Gründerin Melanie Schütze (Mitte) beim Alsterloge-Treffen. Foto: Nico Paetzold
Gründerin Melanie Schütze (Mitte) beim Alsterloge-Treffen. Foto: Nico Paetzold

Melanie Schütze hat in Hamburg das Frauennetzwerk Alsterloge gegründet. FINK.HAMBURG hat sie erzählt, warum sie wütend ist, was sich hinter dem Queen-Bee-Effekt versteckt – und warum Frauen mehr Netzwerken sollten.

Die Ansage des Chefs war deutlich: „Aus ihnen hätte echt was werden können.“ Dabei hatte die Freundin von Melanie Schütze keinen Fehler gemacht, wollte nicht die Branche wechseln und auch nicht ihren Job an den Nagel hängen. Sie war bloß schwanger. Dass der Chef das als Karriereende ansah, macht Melanie Schütze bis heute wütend. „Und das ist kein Einzelfall. Viele meiner Freundinnen und Bekannte berichten immer wieder über solche Vorkommnisse, die einfach nur ungerecht sind.“ Aber statt sich einfach nur darüber zu beklagen, was alles falsch läuft, ist sie aktiv geworden.

First things first: Das Netzwerken

Als sie selber 2015 auf der Suche nach einem Plattform zum Netzwerken ist, findet sich nicht, was ihren Ansprüchen gerecht wird. Und gründet einfach selbst ein Netzwerk. „Es gab zwar einige tolle Netzwerke, aber keines, dass unabhängig von Branche und Position funktionierte.“ Und gerade das sei besonders für junge Frauen extrem wichtig. „Die Alsterloge sollte dabei zuerst gar kein Case werden“, sagt Melanie Schütze rückblickend. Aber die Idee trifft anscheinend einen Nerv in der Stadt.

Alsterloge-Gründerin Melanie Schütze. Foto: privat
Alsterloge-Gründerin Melanie Schütze. Foto: privat

So war die Resonanz zum Kick-Off-Event überwältigend und die Gründerin konnte ihre Idee weiter ausbauen. Die Alsterloge-Treffen fanden in den letzten Jahren regelmäßig in verschiedenen Locations statt. Dabei kamen bis zu 100 Frauen zusammen, diskutierten über diverse Themen, hörten spannende Vorträge aus der Praxis, lernten sich kennen, tauschten sich aus und knüpften wichtige Kontakte.

„Männer sind keine Feinde“

„Ich will mit den Treffen oder allgemein gar nicht gegen irgendetwas oder irgendwen arbeiten“, so Melanie Schütze. „Ich wünsche mir nur, dass wir einen optimalen und gerechten Weg finden, miteinander zurechtzukommen.“ Sie selbst sieht Männer nicht als Feinde, bekommt aber immer wieder mit, wie schwer Frauen es teilweise in ihren Jobs oder als Gründerinnen haben. „Ich höre so oft, dass Chefs Leistungen ihrer Mitarbeiterinnen für sich ausgeben. Oder dass Frauen, die Unternehmen gründen wollen, schwieriger an Kapital kommen. Und ganz ehrlich: Das macht mich echt sauer.“

Melanie Schütze selbst sagt über sich, sie sei „großer Frauen-Fan“. Sie arbeite gerne mit Frauen zusammen – weiß aber auch um deren Schwächen. Sie findet vor allem, dass Frauen aufhören sollten, sich zu messen und stattdessen anfangen sollten, zusammenzuarbeiten und in einen offenen Austausch zu treten. Die gebürtige Münchenerin ist selbst die Älteste von vier Geschwistern und sagt über sich, dass sie bei ihrer Arbeit und von ihrem Gerechtigkeitsempfinden angetrieben wird.

Der Queen-Bee-Effekt

Oftmals stünden Frauen sich selbst im Weg. „Es gibt den sogenannten ‚Queen-Bee-Effekt'“, sagt Melanie Schütze. „Das heißt, dass beispielsweise eine Frau, die zusammen mit vier Männern im Vorstand eines Unternehmens sitzt, einen freien Posten eher an einen Mann vergeben würde als an eine Frau mit denselben Qualifikationen. Weil Frauen im Kopf haben: ‚Die andere sägt an meinem Stuhl, die ersetzt mich sicher bald‘. Gerade weil es oftmals eben auch wirklich nur einen Platz für Frauen in hohen Positionen gibt.“ Die Wirtschaft in Deutschland sei noch immer  sehr männlich geprägt.

Bei den Alsterloge-Treffen gibt es neben der Zeit zum Netzwerken auch Vorträge von verschiedenen Speakern. Foto: Nico Paetzold
Bei den Alsterloge-Treffen gibt es neben der Zeit zum Netzwerken auch Vorträge von verschiedenen Speakern. Foto: Nico Paetzold

Mit der Alsterloge schafft Melanie Schütze also nicht nur eine Basis zum Netzwerken, sondern auch einen Raum, in dem sich Frauen auf Augenhöhe begegnen und voneinander lernen können. Dabei ist es egal, ob eine Teilnehmerin gerade am Anfang ihrer Karriere steht oder schon lange in einem Unternehmen arbeitet. Es ist  egal ob sie Freelancerin ist, Gründerin oder Mama in Elternzeit.

Netzwerken über die Alsterloge hinaus: Zeit für Neues!

„Mittlerweile melden sich jedes Mal bis zu 450 Frauen an, unter denen ich die Plätze dann verlose“, so die Gründerin. Viele der Frauen werden wiederum von anderen Frauen empfohlen oder durch die sozialen Netzwerke auf das Treffen aufmerksam.

„Leider endet der Kontakt dann teilweise mit den Treffen bei der Alsterloge“, sagt Melanie Schütze. Die Frauen würden sich höchstens noch über Xing vernetzten. Dann verliere sich oftmals der Kontakt oder intensiviere sich nicht richtig. Deshalb arbeitet Melanie Schütze seit circa einem halben Jahr an einer neuen Idee, die dieses Problem überwinden soll. Genaueres verrät die Gründerin aber noch nicht. Wir sind auf jeden Fall auf ihre Idee gespannt!

In der Serie Gründerinnen beleuchtet FINK.Hamburg die Hamburger Startupszene und stellt Frauen vor, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben.