Iraner*innen gehen in Hamburg auf die Straße, um ihre Solidarität mit den unterdrückten Menschen in ihrer Heimat auszudrücken. Für kommenden Samstag sind weitere Demos geplant. Der Schauspieler Ali Khademi erklärt, warum er dabei ist.
Die iranische Community in Hamburg blickt auf die erschreckende Lage im Iran. Gemeinsam mit Unterstützer*innen solidarisieren sie sich mit den Massenprotesten in Iran gegen das brutale Vorgehen des amtierenden Regimes. Über 13 Demonstrationen fanden seit dem 9. Januar in Hamburg statt, so die Polizei Hamburg. Ausgerufen wurden diese von verschiedenen Organisationen oder Privatpersonen. Für die nächsten Tage sind weitere Demonstrationen bei der Polizei angemeldet, am Samstag finden in Hamburg gleich mehrere statt.
Demo am Samstag auf der Mönkebergstraße
Wann: Samstag, 17. Januar 2026
Uhrzeit: 14.00 Uhr
Wo: Start der Demo vor MediaMarkt, Mönckebergstraße 1, 20095 Hamburg
Unter dem Motto „Iran ist alles, was wir haben” versammeln sich die iranische Community in Hamburg sowie weitere Unterstützer*innen am kommenden Samstag auf der Mönckebergstraße. Auch der Hamburger Verein Migration Guide ruft zur Kundgebung auf. Sie wollen ein Zeichen gegen das “islamische Regime und für eine demokratische Zukunft Irans” setzen, heißt es in der Pressemitteilung.
Die Kundgebung ist Teil des weltweiten Protests der iranischen Community gegen die Repressionspolitik im Iran sowie gegen die Islamische Republik. Man möchte eine Stimme für Iraner*innen sein, sowie den Druck auf das Regime erhöhen und sich solidarisieren: Gegen Islamismus, politische Gewalt und religiösen Extremismus überall auf der Welt.
5.000 bis 7.000 Menschen sind für die Veranstaltung angemeldet, so die Pressestelle der Polizei Hamburg. Zeitgleich finden einige kleinere Demonstrationen statt. Eine davon am Gänsemarkt ab 14 Uhr, sowie am Heidi-Kabel-Platz ab 13 Uhr.
Sturz des Iran-Regimes als Konsens der Proteste
Der Konsens der Proteste in Hamburg sei das Ende des Regimes, meint Ali Khademi im Austausch mit FINK.HAMBURG. Er plant auch am Samstag vor Ort zu sein. Ali Khamedi ist in der iranischen Stadt Isfahan aufgewachsen und lebt seit ein paar Jahren in Hamburg. Er ist unter anderem als Fotograf, Schauspieler und Schriftsteller tätig und engagiert sich gesellschaftlich für die iranische Community.
“In Hamburg erlebe ich aktuell vor allem Proteste, die sich stark auf die Unterstützung von Rezat Pahlavi, dem Sohn des ehemaligen persischen Königs, beziehen. Gleichzeitig sind manche Iraner*innen nicht mit ihm einverstanden. Diese Meinungsverschiedenheiten werden aber derzeit bewusst zurückgestellt”, sagt er.
“Es fehlt vergleichbare strukturelle Unterstützung für Iraner*innen”
An den Protesten in Hamburg beteiligen sich neben vielen Iraner*innen auch zahlreiche deutsche und internationale Unterstützer*innen aktiv, so Khamedi. Die Unterstützung nehme er deutlich wahr. “Diese Solidarität sowohl vor Ort als auch durch persönliche Nachrichten wird als sehr stärkend empfunden”, so Khamedi.
Die Unterstützung sei aber nicht vergleichbar, wenn es um Konflikte und Kriege in Europa geht. Das beschäftigt Khademi. “Man merkt deutlich, dass Konflikte außerhalb Europas anders wahrgenommen und unterstützt werden”, sagt er. Im Fall des Ukrainekrieges beispielsweise hätten Institutionen wie Universitäten sehr konkrete Unterstützung geleistet. “Es fehlt eine vergleichbare strukturelle Unterstützung für Iraner*innen bislang weitestgehend,” so Khademi.
Es bräuchte klare Maßnahmen gegen das iranische Regime, die Wirkung zeigen. “Das bloße Einbestellen von Botschaftern oder Verurteilungen helfen niemandem, der auf den Straßen Irans protestiert und dabei Gefahr läuft erschossen zu werden”, sagt Khademi. Iraner*innen, auch solche außerhalb des Landes, bräuchten gesellschaftliche Unterstützung, da sie in großer emotionaler Not leben. Beispielsweise durch die Sorge um ihre Verwandten.
Zahlreiche Todesopfer im Iran vermutet
Die Protestbewegung im Iran fordert seit mehreren Wochen ein Ende des islamistischen Mullah-Regimes. Nach zunächst kleineren Protesten durch Händler*innen und Ladenbesitzer*innen in der Hauptstadt Teheran im Dezember 2025 haben sich Massenproteste im Land ausgeweitet, so der WDR.
Bei den Demonstrationen sollen bisher 2.000 Menschen getötet worden sein, so die Nachrichtenagentur Reuters. Die Zahl lässt sich nicht unabhängig überprüfen. Das iranische Exilmedium “Iran International” geht von 12.000 Toten aus (Stand: Dienstag 13.01) aus – so ist es einem Post der Menschenrechtsorganisation Hawar Help zu entnehmen. Tagelang war die Kommunikation im Iran blockiert, das Internet ist weiterhin auf Anlass des iranischen Sicherheitsapparats gesperrt, so die Tagesschau.
Antonia Telgmann, Jahrgang 1999, hat früh gelernt, ihre Koffer zu packen. Sie hatte bereits in Dänemark und Singapur gelebt, als sie mit zwölf Jahren nach Hamburg zog. In Asien entdeckte sie ihre Leidenschaft fürs Schwimmen. 2016 kraulte sie bei der Deutschen Meisterschaft als Teil der Staffel. Später studierte sie Politikwissenschaft in Bremen und absolvierte ein Praktikum bei RTL Nord. Für die Onlineredaktion von Radio Bremen, Buten un Binnen, interviewte sie den Knigge-Rat, schrieb über ein Klimacamp für Kinder und berichtete über ehrenamtliches Engagement. Als Kind wollte sie sich bei „Wetten, dass..?“ bewerben – sie konnte alle „Bibi & Tina“-Kassetten am ersten Satz erkennen. Heute träumt sie davon, als Auslandskorrespondentin nach Singapur zurückzukehren.
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