Verfassungsschutzbericht: Mehr Rechtsextremisten in Hamburg

Gewaltbereitschaft steigt

Andy Grote gestikuliert mit seinen Händen. Er trägt einen blauen Anzug, ein weißes Hemd und eine rote Krawatte. Sein Blick ist ernst.
19.05.2026, Hamburg: Andy Grote (SPD), Innensenator, stellt den Hamburger Verfassungsschutzbericht 2025 vor. Foto: Georg Wendt/dpa

Islamisten bleiben die größte Extremistengruppe in Hamburg, doch der Rechtsextremismus nimmt zahlenmäßig deutlich zu – Innensenator Grote stellt den Hamburger Verfassungsschutzbericht 2025 vor.

In Hamburg steigt die Zahl der Rechtsextremist*innen. Im vergangenen Jahr wuchs die Szene um mehr als zehn Prozent. Am vergangenen Dienstag legten Innensenator Andy Grote (SPD) und Leiter des Landesamtes, Torsten Voß den Verfassungsschutzbericht im Hamburger Rathaus vor. 250 der insgesamt 450 Rechtsextremist*innen werden als gewaltorientiert eingestuft – 100 mehr als im letzten Verfassungsschutzbericht.

Rechtsextremismus größte strukturelle Gefahr für Demokratie

Auch die Zahl der politisch motivierten Kriminalitätsfälle von rechts stieg an: 1517 Straftaten wurden registriert, das entspricht einem Anstieg um 167 Taten. Rechtsextremistische Gewaltdelikte stiegen auf 120, das entspricht vier mehr als im Vorjahr.

Der Rechtsextremismus sei nach wie vor „die größte strukturelle Gefahr für unsere Demokratie“, so Grote. Die Szene werde zunehmend jünger und subkulturell geprägt. Skinheads, Bomberjacken, Springerstiefel – all das gebe es wieder. “Wie in den 80er- und 90er-Jahren”, sagte der Senator. Die Radikalisierung erfolge immer schneller, online und teils in nur wenigen Wochen.

Rechte Szene erinnere an 80er- und 90er-Jahre

Neben dem optischen Auftritt der rechtsextremen Szene erinnere laut Voß auch der – in der Regel – niedrige sozioökonomische Status an früher: „Das sind tatsächlich die klassischen Abgehängten, die wir auch in den 90er-Jahren hatten, die keine vernünftige Schulausbildung hatten.“ sagt Voß. Es würde nach einem Sündenbock gesucht werden, getreu dem Motto: „Der Ausländer hat Schuld, dass ich keine Arbeit habe, der Ausländer nimmt mir meine Frau weg“, so Voß.

Auch Islamismus und hybride Angriffe fordern Staat

Die größte Extremistengruppe in Hamburg sind laut dem neusten Verfassungsschutzbericht erneut Islamisten. Das Personenpotenzial ist mit 1925 im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen (1900 im Jahr 2024). Auch bei den Islamisten steigt die Gewaltbereitschaft: 84 Prozent von ihnen werden als gewaltorientiert eingestuft – das entspricht 35 Personen mehr als im 2024er-Bericht.

Der Verfassungsschutz sei die „erste Verteidigungslinie der Demokratie“, sagte Grote. „Und diese Verteidigung tut Not“. Neben dem Rechtsextremismus forderten auch Islamismus und hybride Angriffe „unseren Staat, unsere freie Gesellschaft erheblich heraus“. Hybride Angriffe umfassen laut Verfassungsschutzbericht Bedrohungen durch fremde, insbesondere russische Nachrichtendienste. Angriffe wie diese umfassen etwa klassische Spionage, Sabotage oder auch Desinformationskampagnen. Sie verfolgen das Ziel, Unsicherheit in der Gesellschaft zu verbreiten und das Vertrauen in demokratische Institutionen zu schwächen. Voß verwies zudem auf eine „Querfront von Extremisten aus verschiedenen Phänomenbereichen, die den Staat Israel als Ganzes zu ihrem Feindbild“ erklärt hätten.

Linke Szene nimmt im Vergleich zu Rechtsextremismus ab

Die linksextremistische Szene in Hamburg hat sich im vergangenen Jahr leicht rückläufig entwickelt. Das Personenpotenzial sank von 1050 Personen im Jahr 2024 auf rund 1000 Personen im Jahr 2025. Auch die Anzahl an als gewaltorientiert eingestuften Personen entwickelte sich rückläufig: 770 im Jahr 2025, etwa 30 weniger als im Vorjahr.

Auch im linken Spektrum gab es einen Anstieg in der politisch motivierten Kriminalität: 929 erfasste Taten entsprechen einem Anstieg von knapp 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Darunter 44 linksextremistische Gewaltdelikte. Mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem 2024er Bericht.

Voß sieht Hamburg nicht mehr als Hochburg des Linksextremismus

Hintergrund der steigenden Anzahl an Gewaltdelikten von links ist nach Einschätzung des Verfassungsschutzes „die steigende Agitation des linksextremistischen Spektrums im Zusammenhang mit der bundesweiten Agitation der AfD, mit den Wahlergebnissen der AfD, mit dem Wahlkampf der Bürgerschaft und dem Wahlkampf des Bundestages“, sagte Voß. Anfang 2025 war neben dem Bundestag auch die Bürgerschaft neu gewählt worden. Zudem sei es in Teilen der linksextremen Szene auch im Nahost-Kontext zu Straftaten gekommen.

Unter den Straftaten seien auch vielfach Propagandadelikte – „das sind Schmierereien“, sagte Voß. Im nationalen Vergleich habe die linksextreme Szene in Hamburg an Bedeutung verloren – vor allem im Vergleich mit Berlin oder Leipzig. „Ich sehe Hamburg nicht mehr als Hochburg des Linksextremismus“, sagte der Chef des Landesamtes.

alo/dpa

Pilea, Monstera, Strelitzia: Alina Lewandowitz, geboren 2001 in Northeim, teilt ihre Wohnung mit über 30 Pflanzen. Die Frage nach ihrem Liebling – schwierig, wie die für Eltern nach dem Lieblingskind. Für ihr duales Studium in Marketing und Digitale Medien zog es Alina nach Düsseldorf, parallel arbeitete sie im Mediaagentur-Netzwerk Omnicom Media. In Hamburg wollte sie eigentlich nur ein Semester bleiben – mittlerweile sind es mehr als drei Jahre. Nach ihrem Studium blieb sie der Agenturwelt treu und arbeitete bei Hearts & Science in der Strategie. Ihre Lieblingspflanze? Wahrscheinlich die Pilea, denn die hat sie aus einem kleinen Ableger großgezogen. Kürzel: alo

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here