Mit einer Blutspende kannst du in zehn Minuten bis zu drei Leben retten. Warum trotzdem immer weniger Menschen Blut spenden und was du vorher nicht tun darfst, erklärt Transfusionsmediziner Dr. Sven Peine. Außerdem berichtet unsere Redakteurin Julia von ihrer ersten Spende.

Text von Julia Chorus und Stine Schumacher, Kamera: Marie Arnemann 

Keinen künstlichen Ersatz für Blut

Transfusionsmediziner Dr. Sven Peine
Transfusionsmediziner Dr. Sven Peine. Foto: Marie Arnemann

Im Durchschnitt werden in Deutschland laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 15.000 Blutspenden für Operationen, die Behandlung schwerer Krankheiten und die Versorgung von Unfallopfern benötigt – pro Tag. Einige betroffene Personen sind dabei sogar auf 50 oder mehr Blutkonserven angewiesen. Mit einer Blutspende kann bis zu drei Menschen geholfen werden.

Da jedoch lediglich zwei Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig Blut spenden, könne der Bedarf nur zu 70 Prozent gedeckt werden, so Dr. Sven Peine, Transfusionsmediziner im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Eine Blutknappheit kann bei der Versorgung von Patient*innen gefährlich sein, denn anders als beispielsweise bei Kniegelenken gibt es für das menschliche Blut keinen künstlichen Ersatz. Peine sieht das Problem vor allem in der aktuellen Bevölkerungsentwicklung. Personen, die jahrelang Blutspender*innen gewesen seien, würden bald aufgrund der Altersgrenze von 68 Jahren nicht mehr spenden dürfen. Bereits heute liege in vielen Einrichtungen das Durchschnittsalter der Spender*innen bei über 50 Jahren.

Spendenbereitschaft in der Pandemie

Eine Studie der Universität Hamburg zeigt, dass die Spendenbereitschaft während der Covid-19-Pandemie deutlich abgenommen hat. Gleichzeitig haben Blutspenden in Verbindung mit der Sorge vor Infektionen noch mehr an Bedeutung gewonnen. Peine erklärt, dass bei erkrankten Covid-19-Patient*innen nach einem leichten Verlauf lediglich sieben Tage zwischen der Genesung und der nächsten Blutspende liegen müsse. Nach einer Erkrankung mit Fieber und schwerem Krankheitsgefühl sollen Spender*innen weitere vier Wochen warten. Es gilt vor allem jetzt: Wer gesund ist, darf Blut spenden.

Ein Liter Blut – drei Produkte 

Aus dem halben Liter Blut, der Spender*innen durchschnittlich abgenommen wird, können drei Blutprodukte gewonnen werden: die roten Blutkörperchen, das Blutplasma und die Blutplättchen.

Blutkonserven im Kühlraum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE)
Blutkonserven im Kühlraum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Foto: Marie Arnemann

In der Regel wird eine frische Blutkonserve innerhalb von etwa 60 Minuten nach der Spende ins Labor weitergeleitet und dort in den nächsten 20 Stunden weiterverarbeitet. Bevor eine Blutkonserve verwendet werden kann, durchläuft sie diverse Analysen. Die Mitarbeitenden im UKE bestimmen zuerst die Blutgruppe der Spende, so der Transfusionsmediziner. Dies ist sehr wichtig, da im Falle einer Blutübertragung die Blutgruppen von Spender*in und Empfänger*in kompatibel sein müssen. Trifft dies nicht zu, besteht die Gefahr einer Abwehrreaktion gegen das Spenderblut.

Nach dem Drogenkonsum Blut spenden?

Die Hä­mo­the­ra­pie-Richt­li­nien geben einen Überblick darüber, wer überhaupt Blutspenden darf. “In den Richtlinien ist ausgeführt, dass das Konsumieren von illegalen Substanzen zu einer Rückstellung oder dem Ausschluss von der Blutspende führt”, so Peine. “In unserer Einrichtung halten wir es so, dass wir ausführlich mit den Spender*innen sprechen und bei regelmäßigem oder seltenem Konsum von der Blutspende zurückstellen.”

Bei legalen Substanzen gibt es auch einige Vorgaben. Zwischen einem massiven Alkoholkonsum und einer Blutspende sollten mindestens drei Tage liegen. Ein Feierabendbier am Vortag sei laut Peine kein Ausschlusskriterium. Auch das Rauchen würde Personen nicht von einer Spende zurückstellen. Trotzdem empfiehlt der Mediziner, unmittelbar vor der Blutspende auf die Zigarette zu verzichten, da diese Auswirkungen auf die Qualität der Blutkonserve haben könne. 

Übrigens: Eine Spende wird entschädigt

Das Transfusionsgesetz definiert in Deutschland sämtliche Belange einer Blutspende, der Gewinnung von Blutprodukten und Blutbestandteilen sowie der Therapie mittels Bluttransfusion. Es ermöglicht unter anderem auch, dass Spender*innen eine Entschädigung für die Blutspende erhalten können. Diese steht immer in Relation zum Aufwand, den die Spender*innen eingehen. “Für uns im UKE bedeutet das, dass eine Blutspende ab dem zweiten Mal mit 23 Euro entschädigt wird”, sagt Peine.


Mein erstes Mal – ein Erfahrungsbericht

Ich bin Julia, FINK.HAMBURG-Redakteurin, und ich habe mich schon lange mit dem Thema Blutspende auseinandergesetzt. In meiner Familie gibt es Menschen, die bereits auf eine Bluttransfusion angewiesen waren. Wie meine allererste Spende abgelaufen ist, möchte ich euch gerne erzählen: 

Online suche ich mir einen Blutspendedienst in meiner Nähe heraus und registriere mich vor Ort. Danach fülle ich einen Fragebogen aus. Dieser soll sicherstellen, dass sowohl bei der Blutspende als auch bei der späteren Blutübertragung weder für mich noch für die Empfängerin oder den Empfänger ein gesundheitliches Risiko besteht. 

Danach werden mein Hämoglobinwert, der Blutdruck sowie die Temperatur gemessen. Ich führe ein kurzes Gespräch mit einem Arzt, der vor Ort entscheidet, dass ich Blut spenden darf. Innerhalb von zehn Minuten spende ich einen halben Liter Blut. Damit das Blut besser fließen kann, knete ich einen Gummiball in meiner Hand.

Nach der Spende bleibe ich für weitere zehn Minuten auf der Liege sitzen, damit sich mein Kreislauf etwas erholen kann. Ich bin überrascht, wie schmerzfrei und unkompliziert das Ganze lief. Für mich steht fest: Das wird nicht meine letzte Blutspende gewesen sein. Denn heute bin ich in nur zehn Minuten zur Lebensretterin geworden.

Und jetzt du!

Transfusionsmediziner Dr. Peine sagt, dass eine Blutspende zu jeder Zeit sinnvoll und überlebenswichtig sei. Wer Leben retten möchte, findet hier die Blutspendedienste in Hamburg. 

Mit unserer Checkliste kannst du schauen, ob du für eine Blutspende momentan in Frage kommst:

Checkliste für deine (erste) Blutspende

  • Du bist mindestens 18 Jahre alt und wiegst über 50 Kilogramm.
  • Du besitzt einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.
  • Du fühlst dich am Tag der Blutspende gesund und fit.
  • Du hast vor der Spende ausreichend gegessen und getrunken.
  • Du hast mindestens zwölf Stunden vor der Blutspende keinen Alkohol getrunken.
  • Du hast dir in den letzten vier Monaten kein Tattoo oder Piercing stechen lassen.

Du kannst bereits online einen ausführlichen Check durchführen, um zu prüfen, ob du alle grundlegende Voraussetzungen für eine Blutspende erfüllst.