Blick von vorne auf das Strafjustizgebäude des Landgerichts Hamburg. Bei Verfahren zu Sexualstrafverfahren steht vor Gericht oft Aussage gegen Aussage.
Blick auf das Landgericht im Strafjustizgebäude. Daniel Bockwoldt/dpa.

Bei Gerichtsverhandlungen zu Sexualdelikten steht häufig Aussage gegen Aussage. Nun setzt das Landgericht Hamburg auf Spezialisierung, um besser urteilen zu können. Zukünftig sollen besonders geschulte Richter*innen Sexualstrafverfahren verhandeln. 

Am Landgericht Hamburg sind ab sofort spezialisierte Richter*innen für schwere Sexualstraftaten zuständig. Konkret sollen sich künftig sieben große Strafkammern mit insgesamt 22 Richter*innen am Landgericht auf Jugendschutz- und Sexualstrafsachen spezialisieren. Die Verfahren sollen effizienter und die Opfer weniger belastet werden, wie die Behörde für Justiz und Verbraucherschutz Hamburg mitteilte.

Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne) erklärt: „Ganz wichtig für mich ist, dass wir den Opfern von Straftaten deutlich machen: Wir sehen ihre besondere Situation.”. Und weiter: “Wir wollen auch die Sorge nehmen, sich überhaupt einem solchen Verfahren auszusetzen.“

Landgerichtspräsidentin Birte Meyerhoff betont, wie sensibel diese Verfahren sind: „Man braucht ein besonderes kommunikatives Geschick, um mit Menschen, die teils traumatisiert sind, eine so vertrauensvolle Umgebung herzustellen, dass diese Menschen sich wohlfühlen können in einem Gerichtssaal“, sagt Meyerhoff. Nur so seien Betroffene auskunftsfähig und auskunftsbereit.

Gerichtsaussagen bei Sexualstrafverfahren für Opfer hochbelastend

Auch die Opferhilfsorganisation Weisser Ring begrüßt die Spezialisierung gegenüber dem “Hamburg Journal”. Landesvorsitzende Monika Schorn meint, sie könne helfen, Mehrfachvernehmungen zu vermeiden und damit eine Retraumatisierung vorzubeugen. Zudem erhofft sich Schorn schnellere Verfahren: Jahrelanges Warten auf ein Urteil sei für viele Betroffene extrem belastend. Ob sich Prozesse tatsächlich beschleunigen lassen, bleibt offen. Für die Opfer sei die Spezialisierung dennoch ein wichtiger Schritt.

Justizsenatorin Gallina ergänzt: „Für Opfer von sexueller Gewalt kann es hochbelastend sein, vor Gericht auszusagen. […] Die Erfahrung, das Wissen und die Empathie der Richter*innen geben den Opfern diesen geschützten Raum vor Gericht.” Sexualdelikte werden in erster Instanz am Landgericht verhandelt, wenn Freiheitsstrafen von mehr als vier Jahren oder besondere Opferschutzgründe im Raum stehen. Die neuen Spezialkammern sollen künftig Verfahren mit komplexer Beweis- und Belastungslage fachlich hochwertig, sensibel und effizient führen.

hmh

Hendrik Heiermann, Jahrgang 1998, prokrastiniert nicht, er tut andere wichtige Dinge. Statt sich seiner Traumkarriere als Eisverkäufer im Sommer und Lokomotivführer im Winter zu widmen, hat er sich dem Journalismus verschrieben.
Hendrik ist in Plochingen bei Stuttgart aufgewachsen, er studierte Spanisch und Lateinamerikastudien in Hamburg. Während eines Praktikums in Mexiko in einer Migrant*innenherberge half er bei einer Geburt, später startete er in Kolumbien einen spanischsprachigen Podcast über Migration. Seit Sommer 2024 schreibt er für “kohero”, ein interkulturelles Hamburger Stadtmagazin. Den Artikel über Eiscreme schreibt er morgen. Ganz bestimmt. (Kürzel: hmh)

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