Die Stadt will die Gelder für die Schulbegleituing kürzen. Betroffene und Unterstützer rufen zu Protesten am Mittwochnachmittag am Jungfernstieg auf.
Aus Protest gegen die geplanten Kürzungen bei der Schulbegleitung inklusiver Kinder im kommenden Schuljahr rufen Eltern und Organisationen am Mittwoch zu einer Demonstration auf. Mittwoch um 16 Uhr treffen sich Betroffene und Unterstützer*innen am Jungfernstieg, um gegen das Vorhaben zu demonstrieren. Mehr als 20.000 Menschen haben bereits eine Online-Petition gegen die Kürzungspläne unterzeichnet.
Mehr Schulbegleitung, höhere Kosten
Laut der aktuellen Schuljahresstatistik sind 15.606 Schülerinnen und Schüler sonderpädagogisch förderbedürftig – das sind knapp 1.100 mehr als im vorangegangenen Schuljahr. Tatsächlich steigt die Zahl der bewilligten Schulbegleitungen seit Jahren an: Während im Schuljahr 2011/12 noch etwa 460 Fälle dokumentiert wurden, waren es im vergangenen Schuljahr laut Behörde bereits 3.226.
Dieser Anstieg geht mit massiven Kosten einher: Von 6,75 Millionen Euro im Jahr 2014 stiegen die Ausgaben bis 2024 auf fast 32,6 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr lagen sie sogar bei 42,15 Millionen Euro.
Schulbegleitung auf der Kippe
Die Schulbehörde hat im Juni ein Schreiben unter anderem an die Hamburger Schulen verschickt. In dem Schreiben heißt es, dass Schulbegleitung eine „nachrangige, helfende Unterstützung und keine Bildungs- und Erziehungstätigkeit“ sei.
Pädagogische Fachkräfte nur noch in Ausnahmefällen, das könnte somit die Zukunft sein. Im ersten Schuljahr ist schon eine Schulbegleitung generell nicht mehr vorgesehen.
Stattdessen sollen künftig Bildungsangebote und außerschulische Maßnahmen zum Einsatz kommen. „Soweit nach einem Schulbesuchsjahr mit diesen Maßnahmen keine angemessene Teilhabe gelungen ist, kann Schulbegleitung als nachrangige Hilfe erörtert werden“, heißt es in dem Schreiben vom 10. Juni.
Auch das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) soll effizienter genutzt werden. FSJler sollen die Kinder auf dem Schulweg und während des Unterrichts begleiten. Desweiteren gibt es eine weitere Änderung. Wenn eine Schule oder eine soziale Einrichtung keinen FSJler findet, verfällt dieses Geld künftig und kann nicht mehr in Stellenanteile für Fachkräfte umgewandelt werden.
Starke Kritik, stärkerer Protest
Besorgte Eltern, Sozialverbände, Träger oder die Gewerkschaft GEW und die Partei Die Linke: Viele Stimmen kritisieren die Maßnahmen der Hamburger Politik scharf. Durch die Pläne sollen 30 bis 50 Prozent der Kosten eingespart werden. Das hat zur Folge, dass zahlreiche Schulbegleitungs-Fachkräfte wegfallen könnten. Mehr als 2.000 Stellen sind betroffen und das betrifft vor allem Frauen. Bei den Trägern liegt der Frauenanteil der Beschäftigten bei 80 bis 90 Prozent.
Das Ziel der Protestierenden ist klar: Es dürfen keine Mittel gekürzt werden, die das Wohl von Kindern mit Inklusionsbedarf betreffen – und dazu gehören die Gelder für die Schulbegleitung. Solche Änderungen dürfen nicht beschlossen werden, ohne Elternvertretungen, Betroffenenverbände und Träger einzubeziehen. Neben mehr politischer Teilhabe verlangen die Protestierenden Transparenz: Familien müssen künftig leichteren Zugang zu Informationen über die Bewilligung, den Umfang und die Qualifikation der Schulbegleitung erhalten.
mut/dpa
Sozial ist Murat Demirel, geboren 1995 in Elmshorn, oft eher im Energiesparmodus - aber seine Interessen lebt er mit einer "Fuck it, ich mache es"-Mentalität aus. Damit ergatterte er zwei Jobs bei den Magazinen Sumikai (Thema: Japan) und MoreCore (Thema: Musik mit Gitarren). Parallel studierte er Ökotrophologie und weiß deshalb, wie man mit Stevia unangenehme Geschmacksrichtungen zum Verschwinden bringt. Jetzt will er mit seiner Arbeit eher Dinge sichtbar machen, die er wichtig findet; das hat er aus den Heldengeschichten seiner Kindheit, den Animes: Er liebte “One Piece” schon, bevor es alle kannten, trägt aber lieber Cap statt Strohhut. Das Abenteuer Journalismus setzt bei Murat jetzt jede Menge Energie frei. Kürzel: mut







