Schaufenster zum Mini-Kino: Autorenfilme, Nischen-Produktionen und die Kurzfilmreihe „Shorts Attack“ machen das Programm des Filmraums aus. Foto: Lesley-Ann Jahn
Schaufenster zum Mini-Kino: Autorenfilme, Nischen-Produktionen und die Kurzfilmreihe „Shorts Attack“ machen das Programm des Filmraums aus. Foto: Lesley-Ann Jahn

Tür auf und man steht mittendrin: Der Filmraum ist eine kleine Kulturinstitution für den Stadtteil Eimsbüttel. Doch das Kino-Geschäft ist hart umkämpft – und das Überleben wird immer schwieriger.

Beim Filmraum in Eimsbüttel ist der Name Programm: Tür auf und man steht mitten drin. Das Kino besteht aus nur einem Raum mit gerade mal 35 Sitzplätzen. Die hinteren Reihen bilden klassische Kino-Samtsessel, in der vorderen Reihe sitzen Besucher auf größeren Polsterstühlen. An der Decke hängt ein Beamer, die großen Schaufensterscheiben zur Straße sind mit roten Vorhängen abgehangen. Der Filmraum wirkt wie schnell zusammengeschustert, es gibt kaum Deko, Kabel hängen offen herum, der Boden ist abgewetzt. Und doch oder genau deshalb fühlt man sich direkt wohl in dem Mini-Kino. Es ist fast so, als wäre man zum Filmegucken zu Gast bei Freunden.

Mit den rund 35 Plätzen wirkt der Filmraum wie eine Art verlängertes Wohnzimmer. Foto: Lesley-Ann Jahn
Mit den rund 35 Plätzen wirkt der Filmraum wie eine Art verlängertes Wohnzimmer. Foto: Lesley-Ann Jahn

Behzad Safari hat den Filmraum vor neun Jahren in der Müggenkampstraße zusammen mit seinem Bruder eröffnet. Er selber hat Film- und Musikwissenschaften studiert und wohnt schon seit „gefühlt 100 Jahren“ in Eimsbüttel. Mit dem kleinen Kino wollte er nicht nur einen Ort schaffen, der mit seinem Programm zum Stadtteil passt, sondern auch seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird: „Ich leiste mir hier den Luxus, nur Filme zu zeigen, hinter denen ich selber stehe. Wir zeigen hauptsächlich Autorenfilme, viele kleine Produktion und versuchen dabei eine Mischung aus den verschiedensten Themen hinzubekommen.“ Außerdem widmet sich das Programm monatlich dem internationalen Kurzfilm mit der „Shorts Attack“ Reihe.

Kino als Stadtteilarbeit

Das Kino ist aber mehr als nur ein Ort zum Filmegucken. Behzad beobachtet schon seit Jahren die Veränderungen in Eimsbüttel. Er sieht den Filmraum als einen wichtigen Beitrag zur Stadtteilkultur und arbeitete unter anderem schon mit der Geschichtswerkstatt für die Ausstellung „Kinokultur in Eimsbüttel“ zusammen. Die Entwicklung des Stadtteils sieht er kritisch. „Die Filme, die wir zeigen, sollen deshalb auch Erinnerungen wecken und zum Nachdenken anregen. Dinge, wie die fortschreitende Gentrifizierung oder der Generationenwechsel ändern das Gesicht des Stadtteils. Und das eher nicht zum Guten, weil oft Kulturinstitutionen darunter leiden“, so Behzad.

Ein bekanntes Gesicht im Stadtteil: Filmraum-Gründer Behzad Safari. Foto: Lesley-Ann Jahn
Ein bekanntes Gesicht im Stadtteil: Filmraum-Gründer Behzad Safari. Foto: Lesley-Ann Jahn

Der Filmraum-Gründer erzählt weiter: „Vor 45 Jahren gab es hier noch viele Kinos. Diese sind nach und nach zugrunde gegangen, mussten teilweise großen Supermärkten weichen.“ Dass der Filmraum mittlerweile eine Institution im Stadtteil ist, merkt man schnell, wenn man mit Behzad vor dem Kino steht. Er wird immer wieder gegrüßt, einige Passanten halten kurz zum Schacken an. „Ich freue mich, dass die Leute die Filme quasi durch mich gucken und mir ihr Vertrauen schenken, dass ich eine gute Auswahl treffe. Ich finde es dabei wichtig, hier vor Ort zu sein und den Filmraum authentisch zu repräsentieren“, sagt Behzad.

Ein knallhartes Geschäft

Bei allem künstlerischen und sozialen Anspruch macht Behzad aber auch deutlich, dass das Kino-Geschäft hart umkämpft ist. Auch wenn es in Eimsbüttel mittlerweile keine anderen Kinos mehr gibt, konkurriert der Filmraum natürlich mit anderen, kleinen Anbietern, wie dem Abaton und dem Zeise, aber auch den „Großen“, wie dem Cinemaxx. „Wenn es um die Filmlizenzen geht, ist es für uns finanziell oft schwierig mitzuhalten. Wir müssen ja denselben Preis bezahlen – sind aber viel kleiner“, so Behzad. „Leidenschaft, Idealismus und Liebe für eine Sache reichen leider nicht immer aus. Vor allem, wenn Konkurrenten mit einer Vorstellung das Gleiche einnehmen können wie wir in einem Monat.“

„Leidenschaft, Idealismus und Liebe reichen leider nicht immer aus.“

Von Seiten der Kulturbehörde gibt es für den Filmraum keine finanzielle Unterstützung. Dass das Kino sich dennoch schon so lange über Wasser halten kann, liegt vor allem an der Hilfe, die Behzad von Freunden und anderen Ehrenamtlichen bekommt. „Ich bin zwar optimistisch“, sagt Behzad, „aber die vielen finanziellen Tiefpunkte sind auf Dauer schwer wegzustecken. Trotz aller Kunst, die man so im Kopf hat, sind betriebswirtschaftliche und marktwirtschaftliche Dinge nicht außer Acht zu lassen. Und die Arbeit, die ich hier reinstecke, steht im keinen Verhältnis zum finanziellen Ertrag.“

Auch draußen bietet der Filmraum gemütliche Plätze. Foto: Lesley-Ann Jahn
In der Müggenkampstraße: Auch draußen gibt’s gemütliche Plätze. Foto: Lesley-Ann Jahn
Kino-Atmosphäre im Mini-Format. Foto: Lesley-Ann Jahn
Samtsessel, Polsterstühle, rote Vorhänge: Kino-Atmosphäre im Mini-Format. Foto: Lesley-Ann Jahn

Im Hinblick auf die Zukunft scheint es deshalb bereits Pläne für eine Veränderung zu geben, die bisher allerdings noch nicht spruchreif sind. Dass das kleine Kino als Kulturinstitution in Eimsbüttel bestehen kann, bleibt auf jeden Fall zu hoffen. Denn der Filmraum bietet nicht nur anspruchsvolles Kino für die Zuschauer, sondern kann auch kleinen, lokalen Filmemachern eine Nische bieten, ihre Produktionen zu zeigen. Das würde nicht nur dem Stadtteil gut tun, sondern auch Hamburg als Filmstadt weiter stärken.

FINK.HAMBURG stellt in dieser Reihe Hamburger Kinos in loser Reihenfolge vor. Hier findet ihr mehr Infos und das Programm des Filmraums.

Vorheriger Artikel„Fake it till you make it“
Nächster ArtikelNABU: „Lasst das Herbstlaub liegen“
Zu jedem Bier bestellt sich Lesley-Ann Jahn, Jahrgang 1992, einen Strohhalm — der verbessert angeblich den Geschmack. Auch sonst fällt die gebürtige Itzehoerin, die für ihr Germanistik-Studium nach Hamburg gezogen ist, knallharte Urteile in den Szenevierteln. Als Redakteurin für einen Hamburger Zeitschriftenverlag schaute sie zum Beispiel kritisch in die Küchen und auf die Ladentheken der Stadt. Als sie einmal für einen Artikel 30 Tage lang vegan, koffein- und alkoholfrei leben musste, litt sie dabei entsetzlich am Kaffeeentzug. Lesleys Freunde kommen bei ihr in den Genuss von selbstgemachten Kuchen und gesunden Gerichten.