2000 Demonstranten March for Science in Hamburg Rathausmarkt Uni
Rund 2000 Demonstranten zogen beim March for Science in Hamburg vom Rathausmarkt zur Uni. Foto: Christophe Gateau, dpa

Trillerpfeifen, Fahnen und Transparente: Am Samstag haben rund 2000 Menschen in der Innenstadt für die Wissenschaft demonstriert. Hamburg war damit eine von 600 Städten weltweit, die sich am March for Science beteiligt hat.

Am Samstag sind rund 2000 Menschen zwischen Rathausmarkt und Universität auf die Straße gegangen, um für die Bedeutung von Wissenschaft, Fakten und Evidenz zu demonstrieren. Der Protest fand insgesamt in 22 deutschen und rund 600 internationalen Städten statt. In Deutschland haben sich nach Angaben der Veranstalter mehr als 37.000 Menschen an der Aktion March for Science beteiligt.

Emotionen und alternative Fakten

„Wissenschaft muss geschützt werden“, sagte Julia Offe FINK.HAMBURG im Vorfeld der Aktion. Sie ist Molekularbiologin und Mitorganisatorin des March for Science in Hamburg. Zu oft würden wissenschaftlich belegte Tatsachen durch Meinungen, Emotionen, wirtschaftliche oder politische Interessen verdrängt. Begriffe wie „postfaktisch“ und die durch Trump-Beraterin Kellyanne Conway berühmt gewordenen „alternative facts“ unterstreichen ihre Beobachtung. Postfaktisch wurde von der Gesellschaft für deutsche Sprache gar zum Wort des Jahres 2016 gewählt. Auch eine Umfrage der Initiative Wissenschaft im Dialog stützt Offes These. Immerhin 38 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Menschen zu sehr der Wissenschaft vertrauen würden und nicht genug ihren Gefühlen.

Wissenschaft verliert Vertrauen

Dennoch ist diese Entwicklung kein neues Phänomen. Julia Offe hat bereits 2008 die Hamburger Regionalgruppe der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften gegründet. Sie setzt sich dafür ein, kritisches Denken und wissenschaftliche Methoden zu fördern. Offe glaubt, dass die mangelnde Wertschätzung der Wissenschaft Ausdruck einer sich wandelnden Gesellschaft ist: „Lebenswege und Arbeitsplätze sind unsicherer geworden als noch vor 20 Jahren. Die Menschen suchen nach Orientierung und Halt.“ Der Wissenschaft wenden sie sich dabei offenbar nicht zu.

Keine Anti-Trump-Demonstration

„Für mich war ein Tweet von Donald Trump im Jahr 2012 ein Schlüsselereignis“, sagte Tim Spitzer FINK.HAMBURG vorab. Der 36-jährige Programmierer hat den diesjährigen March for Science in Hamburg mitorganisiert. In dem Tweet behauptet Trump, dass der Klimawandel eine Erfindung der Chinesen sei. „Der gesellschaftliche Fortschritt basiert auf wissenschaftlichem Denken – darin waren sich eigentlich alle einig. Dieser Konsens wird von unterschiedlichen Seiten angegriffen“, so Spitzer.

Eine Anti-Trump-Veranstaltung sollte der March for Science jedoch nicht werden. Das machten die Organisatoren im Vorfeld klar. „Wir verstehen die Demonstration mehr als Mahnwache. Freie Wissenschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Der internationale Austausch ist auch in Europa schwieriger geworden“, sagte Julia Offe. Für die Macher ging es am Samstag deshalb auch um Solidarisierung mit Wissenschaftlern aus aller Welt. In Ungarn hat das Parlament ein umstrittenes neues Hochschulgesetz verabschiedet, in der Türkei sind Wissenschaftler Repressionen der Regierung ausgesetzt. Solidarisierung mit Wissenschaftlern und faktenbasierte Entscheidungen: Das waren nur zwei Themen, die die Macher des March for Science auf die Tagesordnung gesetzt hatten.

Mehr Demonstranten als erwartet

In Hamburg hat die Polizei am Samstag rund 2000 Demonstranten gezählt. Das waren doppelt so viele wie von den Veranstaltern angemeldet. Auch in anderen deutschen Städten lagen die Teilnehmerzahlen deutlich über den Erwartungen. Rund 11.000 Teilnehmer kamen zur größten Kundgebung in Berlin, genau 67 zur kleinsten auf der Nordseeinsel Helgoland.