Auf einer Wiese im Zentrum von Eppendorf soll eine Folgeunterkunft für Flüchtlinge entstehen. Das finden nicht alle im Stadtteil gut. Beim jüngsten Protest wurde ein Sarg zum Symbol der Gegner. Das sagen Eppendorfer zur Aktion:

Es heißt, in Eppendorf wohnt das vornehme Hamburg – umgeben von herrschaftlicher Architektur, schicken Boutiquen und gemütlichen Restaurants. Bisher ist dies der einzige Stadtteil, der noch keine Geflüchteten aufgenommen hat. Die erste Unterkunft soll nun auf einer Grasfläche an der Loogestraße im Zentrum entstehen. Passt eine Folgeunterkunft für Flüchtlinge in dieses Viertel? Neben vielen Befürwortern gibt es Gegner, die zu skurrilen Mitteln greifen.

An Wochenende hat eine unbekannte Frau einen schwarzen Sarg auf der Wiese aufgestellt, die für die Unterkunft weichen soll. Darauf lag eine Schärpe mit der Aufschrift „Opfer Rot/Grüner Borniertheit“. Die als Kunstinstallation getarnte Protestaktion wurde umgehend durch den Bezirkschef Harald Rösler (SPD) abgebrochen, wie die „Welt“ berichtet. Sie sei „unerträglich“ gewesen. Dabei habe das Bezirksamt Nord sie zuvor sogar genehmigt. Die Erlaubnis sei jedoch nur erteilt worden, weil die Gegner falsche Angaben gemacht hätten.

Die erste Flüchtlingsunterkunft für Eppendorf

2018 soll in der Loogestraße auf einer Grasfläche die erste Unterkunft fertiggestellt sein. 104 Personen finden dann in den Modulhäusern aus Containern Platz. Mitte 2017 soll mit dem Bau begonnen werden. Derzeit werden die dafür vorgesehenen Container noch von der anliegenden Kindertagesstätte genutzt.

Zusatzunterkunft im Seelemanspark als Reserve

Der Platz für die Unterkunft wurde Anfang 2017 ausgewählt. Man folgte damit dem Vorschlag des Bürgerworkshops „Finding Places“. Die Teilnehmer hätten zwei Standorte, den Seelemanspark und die Loogestraße, für eine mögliche Errichtung geprüft, erklärt Daniel Posselt vom Zentralen Koordinierungsstab Flüchtlinge. Da der Seelemannspark unter Denkmalschutz stehe und die Wiese auf der Loogestraße derzeit nur als Hundeplatz genutzt werde, sei die Wahl auf diesen Ort gefallen.

Sollte es notwendig sein, aufgrund eines erhöhten Bedarfs noch mehr Plätze zu schaffen, würde der Seelemanspark ebenfalls bebaut werden können. Dort könnte eine Unterkunft für weitere 88 Menschen entstehen. Die Proteste der Anwohner gegen die Unterbringung von Flüchtlingen wollte Posselt nicht kommentieren. Er betonte, dass Bürger den Platz vorgeschlagen haben, auch wenn die Teilnehmer des Workshops möglicherweise nicht selbst in Eppendorf wohnen.