Foto: Silvana Komani

Wer seinen Teller bisher nicht aufgegessen hat, musste sich lediglich vor schlechtem Wetter fürchten. Nun testet ein Hamburger Restaurant eine neue Essensgebühr. Ein erfolgreicher Trend im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung?

Um Profit gehe es ihm jedenfalls nicht, sagt Restaurant-Inhaber Jian Ba Zhang: „Zu Beginn der Einführung haben wir zwar bis zu 20 Euro pro Tag gemacht, aber das Geld, das durch die Gebühr eigenommen wird, spenden wir sowieso.“ Das Mittagsbuffet des asiatischen Restaurants „Mahlzeit-Live“ in Bahrenfeld bietet chinesische und mongolische Spezialitäten ab 9,50 Euro pro Person an – so viel, wie man von 11.30 bis 14.30 Uhr essen kann. „Die Augen der Gäste sind oft größer als der Bauch und manchmal kamen die letzten Teller noch halbvoll zurück“, sagt der Gastronom. Für den aus einfachen Verhältnissen stammenden Chinesen war dies ein Anzeichen dafür, etwas gegen das verschwenderische Verhalten zu tun.

Gezahlt wird, was auf dem Teller bleibt

Foto: Silvana Komani

Wer in seinem Restaurant beim „All-you-can-eat“ Angebot Essen auf dem Teller übrig lässt, der zahlt eine Strafgebühr. Dann kommt ein Euro pro 50 Gramm übrig gelassenes Essen zusätzlich auf die Rechnung der Gäste. Rechtlich ist dieses Vorgehen nicht zu beanstanden, denn laut Gastwirt-Gesetz ist „dem Wirt im Rahmen seiner Vertragsfreiheit gestattet, sein Angebot an den Gast entsprechend zu gestalten. Eine Ausnahme wird dann gemacht, wenn das Essen nicht schmecken sollte. „Das schmeckt dann aber schon in der ersten Runde nicht, und nicht nach dem vierten Teller“, sagt Herr Zhang.

Solch ein Fall käme heute allerdings so gut wie nie vor. Anfangs kam das neue Konzept bei seinen Gästen nicht gut an. Sie hätten sich nicht mehr wie Könige gefühlt, als solche hätten sie aber behandelt werden wollen. Es folgten lange „unangenehme“ Diskussionen am Tisch. Jian Ba Zhang wird heute noch zornig, wenn er von diesen Reaktionen erzählt.

Die meisten hätten aber Verständnis gezeigt, als er ihnen erklärte, wie viel Essen dadurch vor dem Entsorgen gerettet werden kann. Oft übersetzte er dann noch den Gästen sein Lieblingssprichwort aus der Heimat: „In jedem Körnchen Reis steckt ein Tropfen Schweiß“. Und wenn die Gäste trotzdem sauer sind? „Dann brauchen sie auch nicht wieder zu kommen, die brauchen wir sowieso nicht.“ Die aktuellen Gäste scheinen sich mit dem Konzept mittlerweile abgefunden zu haben – die Teller kommen leer zurück.

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11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Abfall

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In der Gastronomie Branche ist „Mahlzeit-Live“ nicht das einzige Restaurant, das den Müllbergen in der Küche entgegenwirken möchte. „In der Tat gibt es einige Restaurants, die von ihren Gästen eine Strafgebühr für nicht aufgegessenes Essen verlangen. Dabei handelt es sich bisher um wenige Einzelfälle“, stellt die Pressesprecherin des Deutschen Hotel – und Gaststättenverbands (DEHOGA) Stefanie Heckel fest. Von den 11 Millionen Tonnen, die jährlich in Deutschland entsorgt werden, entstehen laut einer Studie der Universität Stuttgart rund 17 Prozent durch Gaststätten und Kantinen. 65 Prozent dieser Lebensmittelabfälle wären völlig oder zumindest teilweise vermeidbar.

Ein genereller Trend in Richtung Essensgebühr ist in der Gastronomie nicht zu verzeichnen. Dennoch: „Das Thema Lebensmittelverschwendung hat in der Branche eine größere Bedeutung bekommen. Dies zeigt sich durch viele Facetten“, sagt DEHOGA-Sprecherin Heckel.

Via App Restaurant-Reste vor dem Müll retten

Um die Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie zu reduzieren, werden auch digitale Lösungen entwickelt. So bietet die App „Too Good To Go“ die Möglichkeit, sich sogenannte „Boxen“ für bis zu sechzig Prozent unter dem Normalpreis zu sichern. Restaurants und Imbisse stellen ihre Boxen mit überschüssigem Essen online, der Kunde kann sie reservieren, online bezahlen und kurz vor Ladenschluss abholen. Mehr als 140 Restaurants deutschlandweit nutzen die App bereits, mittlerweile machen auch immer mehr Hamburger Restaurants mit.

Zahlreiche weitere Apps, wie „MealSaver“ oder „FoodLoop“ funktionieren in einem ähnlichen Prinzip: Sie zeigen Restaurants an, die nicht verkauftes Essen preiswert abgeben, statt es wegzuschmeißen. Der Selbst-Test im Daylie’s in der Hamburger Innenstadt zeigt: Für 3,50 € bekommt man um 19 Uhr eine Essensbox mit etwas zu trockenen, aber dennoch genießbaren Reis mit Madras-Soße. Definitiv lohnenswert, wenn dadurch nach Feierabend der Müllbeutel mit dem Resteessen immer kleiner wird – und die Sonne am nächsten Tag scheint.