
Auf ihrer neuen Platte „Nichts ist neu“ schreien Love A ihren Frust über den Stillstand der Gesellschaft heraus – und über ihren eigenen.
Neues Album, neue Single, neue Tour, neues Video: Bei der Post-Punk-Band Love A passiert gerade vieles, was eigentlich nach Entwicklung klingt. Sie selbst sehen das anscheinend nicht so: Am Freitag veröffentlichen sie ihre vierte Platte, die „Nichts ist neu“ heißt. Darin regen sie sich über eine müde Gesellschaft auf, die sich nicht ändern will. Ob ihre Musik etwas bewegen kann, bezweifeln Love A aber sogar selbst. Und das schon im ersten Song.
Zuerst ist da Stille, langsam fiept ein Feedback. Plötzlich werden Gitarren gedroschen, ein Schlagzeug verprügelt und der Bass drückt ein mulmiges Gefühl in den Bauch. Sänger Jörkk schreit auf „Nichts ist leicht“: „Wär‘ so gerne wie die anderen/ Die, die scheinbar funktionieren/ Doch statt die Nerven zu behalten/ Bin ich kurz vorm Explodieren“. Diese Worte fassen das zusammen, woran sich Love A in zwölf Songs abarbeiten: Stillstand. Mit starken Punk-Hooks gibt die Band ihrem Gefühl von Machtlosigkeit ein Überdruckventil. Mal wütet sie kraftvoll den Hass heraus, mal kommt sie beinahe versöhnlich daher.
Das Album zeichnet ein düsteres Bild der deutschen Gesellschaft, die sich am liebsten um sich selbst sorgt. „Nachbarn“ handelt von Leuten, die so egoistisch sind, dass sie Tod und Unglück ihrer Mitmenschen in Kauf nehmen, um bloß ihre Ruhe zu haben. „Sonderling“ prangert die Kultur der hippen Individualisten an, die sich immer selbst am besten finden und trotzdem vielen Moden folgen.
Immer schwingt dabei die Frage mit, ob Menschen sich überhaupt wandeln können. Ob Musik etwas verändern kann, und ob vom revolutionären Punk-Gedanken irgendetwas geblieben ist. Love A geben sich so, als würden sie nicht daran glauben. Trotzdem versuchen sie es weiter.
„Nichts ist neu“ erscheint am Freitag bei Rookie Records. Wer Love A live erleben möchte, kann sie auf dem Reeperbahnfestival sehen, das vom 20.-23. September stattfindet.
Das Video zu „Nichts ist leicht“ können Sie hier sehen
Martin Tege, Jahrgang 1990, ist leidenschaftlicher Musiker. Während seines Studiums der Kulturwissenschaften an der Uni Lüneburg entdeckte er seine Begeisterung für den Journalismus. Nach diversen Praktika wurde der gebürtige Mecklenburger freier Journalist beim Magazin „Rolling Stone“, für das er neben News auch Konzert- und Plattenrezensionen schreibt. Wenn er nicht gerade als Gitarrist mit seiner Bigband auf Tour ist, interessiert er sich aber auch für Geschichten aus Wissenschaft, Politik und Technik – und für soziale Themen. Fußball dagegen ist ihm „mehr als egal“.