Flucht aus der DDR

„Ich habe gedacht, ich wäre im Paradies angekommen“

Heute erinnern noch die Reste der Berliner Mauer und Geschichten von Zeitzeug*innen daran, dass Deutschland 40 Jahre lang geteilt war. Für Millennials ist das nur noch schwer vorstellbar. FINK.HAMBURG hat mit einer Zeitzeugin gesprochen.

Keine Reisefreiheit, eine begrenzte Auswahl an Lebensmitteln und geforderte Linientreue: Das war im Osten Deutschlands vor etwas mehr als 30 Jahren noch Realität. Barbara Meier von Rouden, 1951 in Leipzig geboren, wuchs in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auf. Schon in der Schule merkt die heute 68-Jährige allerdings, dass es ihr schwerfällt, sich mit den Werten und Vorgaben des Regimes der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zu identifizieren.

Sie stellt mehr als 30 Ausreiseanträge. Am 15. März 1984 ist es schließlich soweit, sie darf nach Hamburg ausreisen. Barbara Meier von Rouden steigt in Ost-Berlin in den Zug und erst in den Hamburger Wandelhalle wieder aus. Noch heute erinnert sie die Blumen-Station am Hauptbahnhof an ihre Ankunft. In der DDR gab es nur selten Schnittblumen in einer solchen Farbenpracht. Wie viel sie für die Ausreise riskiert hat, erzählt sie im Video:

80.000 Mark kostete die Flucht

Noch heute berührt sie die Geschichte, wenn Barbara Meier von Rouden von der Flucht ihres damaligen Mannes erzählt, der im Kofferraum eines Diplomatenfahrzeuges von Prag aus über die Grenze gelangt war.

„Das gängigste Mittel für den Fluchtversuch über die Grenze waren Fahrzeuge. Da gab es alle möglichen Verstecke und ausgebauten Hohlräume“, weiß der Historiker Christoph Strupp von der Hamburger Forschungsstelle für Zeitgeschichte. „Diplomatenfahrzeuge hatten den Vorteil, dass sie nicht kontrolliert wurden.“ Genutzt worden sind dem Historiker zufolge oft die Ende 1971 vereinbarten Transitstrecken von West-Berlin in die Bundesrepublik.

Dabei war die Fluchthilfe selten ein gemeinnütziger Akt. Es habe ein buntes Bild an Fluchthelfer*innen gegeben, erklärt Strupp. Neben ehemals selbst Geflüchteten, die eher aus ideologischem Antrieb halfen und weniger Geld verlangten, gab es auch kommerzielle Strukturen und zum Teil bereicherten sich auch Kriminelle an den Übersiedlern. „Aber 80.000 Mark waren schon eine sehr hohe Summe“, so der Historiker.

So viel kostete Barbara Meier von Roudens Familie die Flucht ihres heutigen Ex-Mannes. Bis weit nach der Wende musste sie die Summe mit abbezahlen.

Trabi-Schlangen auf der Reeperbahn

Die Grenze zur DDR verlief keine 30 Kilometer von Hamburgs Stadtrand entfernt. Als am 9. November 1989 überraschend die Mauer fiel, strömten allein am ersten Wochenende rund 100.000 DDR-Bürger nach Hamburg. Trabis schlängelten sich entlang der Reeperbahn. Die Stimmung war euphorisch.

Fast 20.000 DDR-Übersiedler*innen zogen allein in den Jahren 1989 und 1990 in die Hansestadt. Für Hamburg, schon damals mit einem angespannten Wohn- und Arbeitsmarkt, auch eine Herausforderung. Tausende Übersiedler mussten in den ersten Wochen in Turnhallen, auf Wohnschiffen und in Wohnwagen untergebracht werden. Dass es für die Neuankömmlinge im Westen Begrüßungsgelder und Eingliederungsmaßnahmen gab, führte auch zu Protesten in der Bevölkerung.

Alleine in den vier Jahren nach dem Mauerfall kostete die deutsche Einheit Hamburg mehr als eine halbe Milliarde Deutsche Mark. „Insgesamt hat die Stadt aber enorm vom Mauerfall profitiert und ist eher ein Wendegewinner“, so Christoph Strupp. Es habe aber auch DDR-Übersiedler*innen gegeben, die im Westen scheiterten und wieder zurückgingen, sagt er.

Barbara Meier von Rouden hat ihre Ausreise nie bereut, auch wenn es etliche Hürden gab. Hamburg ist ihre neuen Heimat geworden.

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Laura Bieler, Jahrgang 1997, kennt jeden Pizzaofen ihrer Heimatstadt Hamburg. Hier studierte sie International Business Management mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikation. Während eines Auslandssemesters in Paris perfektionierte sie ihr Französisch und besuchte die Paris Fashion Week. Direkt im Anschluss übernahm Laura bei einem Praktikum auf Mallorca die Marketing-Leitung eines Immobilienbüros. Reiten, Leichtathletik und Volleyball: Ihr sportliches Repertoire konnte sie auf der Insel noch um Surfen und Stand-Up-Paddling erweitern. Zurück in Hamburg arbeitete sie als Online-Redakteurin bei “Fit For Fun” und schwitzte beim Testen von Fitness-Apps. Kürzel: lab
Sandra Jütte, Jahrgang 1985, hat schon beim Imperium gearbeitet. Aber keine Sorge: In diesem Fall ist das eine Schauspielagentur in Berlin. Für ihr Studium der Wirtschaftskommunikation zog sie von Niedersachsen in die Bundeshauptstadt, bevor sie für ein Reisemagazin die Straßen Kapstadts erkundete. Dem Lokaljournalismus blieb sie während ihres Volontariats bei der "Märkischen Oderzeitung" in Brandenburg treu. Die Themen waren dort sogar spannender: Sandra schrieb unter anderem über einen entführten Dackel, den Sexshop im 5000-Seelen-Dorf und dreifachen Mord. In ihrer Zukunft sieht sie sich im Online- oder Fernsehjournalismus, denn sie will mehr als nur Print. Schokolade zum Beispiel. Kürzel: sju
Isabel Surges, Jahrgang 1994, ist bilingual aufgewachsen. Von ihrem Vater hat sie nicht nur die spanische Sprache gelernt, sondern auch ihren venezolanischen Zweitnamen bekommen: Yahaira. In Venezuela war sie zwar noch nicht, dafür allerdings mit dem Rucksack in Australien und für ein Semester in Málaga. Einen Kulturschock erlebte die gebürtige Düsseldorferin aber erst durch ihren Umzug nach Köln. Dort studierte sie Medienkulturwissenschaften sowie Germanistik und experimentierte mit neuen Formatideen im Innovationslabor der Filmproduktionsfirma Ufa. Auf deren Partys spielte sie unter anderem mit Joe Gerner Tischtennis. Als Community Managerin in den Kommentarspalten des WDR lernte sie auch die raueren Seiten des digitalen Diskurses kennen. Zuletzt schrieb sie für die Kulturredaktion der Deutschen Welle – oder wie Yahaira sagen würde: La ola alemana. Kürzel: isu
Lisa Sophie Kropp, Jahrgang 1994, braucht zum Feierabend kein Bier, sondern ein Stück Käse. Für ihren Bachelor in Inklusiver Pädagogik pendelte sie drei Jahre lang von Hamburg nach Bremen und kann seitdem in jeder Bahn schlafen. Nach dem Studium lernte sie in Australien Wein herzustellen, schlürfte Pho in Vietnam und ergriff auch in Thailand Pad Thai für gutes Essen. Zurück in Hamburg stieg sie konsequenterweise als freie Mitarbeiterin des Magazins „Food and Travel“ ins Berufsleben ein. Für das „Hamburger Abendblatt“ schrieb sie über die besten Grillplätze und das Kulturprogramm Harburgs. Neben den Deichtorhallen und dem Deutschen Schauspielhaus findet man Lisa häufig im Abaton. Sie liebt deutsche Filme – aber nicht Matthias Schweighöfer. Der ist ihr zu cheesy. Kürzel: lis

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