Verlässt Großbritannien die Europäische Union ohne Abkommen oder kommt es doch noch zu einem geregelten Brexit? Während Europa rätselt, kommt heraus: Hamburg hat jede Menge britische Neubürger*innen. Das ist kein Zufall. 

Dieses Jahr gruselt sich die gesamte Europäische Union vor Halloween. Wegen des möglichen bevorstehenden Brexits zum 31. Oktober lassen sich mehr Brit*innen als je zuvor in Hamburg einbürgern. Das gab die Hamburger Innenbehörde am Donnerstag bekannt. 608 in Hamburg lebende britische Staatsbürger*innen haben 2019 bereits die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Damit bekamen aus keinem anderen Land mehr Bürger*innen die deutsche Staatsbürgerschaft in Hamburg verliehen. Auf Platz zwei und drei landeten die Herkunftsländer Afghanistan und Türkei.

Die Stadt Hamburg verspricht hier lebenden Brit*innen einen „unbürokratischen Zugang“ bei der Beantragung eines Aufenthaltstitels. Im Hinblick auf den Ausstieg Großbritanniens aus der EU Ende Oktober verschickte das Einwohner-Zentralamt englischsprachige Infos an alle in Hamburg lebenden volljährigen britischen Staatsbürger*innen. „Unser Ziel ist, dass alle Britinnen und Briten, die in Hamburg ihre Heimat sehen, auch hierbleiben können“, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote.

Wie steht es gerade um den Brexit?

Nach langen Auseinandersetzungen haben sich die EU und Premierminister Boris Johnson auf einen Brexit-Vertrag einigen können. Das bestätigten sowohl EU-Komissionspräsident Jean-Claude Juncker als auch Premierminister Boris Johnson auf Twitter. Kurz darauf gaben sie in einer Stellungnahme bekannt, es sei keine Verlängerung für Verhandlungen nötig.

Was steht im neuen Brexit-Abkommen?
Die meisten Details des neuen Deals entsprechen den Vereinbarungen mit der EU, die schon Ex-Premierministerin Theresa May durch das Parlament bringen wollte.
Der Johnson-Vertrag thematisiert besonders die Grenzfrage zu Irland. Laut einer neuen Regelung würde Nordirland im Zollgebiet und im europäischen Binnenmarkt bleiben, bis ein Freihandelsvertrag zwischen Großbritannien und der EU abgeschlossen ist.

Für Johnson und Juncker ist ein geregelter Brexit zum 31. Oktober also besiegelt. Allerdings müssen dafür noch zwei Hürden genommen werden: Zunächst muss das britische Parlament dem Vertrag zustimmen. Dafür kommt es erstmals nach 37 Jahren an einem Samstag zusammen. Johnsons Konservative Partei hat im Unterhaus aber keine eigene Mehrheit, deshalb ist unklar, ob er überhaupt genügend Stimmen für diesen neuen Vertrag bekommen wird. Hinzukommt, dass die nordirisch-protestantische DUP das Abkommen noch immer ablehnt. Und auch Labour-Parteichef Jeremy Corbyn ist „unglücklich“ mit dem Abkommen. Seine Partei könne den Deal nicht unterstützen und er fordert das Parlament zur Zurückweisung auf.

In einem Telefonat mit Juncker soll Johnson nach Angaben von „Spiegel Online“ aber klargemacht haben, dass er glaube, diese Hürde nehmen zu können. Danach hätte das Europäische Parlament das letzte Wort und entscheidet, ob das Abkommen akzeptiert wird.

Lest hier, welche Folgen der Brexit für Studierende hätte!

Erstellt von Laura Bieler mit Timeline Knightlab. Bildquelle: Pixabay

Titelfoto: Pixabay

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Laura Bieler, Jahrgang 1997, kennt jeden Pizzaofen ihrer Heimatstadt Hamburg. Hier studierte sie International Business Management mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikation. Während eines Auslandssemesters in Paris perfektionierte sie ihr Französisch und besuchte die Paris Fashion Week. Direkt im Anschluss übernahm Laura bei einem Praktikum auf Mallorca die Marketing-Leitung eines Immobilienbüros. Reiten, Leichtathletik und Volleyball: Ihr sportliches Repertoire konnte sie auf der Insel noch um Surfen und Stand-Up-Paddling erweitern. Zurück in Hamburg arbeitete sie als Online-Redakteurin bei “Fit For Fun” und schwitzte beim Testen von Fitness-Apps. Kürzel: lab
Astrid Benölken, Jahrgang 1993, hat als Kind sogar die Erziehungsratgeber ihrer Eltern gelesen, wenn ihr die Lektüre ausging. Zu ihren Lieblingsbüchern zählen Klassiker von Goethe, aber auch neue Werke, wie die des Nobelpreisträgers Ishiguro. Für ihr Ressortjournalismus-Studium mit Schwerpunkt Kultur zog Astrid aus dem kleinen Ort Seppenrade im Münsterland ins bayerische Ansbach. Nach dem Studium reiste sie mit dem Rucksack durch Südamerika, Osteuropa und Indien. Als Journalistin hat sie schon für die „Westfälischen Nachrichten“, „Faz.net“, den „Bayerischen Rundfunk“ und die „Süddeutsche Zeitung“ gearbeitet – am liebsten zu Kulturthemen. Kürzel: abe