Paula Hartmann hat das geschafft, wovon viele Newcomer*innen träumen: Einen Slot auf dem berühmten Reeperbahnfestival in Hamburg zu bekommen. Verdient? FINK.HAMBURG hat ihr Konzert besucht.

Von Laura Reichhart, Foto: Marvin Contessi

Der mit bunten Scheinwerfern ausgeleuchtete Ballsaal des Uebel & Gefährlich ist voll. Jedoch nicht so voll, dass man den Partyschweiß seiner Nachbar*innen riechen kann.

Als Paula Hartmann auf die Bühne kommt und mit ihrem Song „Seidenkleid“ loslegt, fangen alle an zu schreien. Sie zieht das Publikum sofort in ihren Bann. Die erst 21-jährige verkörpert nicht nur musikalisch sondern auch äußerlich die Gen Z. Sie trägt große Creolen-Ohrringe, eine blaue Bomberjacke und hat die Haare mit großen, bunten Spangen nach hintengesteckt. Bisschen 90’s, bisschen Vintage.

Ihre Musikkarriere beginnt genau hier, in Hamburg. Ursprünglich in Berlin geboren und aufgewachsen, zieht Paula Hartmann im Laufe der Jahre nach Hamburg. Sie lernt den Musikproducer und Singer-Songwriter Friso kennen, mit dem sie ihre Leidenschaft ausleben kann: Musik. Hip-Hop. Von Oldschool Hip-Hop-Samples bis hin zu modernen Trap-Elementen. Sie schreibt und singt für ihn.

Im Sommer 2021 releast Paula Hartmann „Nie verliebt“, ihre erste Single. Es folgen Songs wie „Truman Show Boot“ und „Fahr uns nach Hause P1“. Alle Songs entstehen in Zusammenarbeit mit dem Musikproduzenten Biztram, der bereits mit Rapper Prinz Pi arbeitete. Bekannte, digitale Musikmagazine wie „DIFFUS“, „HipHop.de“ und „Backspin“ werden auf die 21-jährige Newcomerin aufmerksam und feiern ihre Musik.

Paula Hartmann: Ungewöhnlich gut

Hartmanns bester Freund und Musikproducer Friso steht an diesem Abend an den DJ-„Turntables“. Er ist für die fetten Beats zuständig. Die Boxen sind sehr laut. Der Beat vibriert in der Brust. Sich dazu nicht zu bewegen, ist unmöglich.

Paula Hartmann beginnt ihr Konzert mit den bekanntesten Songs. Das überrascht – und enttäuscht auch etwas. „Kein Happy End“ und „Veuve“ bringen die Crowd zum Durchdrehen, aber nehmen die Dynamik des Konzerts ein wenig raus. Die Banger gehören an den Schluss.

Dann kommt „Babyblau“. Für diesen Song, erzählt Hartmann dem Publikum, habe sie die blaue Bomberjacke angezogen. „Babyblau“ ist poppiger als die anderen Songs. Er handelt vom Nachtleben in der Hamburger City. Mitten in der Nacht mit der Crew unterwegs sein mit „Drei, vier Dosen Cider“ und schon hat man das Gefühl das „Leben lebt sich leichter“. Diese Leichtigkeit spürt man auch im Ballsaal in diesem Moment. Alle tanzen, alle feiern. Es bildet sich sogar ein kleiner Moshpit. Moshpits zu einem poppigen Hip-Hop-Song? Ungewöhnlich, aber bei Paula Hartmann geht auch das.

Paula Hartmann kann auch Cover

Dass sie auch auf Englisch performen kann, beweist sie während ihres Konzerts mit einem kurzen Cover des Songs „Another Love“ von Tom Odell. Warum covern, wenn man eigene gute Musik hat? Der Song ist unpassend, nicht notwendig. Ihre eigene Musik hatte bis dahin schon alle abgeholt. Während des Songs singt die 21-jährige eine Oktave über die Stimme von Tom Odell drüber, was an manchen Stellen etwas unsauber klingt. Das Publikum wirkt gespalten. Manche feiern den Coversong, manche sind perplex. Das Gefühl bleibt, dass sie den Coversong vor allem für sich selbst macht, weil er ihr gut gefällt.

Ich war noch nie verliebt

Der Letzte Song des Abends wird angestimmt: „Nie verliebt“. Das Publikum ist textsicher. Jede Zeile wird mitgeschrien, die Hände in der Luft. „Wo fällt die Liebe hin?“, singt Hartmann, „Wo muss ich stehen, um sie zu fangen?“ antwortet das Publikum. Während sie singt, sind ihre Augen geschlossen und die Stimme ist leicht am zittern. Der Song berührt die Menschen im Saal. Sie kündigt ihre erste Tour für das nächste Jahr an und verabschiedet sich mit tosendem Applaus von der Bühne. Die Leute schreien nach einer Zugabe, aber die Lichter gehen langsam an. Die Show ist vorbei.

Poesie auf dem Reeperbahnfestival

Paula Hartmanns Musik ist nicht nur für die Gen Z. Sie berührt alle Altersgruppen im Ballsaal. Ihre Texte haben Tiefgang, sind poetisch, mitreißend, einfach gut. Die Hip-Hop-Beats sind stark und haben auch noch nach dem Konzert in meiner Brust vibriert. Ihre Gesangsstimme ist top. Das leichte Kratzen in ihrer Voice ist markant und hat Wiedererkennungswert. Sie braucht kein Autotune, wie einige ihrer Kolleg*innen aus dem Hip-Hop-Bereich. Insgesamt ein sehr schönes Konzerterlebnis. Hartmanns erste Tour 2023 sollte man definitiv nicht verpassen.