Mordopfer Beata Sienknecht Foto: Polizei Hamburg
Mordopfer Beata Sienknecht Foto: Polizei Hamburg

Knapp vier Jahrzehnte tappt die Polizei im Dunkeln. Jetzt scheint der Mord an Beata Sienknecht aus Steilshoop durch die Einsatzgruppe „Cold Cases“ aufgeklärt. Doch die Akte bleibt geöffnet.

Es ist 22 Uhr, am 13. Oktober 1981. Ein Nachbar tritt in seiner Wohnung im Schreyerring in Steilshoop ans Fenster. Er schaut auf den Platz vor dem Mehrfamilienhaus und sieht Beata Sienknecht. Die 36-Jährige sitzt alleine auf einer Bank – womöglich gab es Streit in der Familie. Das wird später zumindest eine Freundin aussagen. Als der Nachbar seine Rollos herunterzieht, verschwindet Beata Sienknecht aus seinem Blickfeld und bleibt für immer verschwunden.

Mordfall Beata Sienknecht: Auf diesem Platz am Schreyerring wurde sie zum letzten Mal gesehen. Foto: Polizei Hamburg
Auf diesem Platz am Schreyerring wurde Beata Sienknecht zum letzten Mal gesehen. Foto: Polizei Hamburg

36 Jahre lang gibt es keinen Hinweis auf den Verbleib der dreifachen Mutter. Im März 2017 rollt die Hamburger Einsatzgruppe „Cold Cases“ den Fall schließlich neu auf. Die Männer und Frauen sind Spezialisten: Sie widmen sich ausschließlich ungelösten Kriminalfällen. Auch im Falle der verschwundenen Mutter begeben sich die Ermittler akribisch auf Spurensuche. Sie befragen erneut die Familie, Freunde und Nachbarn, rekonstruieren die inzwischen umgebaute Wohnanlage. „Zu Beginn hatten wir nur ihren Namen. Sie musste für uns aber zu einer Identität werden. Wer war sie, wie und mit wem hat sie gelebt?“, sagt Ermittler Steven Baack.

Steven Baack, Ermittler der Cold Cases Hamburg, verkündet vom Fahndungserfolg im Mordfall Sienknecht. Foto: Christoph Petersen
Steven Baack, Ermittler der „Cold Cases“ Hamburg, berichtet vom Fahndungserfolg im Mordfall Sienknecht. Foto: Christoph Petersen

Schnell erhält die Einsatzgruppe einen Tipp. Auf der Facebook-Seite der Polizei meldet sich eine Frau. „Es war mehr ein Bauchgefühl. Aber wir dachten, dass sie mehr weiß, als sie in ihrem Kommentar geschrieben hat“, sagt Baack. Während er sie vernimmt, kann er ihr einen entscheidenden Hinweis entlocken. Die Frau führt die Ermittler auf die Spur eines Mannes, der der Polizei schon lange bekannt ist: Klaus Dieter H. – ein 58-jähriger Mann, der bereits wegen dreifachen Mordes verurteilt wurde und in der Psychiatrie Ochsenzoll untergebracht ist.

Klaus Dieter H. lebt vor 40 Jahren in unmittelbarer Nähe von Beata Siebknecht. Wie nahe sie sich stehen, weiß niemand aus dem Umfeld der Vermissten. Mehr Details möchte Baack aus ermittlungstaktischen Gründen nicht verraten. Mehrere Stunden sprechen die Ermittler mit dem Mörder – und tatsächlich passen Indizien und Fakten zusammen. Schließlich gesteht Klaus Dieter H. den Mord.

Die drei Kinder von Beata Siebknecht reagieren laut den Ermittlern erst geschockt und dann erleichtert auf den Fahndungserfolg. Sie haben nun die Gewissheit, dass ihre Mutter vor 36 Jahren umgebracht wurde. Ein Begräbnis bleibt der Familie jedoch verwehrt. Klaus Dieter H. verrät während seiner Vernehmung erschreckende Details. „So wie er uns die Entsorgung der Leiche beschrieben hat, gehen wir davon aus, dass der Leichnam nicht wiedergefunden werden kann“, sagt Baack.

Noch dauern die Ermittlungen zum Fund der Leiche an. Doch der Körper von Beata Siebknecht bleibt vermutlich für alle Zeit verloren.

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Christoph Petersen, Jahrgang 1989, liebt Bahnfahren und zahlt gerne seinen Rundfunkbeitrag. Spießig? Von wegen: Der Wiesbadener war sogar schon mal in der „Neon" als Single bei den „Ehrlichen Kontaktanzeigen“. Nach seinem Politik- und Soziologie-Studium in Mainz arbeitete Christoph als Hörfunkredakteur und -Moderator für hr1, bevor er sein Volontariat bei einer Produktionsfirma für Dokumentarfilme abschloss. Jetzt lebt er in der „Barmbronx" im Osten Hamburgs und bummelt lieber über den Flohmarkt beim Museum der Arbeit als über den in der Schanze. Dort sucht er vor allem nach alten Schallplatten, die Kindheitserinnerungen wecken.

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