
Erst umzingeln sie das Schiff, dann kommen sie mit Strickleitern an Bord: Jedes Jahr überfallen Piraten mehr als einhundert Schiffe weltweit. Auch Hamburger Reeder sind betroffen.
Unschuldig liegt das Fischerboot im Atlantischen Ozean vor der Küste Nigerias. Nichts deutet darauf hin, dass von hier aus gerade ein großes Schiff gekapert wird. Piraten koordinieren die Angriffe auf die Frachter meist von Fischerbooten aus. Per Funk stehen sie mit mehreren kleinen, wendigen Schnellbooten in Kontakt, die das Schiff umzingeln. Der Crew an Bord des Schiffes fehlt häufig die Zeit, um rechtzeitig reagieren zu können. Spätestens, wenn es die Piraten mit Strickleitern an Bord geschafft haben, gerät das Schiff außer Kontrolle.
Am Wochenende haben Piraten vor dem nigerianischen Hafen Onne das Containerschiff “Demeter” der Hamburger Reederei Peter Döhle geentert und sechs Besatzungsmitglieder entführt. Die verbliebenen zwölf Seeleute blieben unverletzt, das Schiff konnte in sichere Gewässer gesteuert werden. Doch das Schicksal der verschleppten Besatzungsmitglieder ist auch am Mittwoch noch ungewiss.

Piraten wollen Lösegeld erpressen
Jährlich werden mehr als einhundert Schiffe weltweit von Piraten überfallen. Die Internationale Handelskammer meldet von Januar bis September dieses Jahr 121 Zwischenfälle. 80 Besatzungsmitglieder wurden dabei als Geisel genommen, 49 entführt und zwei getötet. Laut Christof Schwaner vom Verband Deutscher Reeder (VDR) ist die “Demeter” in diesem Jahr das erste Schiff einer deutschen Reederei, das von Piraten angegriffen wurde.
Schutzmaßnahmen sind meist wirkungslos
Viele Schiffe auf den Weltmeeren sind schlecht ausgerüstet gegen die Angriffe der Piraten. Als wirksamster Schutz gelten Sicherheitseskorten an Bord. Die Teams bis zu zehn Personen sind allerdings teuer – sie kosten mehrere tausend Euro am Tag. Deshalb experimentieren Reeder mit High-Tech-Waffen, wie Schallkanonen, elektromagnetischen Wellen und Sicherheitszäunen. Diese bleiben jedoch häufig wirkungslos.
Update: Am 12. November 2017 teilte die Reederei mit, dass die Seemänner wohlbehalten befreit werden konnten.
Christoph Petersen, Jahrgang 1989, liebt Bahnfahren und zahlt gerne seinen Rundfunkbeitrag. Spießig? Von wegen: Der Wiesbadener war sogar schon mal in der „Neon" als Single bei den „Ehrlichen Kontaktanzeigen“. Nach seinem Politik- und Soziologie-Studium in Mainz arbeitete Christoph als Hörfunkredakteur und -Moderator für hr1, bevor er sein Volontariat bei einer Produktionsfirma für Dokumentarfilme abschloss. Jetzt lebt er in der „Barmbronx" im Osten Hamburgs und bummelt lieber über den Flohmarkt beim Museum der Arbeit als über den in der Schanze. Dort sucht er vor allem nach alten Schallplatten, die Kindheitserinnerungen wecken.