Robert Loebel HAW Hamburg Animationsfilm
Robert Löbel in seinem Element. Foto: Robert Löbel

Mit seinem HAW-Abschlussfilm „WIND“ hat Robert Löbel, 33, seit 2012 viele Preise gewonnen. Mit FINK.HAMBURG sprach der Designer über prekäre Arbeitsverhältnisse, Widerstand als Thema der Kunst – und darüber, was ihn glücklich macht.

Bei Animationsfilmen denkt man als erstes an kommerzielle Kinderfilme wie Shrek oder Nemo. Ist das ein Problem für dich?
Überhaupt nicht. Ich selbst bin schließlich auch glücklich und gern wieder Kind, wenn ich einen guten Mainstream-Animationsfilm sehe. Es gibt auf der anderen Seite gerade immer mehr independent Animatoren, die sich in die Langfilmsparte drängen (z.B. My Life as a Zucchini oder Boy and the World). Das macht mich dann immer noch ein bisschen glücklicher als ich sowieso schon bin.

Du hast an der HAW Illustration und Graphikdesign studiert. Wie schwierig war danach der Weg in die Selbstständigkeit?
Da gab es gar keine andere Möglichkeit. Ich habe früh angefangen nebenbei Jobs anzunehmen. Da braucht man natürlich eine Steuernummer und den ganzen Quark. Die Frage müsste eher lauten: Ist es schwierig nach dem Studium eine zufriedenstellende Festanstellung zu bekommen?

Ist es so schwierig in der Kreativbranche Fuß zu fassen?
Keine Ahnung, wie man das heutzutage schafft. Jeder holt sich ja Freelancer ins Haus. Wir sind billig, man muss uns keine Versicherung zahlen, bringen unsere eigenen Rechner mit und sind nach dem Projekt auch schnell wieder weg. Wenn dann noch Kaffee da ist und das neueste Trendsofa im Haus steht, sind auch alle glücklich.

Mit deinem Kurzfilm WIND hast du den Hamburger Animation Award gewonnen – was hat dich dazu inspiriert den Film zu machen?
Es war zum einem gerade die Zeit, in der die Occupy-Bewegung protestiert hat, und viele Menschen mit „Boykott Capitalism“-Schildern vor Banken herumgelaufen sind. In meiner damaligen WG haben wir darüber viel diskutiert. Zum anderen habe ich eine Architektur-Vorlesung meiner Freundin besucht und der Professor hat über informelle Siedlungen gesprochen. Dabei geht es um Menschen, die kreative Lösungen finden müssen, um zu überleben: Sie bauen zum Beispiel Häuser auf Hochhäusern, um den Strom abzuknapsen. Auch gibt es das Beispiel einer Familie, die auf dem Mittelstreifen einer Autobahn ein Haus errichtet hat, weil sie wussten, dann werden sie in einen legalen Bereich umgesiedelt. Da war mir klar, das sind ideale Grundbausteine für ein gutes Konzept: Widerstand und der kreative Umgang der Leute mit ihrer Situation.

Wie hast du aus deiner Inspiration dann die Filmidee entwickelt?
Ich habe mir die Frage gestellt: Wie kann man nun Menschen einem System aussetzen, das man nicht sieht, das aber trotzdem schwierige Lebensbedingungen erzeugt? Als Nordlicht im Herzen gab es natürlich nur eine Kraft, die das schafft: den Wind.

Was willst du mit deinen Filmen erreichen? Verfolgt WIND einen bestimmten Zweck?
Ich bin da pragmatisch veranlagt und versuche, die für mich komplexeren Zusammenhänge mit möglichst viel plattem Humor zu kombinieren. Wenn Leute einen vierminütigen lustigen Film von mir sehen und dann anfangen, tiefsinnigere Sachen da hinein zu interpretieren, finde ich das schon sehr befriedigend.

Welche Vorteile siehst du im Animationsfilm gegenüber dem Spielfilm?
Im Animationsfilm ist einfach alles möglich, was man sich ausdenken kann. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es vermischen sich Realität und Traum oft zu einer neuen Form von Wirklichkeit. Spielfilmen fehlt dieser Abstraktionsgrad und die Verzerrung ins Surreale. Sie bilden Persönlichkeiten meist real ab.

Du bist nach dem Studium in die Hauptstadt gezogen. Berlin vs. Hamburg – welche Stadt hat in Sachen Animation mehr drauf?
Berlin spielt schon überall ganz vorne mit. Aber ich weiß auch, dass es bereits einige verrückte Stop-Motion-Studios und ein paar Top-Agenturen für Motion Design in Hamburg gibt. Einige jungen Talente stehen hier gerade in den Startlöchern und warten nur darauf, ihr Können zu zeigen. Es fehlt eventuell nur der richtige Rahmen sich zu vernetzen. Vielleicht braucht es einen wiederkehrenden Animationsstammtisch oder eine Kneipe, in der man ab und zu mal den Animationsfilm abfeiert. Ich glaube, da könnten einige fruchtbare Begegnungen entstehen. In Berlin klappt das im Übrigen hervorragend.

Dieses Jahr kommt Robert Löbels nächster Kurzfilm: „LINK“. In ihm geht es um Menschen, die zwangsläufig miteinander verbunden sind, aber sehr unterschiedliche Interessen haben. Hier gibt es einen kleinen Vorgeschmack: