Essen und Trinken am Lebensende
Essen und Trinken am Lebensende. Illustration: Lukas Schepers

Gemeinsame Mahlzeiten fördern die Gemeinschaft. Was aber, wenn Menschen am Lebensende nicht mehr essen können oder wollen? Wenn unheilbar Kranke die Nahrungsaufnahme verweigern, wird das gleichgesetzt mit einem baldigen Tod. Doch stimmt das wirklich?

Morgens, mittags und abends – Mahlzeiten strukturieren unseren Alltag. Als Belohnung oder Genussmittel, als Ausdruck von Identität und Kultur, vor allem bei Feierlichkeiten und Banketts. Vielleicht messen wir dem Essen auch eine zu hohe Bedeutung bei und fühlen uns deshalb so hilflos, wenn Menschen mit einer tödlichen Krankheit die Nahrung verweigern. „Bevor es überhaupt zu diesem Thema kommt, sollte man sich schon vorher damit beschäftigen“, so Christel Ludewig von der diakonischen Fort- und Weiterbildungsakademie (DFA). Denn nach wie vor wird Gesundheit mit Essen gleichgesetzt.

Es gibt viele Gründe, aus denen Menschen am Lebensende Essen und Trinken verweigern. Schmerzen, Magen-Darm-Probleme, Atemprobleme oder psychische Faktoren können eine Rolle spielen. In erster Linie gilt es herauszufinden, wie man den Appetit wieder steigern könnte. Bitterstoffe und verdauungsfördernde Gewürze können unterstützen. „Manchmal kann es schon helfen auf die individuellen Lieblingsspeisen oder -getränke einzugehen und eine Essbiografie zu erstellen“, sagt Ludewig.

Individuell abgestimmt, die wichtigsten Rituale an Wochen- oder Feiertagen im Essensplan zu berücksichtigen. Kleine, überschaubare Portionen sind wichtig, um die Sinne anzusprechen und keinen Ekel auszulösen. „Vor allem Demenzkranke bevorzugen süße Speisen“, so die Pflegeexpertin. Auch herzhafte Gerichte mit Zucker zu vermischen, trifft meist genau den Geschmack der demenzerkrankten Person.

„Durst ist schlimmer als Heimweh“

Der Mundbereich ist sehr sensibel und gehört zu den empfindlichsten Regionen des Körpers. Mit einer sorgfältigen Pflege kann die Austrocknung der Mundschleimhaut gut gelindert werden. Dabei ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Patienten und Pflegekraft oder Angehörigen besonders wichtig.

Bei erhöhtem Flüssigkeitsverlust oder krankheitsbedingter Austrocknung nimmt das Durstgefühl zu. Die Mundschleimhäute trocknen aus, es bilden sich Beläge, sprechen und schlucken wird schwierig. Der aufkommende Durst kann dabei nicht durch Infusionen gestillt werden. Wichtig ist es, die Situation individuell zu betrachten, persönliche Geschmacksvorlieben und Abneigungen zu beachten und auf Wünsche eingehen.

Die Lippen mit dem jeweiligen Lieblingsgeschmack zu befeuchten oder betupfen, kann für Menschen mit einer zunehmend schlechter werdenden Wahrnehmung sehr angenehm sein. Man kann dazu beispielsweise eingefrorene Fruchtstückchen, Brausepulver, Wasser oder Speiseeis benutzen. Den Lieblingstee oder -saft kann man in kleine Sprühflaschen füllen. „Natürlich gibt es auch Patienten, die Lust auf Wein oder Bier haben“, sagt Ludewig. „Es geht darum, dem Menschen die bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen.“ Vor allem für die Pflegekräfte erfordert das ein hohes Maß an Sensibilität und Behutsamkeit. Auch den Angehörigen gegenüber.

Diesen Wunsch zu respektieren fällt schwer. Hilflosigkeit und Unverständnis kommt auf, wenn der Sterbende Nahrung ablehnt. Essen liefert Energie, ohne Energie stirbt der Mensch. Doch ist es in dieser Phase des Sterbeprozesses ganz natürlich, nichts mehr zu essen. Es würde den Körper nur unnötig belasten.

„Menschen sterben nicht, weil sie nicht essen, sondern sie essen nicht, weil sie sterben.“

Ciceley saunders