Der Kameramann findet einen Schädel, Fotol: K Films Amérique

Ein kleines Dorf der Inuit in der kanadischen Wildnis soll umgesiedelt werden. Die Regierung beauftragt einen Kameramann Eindrücke zu sammeln. Dieser kämpft von Tag zu Tag mehr mit seinem Gewissen.

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FINK.HAMBURG berichtet live vom; Filmfest Hamburg, bespricht viele der nationalen und internationalen Spiel- und Dokumentarfilme und trifft Filmschaffende aus aller Welt.

Es ist nur das Rauschen der Blätter zu hören. Auf der Leinwand tut sich ein dichter Wald auf. Nichts bewegt sich. Plötzlich tritt ein Mann ins Bild. Schweigend und langsam bewegt er sich auf die Kamera zu. Die erste Szene des Filmes „Tuktuq“ steht stellvertretend für die folgenden 94 Minuten: Der kanadische Regisseur Robin Aubert benutzt vorwiegend starre Kameraeinstellungen in diesem Drama.

„Tuktuq“ thematisiert die Zwangsumsiedlungen der Inuit, die in Kanada jahrelang praktiziert wurden. Ein namenloser Kameramann soll für die kanadische Regierung das Leben der Inuit dokumentieren. Was nach einem harmlosen Auftrag klingt, stellt sich als Instrument für die Umsiedlungspläne der Regierung heraus. Dies wird durch zahlreiche Telefonate deutlich. Es entspinnt sich ein Konflikt zwischen den Idealen des Kameramannes und der kanadischen Regierung.

Für seinen Film „Tuktuq“ war Regisseur Robin Aubert auch als Hauptdarsteller und Kameramann tätig. Nur die Musik ist nicht von ihm. Ähnlich reduziert ist auch das, was der Zuschauer auf der Leinwand verfolgt: Bilder der Einsamkeit. Der Zuschauer sieht in langen Standbildern zu, wie der namenlose Kameramann mit seinen Zweifeln ringt. Es fällt einem schwer, dem Protagonisten durch diese kontrastlose Umgebung zu folgen. Nur selten unterbrechen drastische Bilder die Ruhe, beispielsweise wie ein Rentier geschlachtet wird.

Wie mächtig die Regierung eines Landes ist und wie wenig eine einzelne Person gegen politische Entscheidungen ausrichten kann, ist die Geschichte, die mit dem Film „Tuktuq“ erzählt werden soll. Vor allem die Telefonate zwischen dem Kameramann und seinen Auftraggebern zeigen, dass es wichtig ist, sich selber treu zu bleiben – auch wenn das nicht immer gelingt.

Der Film wurde auf dem Hamburger Filmfest gezeigt und war für den Preis „Der politische Film der Friedrich-Ebert-Stiftung nominiert. 2016 lief Tuktuq bereits in den Kinos und ist online auf DVD erhältlich. 

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Ursprünglich wollte Julian Kornacker, Jahrgang 1992, nach der Schule "dick Kohle verdienen" und studierte deshalb in der Oberpfalz BWL. Relativ schnell wurde dem Hannoveraner jedoch klar, dass es Wichtigeres gibt und er verschrieb sich dem Journalismus. Die ersten Schritte unternahm er beim ZDF und Radio Hamburg. Es folgte ein Bachelor in Sportjournalismus an der Medienakademie der Hansestadt. Julian schämt sich nicht dafür, Fan von Cristiano Ronaldo zu sein. An seiner Begeisterung für Videospiele lässt er seit einiger Zeit auch andere teilhaben: auf seinem eigenen Let’s-Play-Kanal bei YouTube. Die Kamera ist seine andere große Leidenschaft: Vor und hinter der Linse sorgt Julian für bewegte Bilder. Zum Einschlafen hört er "Fest und flauschig".