drei Gramm Vitamin C und ist überzeugt, dass er deshalb 120 Jahre alt werden wird. Als Sohn zweier DDR-Schwimmstars sah es zunächst so aus, als stehe auch ihm eine Karriere als Leistungssportler bevor, später wollte er sogar einmal Polizist werden. Am Ende studierte Eriс dann aber Soziale Arbeit. Es gibt an der HAW Hamburg kaum ein studentisches Gremium, dem er noch nicht angehört hat. Die Studierendenzeitung „IMPULS“ hat er mitgegründet und ein Buch über die Geschichte der Olympischen Spiele geschrieben. Trotz seines anstrengenden Lebenswandels verzichtet Eric morgens auf Kaffee: das dauert ihm einfach zu lange. Kürzel: er

1 KOMMENTAR

  1. Schade, dass der Autor so engstirnig auf die WM schaut. Immerhin wurden 56% der Tickets für die Spiele ins Ausland verkauft, somit findet durch die Fans auch ein kultureller Austausch statt. Natürlich muss man den Jahrensumsatz der FIFA und die Gehälter der Profi-Fussballer hinterfragen. Aber gerade Sport und Kultur fördern den internationalen Austausch und führen somit auch zur Völkerverständigung.

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