Ein Hamburg will das Rezept des Kultgetränks geknackt haben. Ganz ähnlich wie das Original soll die Community Cola schmecken. Wer sie trinkt, unterstützt Hamburger Projekte. FINK.HAMBURG hat sich im Labor umgeschaut.

Jan van Schwamen stößt die Tür zum Labor auf – und schaut dabei entschuldigend. Der Raum, der sich hinter den Geschäften der Rindermarkthalle verbirgt, gleicht eher einer Rumpelkammer: klein, fensterlos und vollgestellt mit Regalen voller Flaschen und Kisten. Gegenüber der Regale ist ein Labortisch, auf dem Geräte stehen, die an den Chemieunterricht in der Schule erinnern – Erlenmeyerkolben, Pipetten und eine Feinwaage. Doch in dem kleinen Raum soll Großes passiert sein: Hier will van Schwamen das sagenumwobene Cola-Geheimnis gelüftet haben.

Van Schwamen hat an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg  Lebensmittelwissenschaften und danach im Master BWL studiert. Jetzt ist der 29-jährige Geschäftsführer des Hamburger Start-ups Community Cola. Er mache von allem so ein bisschen, sagt er. Kümmere sich um Entwicklung, Produktionsplanung, Marketing und den Vertrieb.

Die Cola-Idee: „Ungemein kompliziert“

Ende 2016 hatte van Schwamen das Start-up gemeinsam mit einem Kollegen gegründet. Dieser ist jedoch 2019 aus dem Projekt ausgeschieden und van Schwamen seitdem alleiniger Geschäftsführer. Vor der Gründung hat er für den Getränkehersteller Lemonaid gearbeitet. Community Cola sei aber unabhängig von dem Limonadenproduzenten und keine Konkurrenz, betont van Schwamen. Anders als die Getränke von Lemonaid sei Cola einfach „kein Wellnessdrink“.

„Wenn du viele Jahre lang Limonade und Eistee machst, gibt es immer wieder Ideen, über die man stolpert. Cola war eine dieser Ideen“, sagt er. Irgendwann beschloss er auszusteigen und sich der Herstellung einer eigenen Cola zu widmen. „Es war das Komplizierteste, an das ich mich persönlich jemals gewagt habe,“ so van Schwamen. Mit dem Rezept der Cola war er rund ein Jahr lang beschäftigt.

Der Mythos um das Rezept

„Die Cola ist ein Herzensprojekt.“ Van Schwamen ist sichtlich stolz auf das Rezept, das er jetzt auf seinem Laptop aufruft. „Das geht wahrscheinlich vielen Menschen, die Lebensmittelwissenschaften studiert haben auch so: Um dieses Rezept rankt sich ein krasser Mythos.“ Angeblich kennen nur zwei Menschen auf der Welt das Coca-Cola-Rezept und die dürfen nicht zusammen in einem Flugzeug sitzen.

„Kann ich das Rezept knacken?“, diese Frage habe er sich gestellt, erinnert sich der Lebensmittelwissenschaftler. Heute ist er überzeugt: „Es ist mir gelungen. Community Cola schmeckt zwar nicht genau wie Coca-Cola, aber das soll sie auch gar nicht.“

Koriander, Muskat und Neroli

„Ich wusste am Anfang nicht viel über Cola“, erzählt van Schwamen. Zunächst recherchierte er daher im Internet. Schon auf Wikipedia stößt man auf ein erstes Rezept.  Nach weiteren Recherchen mischte er die erste Cola zusammen: „Das war dann Version null. Danach habe ich mich von Version zu Version weitergehangelt und immer kleine Anteile verändert.“ Er schraubt Version zwei auf, die riecht tatsächlich schon sehr nach Cola – sieht aber eher aus wie Sirup. Er habe jede Version probiert, so van Schwamen: „Ich habe auf jeden Fall im letzten Jahr so viel Cola getrunken, wie mir mein Zahnarzt garantiert nicht empfehlen würde.“

Die Zutaten für Community Cola
Rohzutaten für eine Cola: Zucker, Phosphorsäure, Zuckerkulör und ätherische Öle. Foto: Hannah Lesch

Doch was gibt der Cola denn nun ihren Geschmack? Die Cola-Nuss vielleicht? „Die ist in unserer jetzigen Mixtur enthalten. In der Rezeptur von Coca-Cola ist sie aber höchstwahrscheinlich nicht mehr drin – man weiß es aber nicht genau.“

Und dann lüftet er das Geheimnis – wenngleich auch „nur“ für seine Cola: Hinter dem Geschmack der Cola stecke eine Mischung aus neun Früchten und Gewürzen. Zitrone, Limone, Orange, Zimt, Muskatnuss, Vanille, Koriander und Neroli. Letzteres kennt man als Inhaltsstoff von Parfum, das ist die Blüte der Orange. Van Schwamen hält ein kleines braunes Fläschchen mit dem teuren Duftstoff. „Das muss eigentlich in den Tresor, so teuer ist das Neroliöl. Da kostet ein Kilo fast 8.000 Euro.“ Die ätherischen Öle für die Community Cola bekommt er von einer Hamburger Firma.

Extrem bitter, extrem sauer, extrem süß

Zur Herstellung von Community Cola wurden fast 50 Versionen gebraut.
Fine-Tuning: Am Ende hat der Gründer fast 50 Versionen gemischt. Foto: Hannah Lesch

Die größte Herausforderung: „Die Zutaten so zusammenzubringen, dass der Geschmack harmonisch ist und kein Aroma zu sehr heraussticht“, erzählt der 29-Jährige. Daher auch die Feinwaage auf dem Tisch. Denn „diese ätherischen Öle haben krass Power“. Nach rund 60 Versuchen hat er dann schließlich die richtige Mischung gefunden – und die verrät er natürlich nicht.

Bio-zertifiziert ist das Getränk allerdings nicht. „Das funktioniert einfach nicht, wenn man eine klassische Cola machen will“, sagt van Schwamen. Für Cola brauche man zwei Zutaten, die momentan nicht mit Biosiegel erhältlich seien: den Farbstoff Zuckerkulör und Phosphorsäure. Zuckerkulör ist verbrannter Zucker. Er sorgt für die dunkle Farbe der Cola und hat einen herb-karamelligen Geschmack. Phosphorsäure ist sauer und gleicht in der Mischung die Süße des Zuckers aus. Vor allem die Farbe sei wichtig, denn andersfarbige Cola sei schon in der Vergangenheit gefloppt.

Der schönste Moment in der Tüftlerkarriere? Für van Schwamen der Tag, an dem die ersten Flaschen vom Band liefen: „Noch abgefahrener wird es, wenn du plötzlich Leute auf der Straße deine Cola trinken siehst“, erzählt er. Ob die Cola schmeckt, testete er erst an seinen Freunden und dann bei einer Verkostung in der Rindermarkthalle. Und die Rückmeldung sei positiv gewesen, so der Erfinder.

Trinken und dabei spenden

Ihren Namen trägt die Community Cola nicht ohne Grund: Mit dem Kauf einer Flasche unterstützt man laut Hersteller soziale Projekte in seiner Community. Flaschen, die man in Hamburg kauft, finanzieren Hamburger Sozialprojekte.

Im Laden bezahlt man für eine Kiste mit 24 Flaschen inclusive Pfand 23,37 Euro. Pro Kasten wird dem Hersteller zufolge ein Euro gespendet. Das sind 4,2 Cent pro Flasche. „Das klingt nicht viel, für mich ist der eine Euro pro Kasten aber schon eine ganze Menge. So viel, dass ich in den nächsten Monaten oder Jahren keinen Gewinn aus der Sache ziehen werde“, sagt van Schwamen. Er ist zudem überzeugt, dass Spenden so für den Normalverbraucher einfacher sei. „Wenn du im Supermarkt die Wahl zwischen zwei Produkten hast und mit dem einen zusätzlich was Gutes für deine Community tun kannst – dann ist das kein großer Aufwand.“

Bewerbungen von lokalen Projekten sind bereits einige eingegangen. Die Voraussetzungen für die Förderung sind recht niedrig: Projekte sollen in den umliegenden Communitys wirken. Und sie sollen sich um gesellschaftlichen Zusammenhalt kümmern. Die Projekte bewerben sich über die Website mit einer konkreten Fördersumme. Welche Projekte gefördert werden sollen, bestimmen nicht Verkäufer oder Hersteller, sondern die Community. Diese kann auf der Website – und dem Entwickler zufolge demnächst auch über Whatsapp – abstimmen, an welches Projekt das Geld im jeweiligen Monat fließen soll.

Bald auch in München, Köln und Düsseldorf

Bisher macht van Schwamen die Mixtur für die Cola noch selbst im kleinen Labor. Kaufen kann man die Community Cola nur in Hamburg und Berlin. Aber, so der Gründer: „Das Projekt soll wachsen. Ich habe vor die Cola auch in München und in Köln und in Düsseldorf auf den Markt zu bringen.“

Für sein Start-up hat er sich bewusst für Hamburg entschieden: „Hamburg ist einfach mein Zuhause – es hätte sich unnatürlich angefühlt, woanders anzufangen.“ Auch wenn es hier viel Konkurrenz auf dem Cola-Markt gibt, van Schwamen vertraut auf die Hamburger: „Ich glaube die Hamburger sind in ihrer norddeutschen, verschrobenen Art sehr offen für neue Ideen und honorieren den Community-Gedanken.“

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Hannah Lesch, Jahrgang 1994, überlebte bereits Wildwasser-Rafting mit Krokodilen in Namibia. Dort hat sie auch Bogenschießen gelernt. Nach dem Bachelor im Wissenschaftsjournalismus ging sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Afrika, um für die „Deutsche Welle Akademie“ Trainings für Medienschaffende anzubieten. Nebenbei organisierte sie ein Festival, bei dem in 48 Stunden Filme produziert wurden. Wissenschaftsjournalistin möchte sie werden, seit sie bei „Jugend forscht“ einen Preis gewonnen hat. Dafür kartierte sie Mauereidechsen. Und nein, mit Harald Lesch ist sie nicht verwandt. Ihren Namensvetter und ihr Idol würde sie trotzdem gerne mal treffen. Immerhin: Seine Gehaltsabrechnung wurde ihr beim Praktikum beim „Bayerischen Rundfunk“ aus Versehen zugestellt. Geöffnet hat sie diese aber nicht. Kürzel: hl
Einen Fischkutter in Franken? Den gibt’s – und zwar als Bar. Lisa Kretz, Jahrgang 1991, hat dort gelernt, unfallfrei Silvaner zu servieren. Fast ein Wunder, sagt sie doch über sich selbst, dass sie sogar über Hindernisse falle, die gar nicht vorhanden sind. Beruflich hat sie keine Schwierigkeiten, einer klaren Linie zu folgen. In Würzburg studierte Lisa BWL mit dem Schwerpunkt Medien. Für eine Boutique baute sie die Social-Media-Kanäle auf, fotografierte Outfits für Instagram und schrieb Blogbeiträge. Nach einem Praktikum in einer Münchner Werbeagentur entwickelt sie Social-Media-Kampagnen für ein Hamburger Tech-Startup – samt Videoproduktion. Und sie zeigt den Followern wie man einen Gastronomiebetrieb mit dem iPad organisiert.