Smarte Geräte hören zu.
Smarte Geräte hören zu. Illustration: Agata Strausa.

Sprachassistenten sind die Zukunft. Smarte Geräte können mit uns sprechen – hören uns aber auch zu. Das hat Vor- und Nachteile.

Conversational Interfaces, kurz CI oder CUIs, sind gerade dabei, die digitale Welt zu revolutionieren wie einst die Umstellung vom Desktop auf den Mobile-Screen. CIs werden es überflüssig machen, uns mit der grafischen Gestaltung der Benutzeroberfläche auseinanderzusetzen. Die Bedienung wird intuitiver, einfacher und effizienter. Denn wir können mit dem Computer sprechen. Und er mit uns.

Oft verlaufen Gespräche mit Sprachassistenten noch hölzern. Aber auch, wenn die Maschinen derzeit noch etwas tollpatschig wirken und künstlich klingen, wird sich das anhand von neuen Deep-Learning Technologien ändern. Denn indem wir mit dem Computer sprechen, lernen diese künstlichen Intelligenzen.

„Voice is the future“, prophezeit Raphaela Rein auf dem Conversational Interface Day in Hamburg. Sie hat das Start-Up „CareerFoundry“ gegründet, das unter anderem Sprach-Designer ausbildet. Rein ist sich sicher: Sprachsteuerung mithilfe von künstlicher Intelligenz ist im Kommen und werde sich überall dort durchsetzten, wo man beide Hände frei haben muss. Die Automobilindustrie habe das bereits erkannt und baue die neuen Modelle mit Cockpits, die mit Computern ausgestattet sind, die per Sprachbefehl gesteuert werden. So muss man die Hände etwa nicht vom Lenkrad nehmen, um das Navigationssystem zu bedienen. Sprachsteuerung werde auch in der Küche zur Anwendung kommen. Aber auch das lästige Merken von Passwörtern werde überflüssig gemacht. In vielen Ländern werden bereits Bankkontos per Stimmerkennung geöffnet. Auf einem Server ist der Klang der Stimme des Inhabers gespeichert und der Computer kann diesen erkennen.

Sprachassistenten: Segen und Fluch zugleich

Sprachassistenten befinden sich in Smartphones und in „smarten“ Geräten wie dem Echo von Amazon oder dem IPhone von Apple. Sie hören auf Namen wie Alexa oder Siri. Diese Sprachassistenten funktionieren über Mikrophone, die uns ständig zuhören. Das müssen sie, um zu erkennen, wann das Schlüsselwort wie „Hey Alexa!“ gesprochen wird. Dann wird die künstliche Intelligenz aktiviert. Unsere Frage wird über das Mikrophon aufgenommen und auf einem Rechner beziehungsweise in der Cloud verarbeitet. Die Gespräche zwischen uns und dem Sprachassistenten werden aufgezeichnet.

Das geschieht nicht immer in Kenntnis der Nutzer, und man hört immer wieder von Pannen im System. Und das kann manchmal lustig, aber auch unangenehm für den User werden. Wie die BBC“ berichtete, hat das smarte Sextoy „LOVENSE Lush“ beispielsweise Geräusche während der Nutzung aufgezeichnet und auf dem Handy der Nutzer gespeichert – ohne dass sie es wussten oder dem zugestimmt hätten. Der Hersteller habe den Vorfall als einen „kleinen Fehler“ bezeichnet. Ein kleinerer Skandal im Vergleich zu dem, was sich eine kanadische Firma Anfang des Jahres geleistet hat. Die mit dem Internet verbundenen Sexspielzeuge der Firma hatten Daten über das Sexleben der Kunden zurück an die Firma gesandt. Der Hersteller musste eine Strafe von 2 Millionen Pfund zahlen.

„Bequemlichkeit wird siegen“

Auch wenn man beim Benutzen von Sprachassistenten ein Risiko eingeht, was die Privatsphäre betrifft, werde die „Bequemlichkeit siegen“, sagt der Datenexperte Marco Maas, der selbst über 150 Smart-Home Geräte im Haus hat. Seine Smart-Home-Armee trackt und misst, ob er zu Hause ist, wie voll der Kühlschrank ist und scheucht ihn vorzeitig aus dem Bad, wenn auf dem Weg zur Arbeit Stau droht. Datenschutz müsse laut Maas aber auch beim Internet der Dinge nicht auf der Strecke bleiben. So werde die EU im Mai 2018 eine neue Datenschutzverordnung verabschieden, die es Unternehmen vorschreibt, nur unter Einwilligung der Nutzer persönliche Daten zu verarbeiten. Auch müssten dann Unternehmen, unabhängig, ob sie in Europa ansässig sind oder nicht, transparent machen, was sie mit den Daten der User machen. Fazit: Die smarten Geräte sollen uns kennen, unsere Geheimnisse aber bitte nicht weitersagen, so Maas. Es sei denn, wir wünschen es.

Und dennoch: Es wird viel zu wenig darüber gesprochen, was die Sprachassitenten hören, wo sie es speichern und was mit den Daten passiert. Viele Menschen finden nach wie vor, dass sprechende Maschinen irgendwie gruselig sind. Auch wenn die CI-Befürworter sich einig sind, dass kommunizierende Computer uns das Leben in der Zukunft sehr viel einfacher machen werden, so müssen die Maschinen noch viel lernen. Zum Beispiel, wie sie unser Vertrauen gewinnen können.

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Agata Strausa, Jahrgang 1989, ist gebürtige Lettin, Spitzensportlerin und denkt dreisprachig: Deutsch, Englisch und Lettisch. Täglich läuft sie im Stadtpark oder um die Alster und kommt schnell mal auf 100 Kilometer in der Woche. Sie ist über die 5000 Meter die schnellste aller Lettinnen und hat schon in diversen Disziplinen an Europameisterschaften teilgenommen. In Florida hat Agata ihren Bachelor in Kunstgeschichte und BWL gemacht. Zurück in Hamburg entdeckte sie als Social-Media-Managerin in der Sportbranche die Freude an der Kommunikation. Außerdem gefällt ihr minimalistisches Design. Visuelle Ästhetik spielt selbst dann eine große Rolle, wenn sie To-do-Listen schreibt.