Ist Kleidergröße gleich Kleidergröße? Während in einem Laden 38 passt, hat man plötzlich im anderen 40. FINK.HAMBURG erklärt, woran das liegt und wie sich die Maße der Größen zusammensetzen.

Nicht immer passt das, was passen soll: Dass in verschiedenen Geschäften immer unterschiedliche Kleidergrößen sitzen, hat wohl jeder mal erlebt. Aber warum haben die gleichen Größen unterschiedliche Maße und wie ergeben die sich eigentlich?

Trotz allgemeiner Messdaten nicht immer dieselbe Größe

Wieso passt dann trotzdem nicht immer die gleiche Größe? Einerseits werden die erstellten Maßtabellen nur den Firmen zu Verfügung gestellt, die am Projekt „SizeGermany“ beteiligt waren. Andererseits sind die Bekleidungshersteller nicht verpflichtet, die gewonnenen Informationen für ihre Kleidergrößen zu verwenden. Jedes Unternehmen kann seine eigene Maßtabelle erstellen und die Kleidergrößen entsprechend selbst zusammensetzten. Hinzu kommt, dass die meisten Bekleidungsunternehmen ihre Design-Departments im Ausland ansiedeln. Die Maße können deshalb auch länderbezogen anders ausfallen.

SizeGermany
„SizeGermany“ ist eine repräsentative deutsche Reihenmessung, die als Gemeinschaftsprojekt des internationalen Textilforschungszentrums Hohenstein Institute in Bönnigheim und der Human Solutions GmbH in Kaiserslautern, dem führenden Hersteller für Bodyscanning, umgesetzt wird.

Auch die Studierenden der HAW Hamburg arbeiten im Studiengang „Bekleidung – Technik und Management“ mit den Maßtabellen des Hohensteiner Instituts. Im Fach Technische Produktrealisierung müssen die Studierenden über die ermittelten Maße Schnitte für ihre Semesterarbeiten entwickeln. Über die vorgegebenen Angaben sind die Maße der einzelnen Konfektionsgrößen im Studiengang somit immer gleich – doch was sagen die Studierenden zum Kleidergrößenunterschied der Bekleidungsunternehmen? Bekleidungstechnik-Studentin Jennifer Casimiro steht Rede und Antwort.

„Der Griff zum Maßband hilft“

FINK.HAMBURG: Du selbst erstellst Bekleidungsschnitte im Schnitttechnikunterricht. Dafür verwendest Du die Hohensteiner Maßtabellen. Hältst Du diese für sinnvoll?

Jennifer Casimiro: Mehr als sinnvoll. Über die Durchschnittswerte der Körpermaße können die idealen Konfektionsgrößen erstellt werden. Immerhin deckt der Durchschnitt die Mehrheit ab. Schwierig ist es für die Menschen, die aus der Reihe fallen. Dafür gibt es dann die Maß-Konfektion oder die Individual-Schneiderei.

Kennst Du als angehende Bekleidungstechnikerin auch das Problem der verschieden sitzenden Kleidergrößen unterschiedlicher Bekleidungshersteller?

Im meinem Kleiderschrank befinden sich Kleidergrößen von 34 bis 42. Ich muss zugeben, ich trage gerne Kleidung in Oversize und kaufe sie deshalb immer größer. Das hat den Vorteil, das einfach alles passt. Aber trotzdem habe ich auch das Problem, dass ich bei jedem Anbieter eine andere Größe trage.

Wie findest Du die richtige Kleidergröße?

Der Griff zum Maßband hilft. Hat man einmal die eigenen Maße des Körpers erfasst, können sie mit den Angaben der Kleidergrößen des jeweiligen Bekleidungsgeschäfts abgeglichen werden. Über diesen einfachen Weg kann die am besten passende Größe ermittelt werden. Ob dann eine Größe 38 oder 40 passt, hat keine Bedeutung mehr. Am besten macht man sich eine kleine Notiz, welche Größe in beliebigen Geschäften am besten passt.

Hast Du eine Lösung für das Problem der Größenunterschiede?

Es gibt keine. Das Problem wird weiterhin bestehen, denn in jedem Land sind die Körpermaße unterschiedlich und jedes Unternehmen hat das Recht, die Maße seiner Kleidergrößen selbst zu definieren. Da die Designdepartments der Kleidungshersteller in unterschiedlichen Ländern sitzen, werden die durchschnittlichen Maße der Bevölkerung des Lands für die Schnitte verwendet. Man kann sich nur bemühen, eine Marke zu finden, bei der die Maße einer Konfektionsgröße annähernd den eigenen Individualmaßen ähneln. Ich kenne genau die Marken, die gut zu mir und meinen Körpermaßen passen. Verschiedene Labels auszuprobieren hilft.

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Cherifa Akili, Jahrgang 1991, hat einen Spleen: Bevor sie duscht, spült sie die Shampoo-Flasche ab, um nicht mit den daran haftenden Keimen in Berührung zu kommen. So sorgfältig ist die gebürtige Bremerin mit ghanaischen Wurzeln auch, wenn es um Mode geht. Während ihres Bachelor-Studiums „Bekleidung – Technik und Management“ startete sie ihren Blog curlsallover.com mit eigenem Instagram-Account. Dort hat sie 9.000 Follower, denen sie neue Mode- und Lifestyle-Trends zeigt. Außerdem organisierte sie für das Label Closed (ein großes Modelabel) Fotoshootings – von der Auswahl der Fotografen bis zum Druck der Kampagnenplakate. In ihrer Freizeit treibt sich Cherifa mit Hip-Hop und R'n'B im Fitnessstudio zu Höchstleistungen an.