Yoga, To-do-Listen oder Kaffee – FINK-Redakteurin Aniko hat einiges probiert, um im Homeoffice fokussierter zu arbeiten. Doch keine der Maßnahmen hat funktioniert. Ob die passende Musik die Produktivität steigert?

Zwei Bildschirme auf dem höhenverstellbaren Schreibtisch, der Blick aus dem Fenster ins Grüne und der Kühlschrank zehn Schritte entfernt – die Arbeitsbedingungen im heimischen Büro sind perfekt. Dennoch, ich bin seit Oktober zurück am Schreibtisch in den eigenen vier Wänden, und seitdem versteckt sich meine Produktivität.

Die Homeoffice-Life-Balance hängt schief

Heute zwei Workshops und die Deadline für den nächsten Artikel? Super, dann kann ich noch easy nebenbei die Wäsche machen, bei der Krankenkasse anrufen und ein neues Thema anrecherchieren. Mit diesen Gedanken starten meine Tage zu 99 Prozent. Es hat auch Vorteile, von daheim aus zu arbeiten. Und was büße ich schon ein, wenn ich neben der Vorlesung noch schnell sauge und die Blumen gieße? Dann bin ich doch nachher umso produktiver an meinen Texten.

Doch schon mittags hängt meine Homeoffice-Life-Balance meist schief. Während ich in zwei Videokonferenzen gleichzeitig eingeschaltet bin, versuche ich den Tee aufzuwischen, den ich über den Tisch gekippt habe, und parallel dazu die Interviewpartnerin zu erreichen, deren verpassten Anruf ich eben erst bemerkt habe.

Mit Methodik zu mehr Produktivität

Die Ablenkung ist meine größte Feindin. Nach zahlreichen chaotischen Homeoffice Monaten sage ich ihr nun den Kampf an.

Ich probiere Yoga am Morgen und Kaffee am Abend, zwinge mich nach 30 Minuten Bildschirmzeit ins Grüne zu starren, schreibe To-do-Listen und verteile Prioritäten. Es hilft nichts. Das Eichhörnchen auf dem Baum vor meinem Fenster ist spannender als die Exceltabelle auf meinem PC. Und während einer Online-Pressekonferenz zu den Corona-Maßnahmen frage ich mich, ob ich die Kratzer auf meinem Holztisch mit dunklem Filzstift übermalen sollte?

Das Waschbären-Problem

Schließlich gibt mir ein Freund den Tipp, dass es sich durch bestimmte Musik fokussierter arbeiten lässt. Stunden verbringe ich damit, zwischen „Chill Beats“ und „Epic Music Mix“ die ideale Playlist zu finden. Es wird schließlich eine Liste, die im Video einen kleinen animierten Waschbären zeigt. Und tatsächlich, die Buchstaben scheinen zunächst von selbst auf den Bildschirm zu fliegen. Die richtige Musik macht es also.

Apropos machen: Was macht eigentlich der Waschbär….? Trinkt der im Video gerade Kaffee oder schläft er schon wieder? Wie lange tippt er eigentlich auf seinem Laptop, bevor die Animation wieder von vorne beginnt? Da fällt mir die Wäsche wieder ein. Schmeiße ich die jetzt an oder mache ich erst mal Mittagspause?

Was wollte ich eigentlich gerade machen?

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Es gibt keine Zeile im Film „My Fair Lady“, die Aniko Schusterius, Jahrgang 1996, nicht fehlerfrei mitsprechen kann. Trotz dieses Talents, zehn Jahren Gesangsunterricht und ihres großen Interesses für Musicals hat sich die Berlinerin letztlich gegen eine Bühnen-Karriere entschieden. Nach dem Abitur arbeitete sie als Regie- und Produktionsassistentin in verschiedenen Kindertheatern. Dort musste sie unter anderem lernen, dass Luftballons auf einem Straßenfest eine hochkomplexe bürokratische Hürde darstellen können. Während ihres Bachelors in Theaterwissenschaften und Niederlandistik lebte sie ein halbes Jahr in Groningen. Dort fühlte sie sich wegen des entspannten Lifestyles wohl, und auch, weil sie mit ihren 1,82 Meter das erste Mal nicht auffiel. Für die „Berliner Zeitung“ veröffentlichte sie erste Kolumnen. Auch mit Radio kennt sie sich aus: An der „Frankfurter Hörfunkschule“ lernte sie texten und einsprechen. Vor dem Start an der HAW sammelte Aniko noch mehr Medien-Erfahrung durch Praktika bei „Radioeins“ und beim Fernsehkanal der „Welt“ in Berlin. Dort lauerte sie auch schon mal frühmorgens vor einem Hotel, um Gesundheitsminister Jens Spahn einen O-Ton zu entlocken. Kürzel: ans