Selfie: Valeria Mitelman, Grafik: Jana Trietsch
HAW-Absolventin Valeria Mitelman mit ihrer Tochter in ihrem Berliner Fotostudio. Selfie: Valeria Mitelman, Grafik: Jana Trietsch

HAW-Absolventin Valeria Mitelman arbeitet als Fotografin in Berlin. Mit FINK.HAMBURG spricht sie im Interview über den Weg zur eigenen Bildsprache, den deutschen Markt und das Geheimnis eines guten Fotos. 

Vor mehr als zehn Jahren hat sie ihr Diplom als Kommunikationsgesignerin an der HAW Hamburg gemacht: Valeria Mitelman, Jahrgang 1980, wurde in Minsk geboren und lebt seit circa 18 Jahren in Deutschland. Aktuell wohnt sie in Berlin und arbeitet dort als Fotografin. Sie wird repräsentiert durch die Agentur „Wildfox running“ und fotografiert vor allem in den Bereichen Mode, Beauty und Porträt. Auch wenn sie den deutschen Markt konservativ findet, will sie auf jeden Fall in Berlin bleiben. Sie lebt dort mit ihren zwei Kindern und ihrem Mann. Von sich selber hat sie nur wenige Bilder und macht auch keine Selbstporträts.

FINK.HAMBURG: Du arbeitest seit neun Jahren in Berlin und bist ja nicht die einzige Fotografin dort. Wie hebst du dich mit deinen Bildern von der Masse ab?

Valeria Mitelman: Ich glaube es ist wichtig, sich nicht zu sehr von dem beeinflussen zu lassen, was die anderen machen. Es gibt immer etwas, das sich gerade jetzt gut verkauft. Wenn du dem Trend folgst, machst du aber das gleiche wie alle anderen und verlierst dein eigenes Ziel. Das Business ist generell ziemlich schwierig: Die Kunden wollen, dass dein Stil einzigartig ist und dass deine Fotos eine eigene Sprache sprechen. Aber am Ende soll dann doch alles gleich aussehen. Der deutsche Markt ist sehr konservativ. Man traut sich nicht so viel. Es gibt zum Beispiel bestimmte Bilder, die für Werbung gut funktionieren und Kunden trauen sich oft nicht, was anderes zu machen.

Valeria Mitelman ist nach und während ihres Studiums gereist, sie hat unter anderem in London und Edinburgh gearbeitet. Model: caroline @ let it go managment Hair and makeup: mirjam martino @ klaus stiegemeyer Styling: lisa lohmann Set design: kristin baumann Photo: valeria mitelman
Valeria Mitelman ist nach und während ihres Studiums gereist, sie hat unter anderem in London und Edinburgh gearbeitet.
Model: Caroline @ let it go management; hair and makeup: Mirjam Martino @ klaus stiegemeyer; Styling: Lisa Lohmann; Set design: Kristin Baumann; Photo: Valeria Mitelman

Der Start in das Business ist nicht leicht, um an Jobs zu kommen muss man sich erst einen Namen machen. Was würdest du Studienanfängern oder auch Berufsanfängern im Bereich Fotografie und Kommunikationsdesign raten?

Ich würde jedem raten, mal das Land zu wechseln. Man sollte viel reisen, in den Ferien, im Auslandssemester oder nach dem Studium. Um zu lernen, wie in anderen Ländern der Markt funktioniert und um neue Perspektiven kennen zu lernen. Vielleicht merkt man dabei, dass ein anderes Land viel besser zur eigenen Kreativität und Bildsprache passt. Besonders wenn man jung ist, sollte man sich was trauen: einfach mal nach New York gehen, oder nach Paris oder London. Seid nicht zu vorsichtig!

Du bist schon lange bei einer Agentur unter Vertrag. Was bedeutet das für deine Arbeit als freischaffende Fotografin?

Ich glaube, dass ich ohne meine Agentur an einige Jobs nicht gekommen wäre. Die Zusammenarbeit ist eine große Hilfe, sie behalten für mich den Markt im Blick und machen die Abrechnung mit den Kunden. Wenn man sich mal einen Namen gemacht hat, kann man sicher auch ohne Agentur an große Jobs kommen. Aber wenn du anfängst und dich noch niemand kennt, ist es ein Vorteil wenn deine Agentur schon seit 20 Jahren auf dem Markt ist.

Was macht für dich ein gutes Foto aus?

„Ein Foto muss intensiv sein und einen echten Moment abbilden, keine Pose. Es soll nicht gespielt sein.“

Jeder Fotograf gibt am Set andere Anweisungen. Wie fotografierst du?

Ich erzähle immer ganz kurz, welchen Stil die Bilder haben, die ich mache. Ich sage den Models dann, dass ich sie als Personen abbilden will. Zwar sind sie gestylt und in einer inszenierten Situation, aber trotzdem sollen sie, sie selbst bleiben. Und sie sollen keine Modeposen machen, sondern sich ganz natürlich verhalten. Sie müssen sich wohlfühlen, das sieht man dann auch auf dem Foto. Ich fotografiere Mode wie Porträts. Bei manchen Models funktioniert das nicht, die können sich vor der Kamera nicht entspannen. Sie haben sich die Posen zu sehr antrainiert.

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Wie hat sich deine Fotografie in den letzten Jahren verändert?

In den letzten 10 Jahren habe ich für mich meine Bildsprache gefunden. Am Anfang konnte man mich viel leichter beeinflussen. Ich habe ganz viel ausprobiert. Jetzt merke ich, dass sich an meiner Art zu fotografieren nur noch kleine Nuancen verändern. Der Stil meiner Bilder ist für mich in den letzten Jahren viel klarer geworden. Ich spüre jetzt, ob das mein Bild ist oder nicht. Es ist wichtig, dass man sich immer fragt: Wo will ich hin, welche Bilder will ich machen?

Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ich habe in den letzten Jahren viel Mode- und Beauty-Fotografie gemacht. In Zukunft möchte ich mehr freie Projekte machen, mehr Porträts. Mode ist sehr kurzlebig, heute magst du diese Bilder, nächste Saison ist der Look vorbei und das Bild auch. Porträts vergehen nicht, ein gutes Porträt findest du auch in zehn Jahren gut. Ich bin müde davon, der Mode immer hinterherzulaufen: Die Modewelt wird immer schneller und man muss immer schneller neue Bilder machen. Ich möchte in Zukunft Aufnahmen machen, die lange halten und mir länger gefallen.

Das Interview mit Valeria Mitelman wird ebenfalls in der neunten Ausgabe des Hamburger „Nicht Jetzt“- Magazins erscheinen. Darin werden neben Interviews und Modetexten verschiedene Fotostrecken der Abschlussarbeiten von Modedesignern der HAW Hamburg veröffentlicht.

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Hannah Lesch, Jahrgang 1994, überlebte bereits Wildwasser-Rafting mit Krokodilen in Namibia. Dort hat sie auch Bogenschießen gelernt. Nach dem Bachelor im Wissenschaftsjournalismus ging sie für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Afrika, um für die „Deutsche Welle Akademie“ Trainings für Medienschaffende anzubieten. Nebenbei organisierte sie ein Festival, bei dem in 48 Stunden Filme produziert wurden. Wissenschaftsjournalistin möchte sie werden, seit sie bei „Jugend forscht“ einen Preis gewonnen hat. Dafür kartierte sie Mauereidechsen. Und nein, mit Harald Lesch ist sie nicht verwandt. Ihren Namensvetter und ihr Idol würde sie trotzdem gerne mal treffen. Immerhin: Seine Gehaltsabrechnung wurde ihr beim Praktikum beim „Bayerischen Rundfunk“ aus Versehen zugestellt. Geöffnet hat sie diese aber nicht. Kürzel: hl

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