Deutschlandweit wohnen zwölf Prozent aller Studierenden in einem Wohnheim, in Hamburg sind es mit neun Prozent noch weniger. Welche Wohnheime gibt es überhaupt? Gibt es noch freie Plätze? Und was kostet ein Zimmer?

Semesterstart in Hamburg. Auf WG-Gesucht bekommen Anbieter hunderte Anfragen auf freie Zimmer. In den Studierendenwohnheimen stehen die Telefone nicht mehr still. Auf Airbnb werden Schlafplätze in Badewannen und Balkonen angeboten. Zum Wintersemester ist es besonders extrem: An Hamburger Hochschulen waren im vergangenen Wintersemester laut dem Statistischen Bundesamt 107.455 Studierende eingeschrieben. Viele von ihnen ziehen für das Studium her. Sie alle brauchen eine Unterkunft.

Die Sozialerhebung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage von Studierenden im Jahr 2016 zeigt, dass deutschlandweit 38 Prozent der Studierenden alleine oder mit ihren Partnern in einer eigenen Wohnung leben. 30 Prozent wohnen in einer Wohngemeinschaft. Im Jahr 2016 kamen deutschlandweit zwölf Prozent aller Studierenden in einem Wohnheim unter – in Hamburg waren es nur neun Prozent.

Welche Wohnheime gibt es?

Die interaktive Karte zeigt, wo die verschiedenen Studierendenwohnanlagen in Hamburg liegen. Sie liefert außerdem Informationen über die durchschnittlichen Mietpreise und Zimmergrößen der jeweiligen Einrichtungen. Zusätzlich sind alle staatlichen und privaten Hochschulen eingezeichnet. Anhand des Routen-Tools kannst du die Entfernung zwischen einem bestimmten Wohnheim und einer Hochschule berechnen.

In Hamburg gibt es 41 Studierendenwohnheime, 24 werden vom Studierendenwerk betrieben, 17 liegen in privater Trägerschaft. Zu den privaten Trägern gehören auch Häuser, die von konfessionellen oder gemeinnützigen Organisationen verwaltet werden. Addiert man die Zahl der Wohnheimplätze in den staatlichen Wohnanlagen (4.204 Plätze) mit denen in privaten Wohnheimen (1.537 Plätze) ergibt sich, dass es in Hamburg etwa 5.741 Wohnheimplätze für Studierende gibt (Stand Juni 2018). Im Verhältnis zu den vielen Studierenden in Hamburg ist das somit ein recht wenig.

Die tatsächliche Zahl der privaten Wohnheimplätze ist vermutlich etwas höher. Informationen zu den privaten Wohnanlagen Woodie in Wilhelmsburg, Salzburger Häuser in Harburg und dem Studierendenwohnheim des Deutschen Roten Kreuzes in Eimsbüttel lagen FINK.HAMBURG zum Zeitpunkt der Auswertung nicht vor.

Wie teuer ist das Wohnen im Studierendenwohnheim?

Vor allem das Studierendenwerk Hamburg wirbt für seine Wohnheime mit „fairen und bezahlbaren Mieten“. Je nach Zustand der Wohnanlage kosten die Zimmer unter 300 Euro in sanierten Häusern und mehr als 300 Euro in Neubauten. Der durchschnittliche Zimmerpreis liegt in staatlichen Wohnheimen in Hamburg bei 295 Euro, in privaten bei 387 Euro und somit 92 Euro mehr.

Es fällt auf, dass die Preisspanne bei den staatlichen Studierendenwohnheimen deutlich geringer ist als bei den privaten. Woran liegt das? Private Wohnheime werden teilweise von gemeinnützigen Organisationen betrieben. Hier kann ein Zimmer nur 249 Euro im Monat kosten.

„Luxuswohnheime“ gibt es in Hamburg derzeit vier. Dazu gehört das teuerste Studierendenwohnheim, die Stuart Student Apartments in Altona. Wer hier wohnt, zahlt für ein Einzelappartement 735 Euro Warmmiete im Monat. Dafür duschen Studierende in Glaskabinen mit „Lotuseffekt“ und lernen an Designer-Schreibtischen.

Das günstigste Studierendenwohnheim Hamburgs ist ebenfalls in privater Trägerschaft. Die Johann Carl Müller-Stiftung vermietet Zimmer für 249 Euro monatlich. Das sind 12 Euro weniger als der Zimmerpreis der Wohnanlage Grandweg, der günstigsten Studierendenunterkunft aller staatlichen Wohnheime in Hamburg.

Das teuerste vom Studierendenwerk Hamburg betriebene Wohnheim kostet 358 Euro. Es ist ein energieeffizienter Neubau, liegt im Stadtteil Hammerbrook und verfügt zum Beispiel über einen Fitnessraum. Wer hier einzieht, muss Kompromisse eingehen: Die Bewohnerinnen und Bewohner verpflichten sich, aus Klimaschutzgründen kein Auto zu besitzen. Generell zeigt sich aber: Private Wohnheime müssen keinesfalls teurer sein als staatliche.

Wie teuer ist Wohnen für Hamburger Studierende?

FINK.HAMBURG hat sich bei zehn Studierenden umgehört. Wie wohnen sie? Was nervt sie an ihrer Unterkunft? Wieso wohnen sie nicht in einem Studierendenwohnheim?

Julian lebt in einer WG und sagt: „Wenn man nur in einer Zweier-WG außerhalb des Studentenwohnheims lebt, ist es einfach ruhiger.“ Lisa hingegen wohnt im Studierendenwohnheim Bugenhagen Konvikt und ist dort sehr zufrieden, ihr Hauptargument: „Es ist günstiger als eine Wohnung hier in Hamburg. Ich zahle unter 300 Euro, in Hamburg bekommt man kein so großes Zimmer, das so günstig ist.“ Mehr erzählen sie im Video am Ende des Artikels.

Tatsächlich ist das Wohnen im Studierendenwohnheimen im Hinblick auf die durchschnittlichen Monatsmieten günstiger als in einer WG auf dem freien Mietmarkt. Hamburg ist die viertteuerste WG-Stadt Deutschlands. Rund 434 Euro müssen Studierende monatlich für ihr WG-Zimmer zahlen. In der teuersten Stadt München kostet ein WG-Zimmer im Durchschnitt 550 Euro, gefolgt von Frankfurt am Main und Stuttgart. Im Wohnheim lebt man günstiger: Die monatliche Durchschnittsmiete von allen Hamburger Wohnheimen betrug im Juni dieses Jahres 352 Euro im Monat, also 82 Euro weniger als auf dem freien Wohnungsmarkt.

Barrierefreiheit, Zimmergröße und Möbel

Nicht nur der Preis ist Grund für Studierende, sich auf ein Zimmer im Wohnheim zu bewerben. Wer körperlich beeinträchtigt ist, ist auf Barrierefreiheit angewiesen. Von den 41 Wohnheimen in Hamburg haben zwölf behindertengerechte Zimmer. Davon sind acht in staatlicher und vier in privater Trägerschaft.

Zu den vier privaten Wohnheimen mit behindertengerechten Zimmern zählen die Stuart Student Apartments in Altona sowie die Smartments am Hühnerposten und in der Borgfelder Allee. Für das Wohnheim Marienbunker in Hamm, das Wohnwerk Altona und die Woodie-Apartments in Wilhelmsburg ließen sich keine Informationen zur Barrierefreiheit einholen. Die Mehrheit der Wohnheime ist nicht behindertengerecht. Für geplante Studierendenwohnheime besteht die Auflage, Zimmer für Menschen mit Behinderung einzurichten. Das sagte ein Sprecher der zwei privaten Wohnanlagen Smartments.

Leben wie Harry Potter unter der Treppe? Studierende in Hamburger Wohnheimen haben es im Durchschnitt besser: Die Zimmergröße in Hamburger Studierendenwohnheimen beträgt durchschnittlich 15 Quadratmeter. Das größte Zimmer befindet sich im Wohnwerk Altona. Es ist 40 Quadratmeter groß, wird allerdings von zwei Personen bewohnt. Zu den Zimmerpreisen gab der Vermieter keine Auskunft.

In der Stiftung Haus Bauhütte in Alsterdorf kann man auf 32 Quadratmetern für 500 Euro alleine wohnen. Das kleinste Zimmer überhaupt mietet man im Ökumenischen Studentenwohnheim Carl Marsch in Othmarschen. Hier zahlt man für neun Quadratmeter 260 Euro.

Gedanken darüber, welche Kommode zu welchem Schreibtisch passt, müssen sich Wohnheimbewohner nicht machen. Ein Großteil der Wohnheime, 21 der 24 staatlichen und 12 der 13 privaten, bietet möblierte Zimmer an. Die Wohnanlage Bornstraße stellt nur unmöblierte Zimmer zur Verfügung, zur Wohnanlage Armgartstraße und zum Kwittsmoor gibt es keine Angaben. Dasselbe gilt für das private Wohnheim Marienbunker.

Weitere Extras in Wohnheimen: Es gibt viele gemeinschaftliche Freizeitangebote  etwa von Studierenden betriebene Bars, Musikräume und sogar Sportangebote wie Stand-Up-Paddling. „Ich habe Freunde, die im Studentenwohnheim leben. Ich war auch auf vielen Feiern dabei und immer wieder dort, weil man dort umsonst Kanus ausleihen kann. Das war immer ein cooles Add-on“, sagt der Wirtschaftspsychologie-Student Henry.

Wie wohnen Hamburger Studierende?

Von den Befragten wohnt eine Studentin im Wohnheim, eine andere bewirbt sich gerade auf ein Zimmer. „Im Studentenwohnheim hat man dieselbe Lebenssituation, es ist geselliger und natürlich günstiger“, sagt Helene, die noch auf der Warteliste für ein Zimmer steht. Die anderen leben in privaten WGs oder Wohnungen. „Ich habe davor alleine gelebt. Die Umstellung in ein Wohnheim mit vielen Leuten zu ziehen, war mir zu krass. Daher habe ich mich erstmal für eine Zweier-WG entschieden“, begründet Maria ihre Wohnsituation.

Vorteile am Leben im Studierendenwohnheim sehen aber alle. Robin hat Freunde, die in einem Wohnheim leben: „Man hat viele Gemeinschaftsräume und abends sind oft Wohnheimpartys, die cool sind. Ich mag die Gemeinschaft.“ Selbst auf ein Zimmer beworben, hat er sich aber nie.

Weniger Plätze im Wohnheim als gedacht

Wohnheime sind in Hamburg für Studierende die kostengünstigste Wohnform. Die von FINK.HAMBURG gesammelten Daten zeigen jedoch: Nicht die in der Sozialerhebung angegebenen neun Prozent, sondern nur 5,9 Prozent aller Studierenden wohnen in Wohnheimen. Woran liegt das?

Eine Erklärung: Die Zahlen der Sozialerhebung beziehen sich auf das Wintersemester 2015/2016. Damals studierten rund 98.000 Menschen in Hamburg. Mittlerweile sind es knapp 10.000 Studierende mehr. Offenbar ist die Zahl der Wohnheimplätze nicht so schnell gestiegen, wie der Bedarf an Zimmern. Viele möchten im Wohnheim einziehen, bekommen aber keinen Platz. Das zeigen auch die Wartelisten. Zum Semesterstart im Oktober 2017 standen insgesamt 1.134 Studierende auf der Warteliste der staatlichen Wohnheime.

Das Studierendenwerk möchte nachziehen. Bis 2020 sollen 100 Millionen Euro in studentisches Wohnen investiert werden. Davon würden 650 neue Wohnungen gebaut sowie bestehende Wohnanlagen renoviert, sagte der Geschäftsführer des Studierendenwerks, Jürgen Allemeyer, dem „Hamburger Abendblatt“.

Bis dahin sollten Studienanfänger rechtzeitig mit der Wohnungssuche anfangen und sich auf die Wartelisten für ein Wohnheimzimmer eintragen oder eine passende WG auf dem freien Mietmarkt suchen. Die Kommunikationsdesign-Studentin Johanna ist für beides offen: „Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, in einem Studentenwohnheim zu wohnen – das ist ja eigentlich wie eine große WG.“

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Luisa Höppner, Jahrgang 1994, ist eine Frau, die zu ihrem Wort steht. Einmal meldete sie sich nach einigen Flaschen Bier für einen Marathon am Folgetag an und legte die 42 Kilometer zwölf Stunden später tatsächlich erfolgreich zurück. Luisa hat ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaften gemacht und bringt Expertise in den Bereichen Lokaljournalismus, Social Media und Fotografie mit. An einem perfekten Tag erklimmt die geborene Münsteranerin mit einer Kamera um den Hals Berge in Südostasien und kocht danach mit einer Truppe von Leuten ein leckeres Curry. Seit März 2018 wohnt Luisa in einer WG in St. Georg, wo sich ihre vier Mitbewohner an ihrer neuesten Leidenschaft erfreuen: elektronische Musik auflegen. Kürzel: lh
Als Fitnesstrainerin spornt Thoya Maria Urbach, Jahrgang 1994, mehrmals in der Woche bis zu 30 Leute zu Höchstleistungen an. Studiert hat sie Kulturwissenschaften in Lüneburg und Barcelona und dabei das Schreiben für sich entdeckt. Bei der „Brigitte“ hospitierte sie in der Onlineredaktion. Während eines Praktikums in der Unternehmenskommunikation bei Deutschlands größter Containerreederei faszinierte sie die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt. Die Hamburgerin schippert in ihrer Freizeit gerne mit der Fähre über die Elbe, ist aber auch in anderen Städten unterwegs – etwa in St. Petersburg. Denn etwas Russisch kann sie auch. Kürzel: tmu
Anika Schnücke, Jahrgang 1992, stuft sich selber als Gefahr für den Hamburger Verkehr ein. In drei Jahren in der Fahrradmetropole Münster hat sie sich einen rücksichtslosen Fahrstil angewöhnt. Neben ihrem Fahrrad bringt sie ihr Gespür für Lokaljournalismus mit in die Hansestadt. Während ihres Kommunikationswissenschaft-Studiums schrieb Anika in Münster als freie Journalistin für die Lokalzeitung und ein Stadtmagazin. Wie man ernste Themen mit Humor behandelt, lernte sie bei einem Praktikum in der Online-Redaktion der „Heute Show“. Über politische Satire schrieb sie auch ihre Bachelorarbeit. Anika freut sich auf die Einführung von rothaarigen Emojis – obwohl sie findet, dass man sich mit Gifs sowieso viel besser ausdrücken kann. Kürzel: as
Jana Trietsch, Jahrgang 1992, weiß, warum Michel aus Lönneberga in Wirklichkeit Emil heißt. Die gebürtige Darmstädterin verbrachte im Rahmen ihres Medienkulturwissenschaften- und Psychologiestudiums zwei Semester im schwedischen Uppsala und kann seitdem die Bücher ihrer Kindheit in Originalsprache lesen. Nach dem Studium lernte Jana in der Lokalredaktion des „Darmstädter Echos“ ihre Heimat neu kennen. Es folgten PR-Praktika in Stockholm und Berlin im Mode- und Lifestylebereich, die Jana eine Redakteursstelle im Brand Marketing bei Zalando einbrachten. Nebenher schreibt sie als freie Autorin für „Mit Vergnügen“ und „Refinery29“ über Kultur, Mode und Millennials. Manchmal denkt sie dabei an ihren früheren Traum: eine wöchentliche Kolumne, geschrieben in einem roten Ferienhaus in Småland. jt