Nick Jansen in seinem Studio-Kino in St. Pauli.
Nick Jansen in seinem Studio-Kino auf St. Pauli. Foto: Christoph Petersen

Das Studio-Kino auf St. Pauli vereint Gegensätze: Es bewegt sich zwischen Kunstfilm und Popkornkino, verbindet Moderne und 30er-Jahre-Flair. Doch die Konkurrenz setzt das kleine Lichtspielhaus unter Druck.

„Der Film ‚Die Schöne und das Biest‘ ist mein Kindheitstrauma. Es war total dunkel, und dann erschien dieses riesige Biest auf der Leinwand. Das war ziemlich gruselig“, sagt Nick Jansen. In den 90er-Jahren gehörten Disney-Filme zu seinem Alltag. Als Kind saß er jede Woche im Kinosaal. Sein Vater ist der Hamburger Kinobetreiber Hans-Peter Jansen. Ihm gehören unter anderem das Koralle-Kino in Volksdorf und das Elbe-Filmtheater in Osdorf. Neun Mal sah Nick Jansen als Kind, wie Mufasa in „Der König der Löwen“ in die Schlucht stürzt. Neun Mal blieben die Augen trocken. „Durch mein Trauma war ich abgehärtet“, lacht er.

FINK.HAMBURG stellt in dieser Reihe alle Hamburger Kinos in loser Reihenfolge vor. Den Auftakt macht das Studio-Kino auf St. Pauli.

Heute leitet Nick Jansen das Studio-Kino auf St. Pauli. Ein Ort mit Geschichte: An dieser Stelle stand Anfang des 20. Jahrhunderts die Spiegelfabrik Groß-Hamburg. 1929 zog dann erstmals ein Kino in die Werkshalle ein. Seitdem stand das Filmtheater immer wieder vor dem Aus. Zuletzt 2008, als das Gebäude abgerissen werden sollte. Doch Hans-Peter Jansen übernahm den Betrieb und gestaltete das Haus komplett neu. Nur das Herzstück, der Kinosaal, blieb in seiner ursprünglichen Form erhalten. „Die Besucher bekommen hier in gewisser Weise ein Gefühl dafür, wie in den 30er- und 40er-Jahren Kino geschaut wurde. Die Akustik ist mit dem Parkhausfeeling der Neubauten nicht zu vergleichen“, sagt Nick Jansen.

Starker Konkurrenzdruck für das Studio-Kino

Der 29-Jährige führt das Studio-Kino seit 2014. Sein Jura-Studium in Würzburg hat er zuvor abgebrochen, denn er spürte: Seine wahre Berufung gilt dem Kino. Sein Vater hat in ihm den idealen Nachfolger gefunden. Nick Jansen ist in der Weidenallee aufgewachsen, lernte die Schanze, die benachbarten Viertel und somit schon früh sein Kinopublikum kennen. „Unsere Gäste kommen nicht nur wegen der Filme. Sie können sich mit unserem Haus identifizieren. Denn wir haben eine junge Programmgestaltung und ein junges Team hinter der Kasse. Das zieht die Leute an.“

Das Studio-Kino zeigt eine Mischung aus Underground, Crossover, Arthouse und Mainstream. Außerdem läuft jeder Film mit englischen Untertiteln. Dadurch werden auch die Touristen aus dem Hostel auf der anderen Straßenseite angelockt. Stolz erzählt Nick Jansen, dass er sich mit dieser Idee gegen seinen Vater durchgesetzt hat. Die beiden stammen aus zwei verschiedenen Kinogenerationen und sind sich in der Programmgestaltung selten einig.

Doch der Erfolg gibt Nick Jansen recht – auch wenn er den finanziellen Druck spürt. „Wir liegen genau zwischen den drei etablierten Häusern Abaton, Cinemaxx und Zeise. Ein eigenes Standbein zu finden, war schwierig“, gesteht er. Dennoch gehören teure Hollywood-Produktionen und Mainstream-Pop-Kino wie „Fack ju Göhte“ dazu. „Wir machen in erster Linie Programm für unser Publikum. Und wenn unser Publikum diese Filme sehen will, müssen wir sie auch ins Programm nehmen. Das ist unsere Pflicht.“

Nick Jansen blickt optimistisch in die Zukunft. Seine Hoffnung ist: Das Kino wird fortbestehen, trotz hochwertiger Filme und Serien auf den Streaming-Plattformen von Netflix und Amazon. „Ich brauche mindestens Fernsehergröße, um einen Film einigermaßen zu genießen. Laptop oder Handy gehen gar nicht. Filme auf kleinen Bildschirmen – das ist für mich nicht greifbar“, sagt er.

Das Studio-Kino hat zwei Säle. In den größeren passen 136 Gäste. Dienstag ist Kinotag. Dann gibt es Tickets für 6,50 Euro; sonst 8,00 Euro, ermäßigt 7,50 Euro.

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Christoph Petersen, Jahrgang 1989, liebt Bahnfahren und zahlt gerne seinen Rundfunkbeitrag. Spießig? Von wegen: Der Wiesbadener war sogar schon mal in der „Neon" als Single bei den „Ehrlichen Kontaktanzeigen“. Nach seinem Politik- und Soziologie-Studium in Mainz arbeitete Christoph als Hörfunkredakteur und -Moderator für hr1, bevor er sein Volontariat bei einer Produktionsfirma für Dokumentarfilme abschloss. Jetzt lebt er in der „Barmbronx" im Osten Hamburgs und bummelt lieber über den Flohmarkt beim Museum der Arbeit als über den in der Schanze. Dort sucht er vor allem nach alten Schallplatten, die Kindheitserinnerungen wecken.

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