Spätestens seit der Fridays-For-Future-Bewegung denken immer mehr Menschen über den Klimaschutz nach. Bei der gestrigen Podiumsdiskussion des Hamburger Umweltzentrums wurde über alltägliche Handlungsmöglichkeiten gesprochen.

„Warum scheitern wir an unseren Vorsätzen? Und was sind wir bereit, für den Klimaschutz zu tun?“ Diese Fragen wurden am Mittwochabend auf Gut Karlshöhe diskutiert – von interessanten Akteuren: Auf dem Podium saßen unter anderem der Mitbegründer des Miniatur Wunderlandes Gerrit Braun, der Vorsitzende des NABU-Stadtverbandes Alexander Porschke und die 17-Jährige Julia Oepen, Mitorganisatorin der Fridays-For-Future-Demos in Hamburg.

Klimagerechte Alternativen statt Verzicht

Im Grunde ist man sich einig: Klimakatatrophen sind real und nehmen spürbar zu. Trotzdem ist für die Mehrheit der Menschen der Klimaschutz keine Priorität, bemerkt ein Zuschauer kritisch. Nicht zuletzt aus sozialer Benachteiligung heraus. Fehlt es an Wissen oder Geld? „Die soziale und die ökologische Frage können zur Zeit noch nicht zusammen gedacht werden“, so Nilda Inkermann vom Netzwerk Mind Behaviour Gap. Sie stehe dem Kapitalismus, als ein für den Klimaschutz ungeeignetes System, kritisch gegenüber.

Alexander Porschke sieht das anders. Der kollektive Klimaschutz stehe in Konflikt mit Produktion und Wirtschaft. „Klimaschutz macht nicht nur Spaß. Es ist wie Zähneputzen und muss eben gemacht werden“, sagte der NABU-Hamburg Vorsitzende.

„Wir müssen sexy Alternativen finden, anstatt unsere Perspektive auf den Verzicht zu legen“, sagte Gerrit Braun und stellte die Frage: „Was können wir für Impulse setzen, um unsere Welt lebenswerter zu machen?“ Er fahre mittlerweile einen BMWi3, ein Elektroauto, und vermisse seine bisherigen Autos mit Verbrennungsmotor nicht mehr. Hannah Wallis von der Universität Magdeburg findet, dass kleine Schritte umweltbewusstes Verhalten kollektiv stärken.

„Europawahl ist Klimawahl“

„Wir brauchen einen Paradigmenwechsel“, sagt auch Julia Oepen. „Es ist wichtig, die bevorstehende Europawahl zu einer Klimawahl zu machen.“ Die Schülerin meldete Anfang des Jahres die erste Fridays-For-Future-Demo in Hamburg an. Es kamen 60 Schüler*innen, bei der zweiten Demo waren es schon 2000. Auch diesen Freitag wird sie wieder am Neuen Jungfernstieg stehen, um ein Zeichen an die Politik zu setzen.

Am Ende der Podiumsdiskussion stand eine Frage im Raum: Was macht ihr morgen für den Klimaschutz? Die meist genannte Antwort der Gäste: Fahrradfahren. Auf das Flugzeug und Auto verzichten. Mit kleinen Schritten, beziehungsweise Tritten in die Pedalen, für einen besseren ökologischen Fußabdruck.

Eingeladen zur Diskussion hatten das Hamburger Umweltzentrum in Kooperation mit dem Zukunftsrat Hamburg und dem Umwelthaus am Schüberg des Kirchenkreises Ost.

Titelfoto: Nikolas Baumgartner

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Lisa Sophie Kropp, Jahrgang 1994, braucht zum Feierabend kein Bier, sondern ein Stück Käse. Für ihren Bachelor in Inklusiver Pädagogik pendelte sie drei Jahre lang von Hamburg nach Bremen und kann seitdem in jeder Bahn schlafen. Nach dem Studium lernte sie in Australien Wein herzustellen, schlürfte Pho in Vietnam und ergriff auch in Thailand Pad Thai für gutes Essen. Zurück in Hamburg stieg sie konsequenterweise als freie Mitarbeiterin des Magazins „Food and Travel“ ins Berufsleben ein. Für das „Hamburger Abendblatt“ schrieb sie über die besten Grillplätze und das Kulturprogramm Harburgs. Neben den Deichtorhallen und dem Deutschen Schauspielhaus findet man Lisa häufig im Abaton. Sie liebt deutsche Filme – aber nicht Matthias Schweighöfer. Der ist ihr zu cheesy. Kürzel: lis
Nikolas Baumgartner, Jahrgang 1993, ist ein Draufgänger. Selbst mit wütenden Büffeln hat er sich in Kalifornien bereits gemessen. Schon früh zog es ihn in die Welt: Nach dem Abitur tauschte er die Weinregion Hohenlohe für ein halbes Jahr gegen Australiens Ostküste. Seine GoPro-Aufnahmen von Kängurus oder Koalas inspirierten ihn zu einem Auslandssemester an der Universität in Long Beach, Steven Spielbergs Alma Mater. Die Sauna ersetzt die kalifornische Sonne in seiner Wahlheimat Hamburg, wo er nach seinem Medientechnik-Studium als Fotograf, Videoproduzent und Veranstaltungstechniker tätig ist. Gerne besucht er Musik- und Kulturveranstaltungen oder organisiert sein eigenes Open Air auf der Veddel. Er baut selbst Gemüse an und unterstützt mit seinem Verein "damnit e.V." Fairtrade. Kürzel: nik